Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nach der Randale am Opernplatz verstärkte die Polizei ihre Präsenz.
+
Nach der Randale am Opernplatz verstärkte die Polizei ihre Präsenz.

Amtsgericht Frankfurt

Frankfurt: Opernplatz-Krawall - Freispruch gegen mutmaßlichen Flaschenwerfer

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

Die juristischen Konsequenzen des Opernplatz-Krawalls bleiben überschaubar. Das Amtsgericht Frankfurt spricht einen mutmaßlichen Flaschenwerfer frei.

Frankfurt - Wenn man will, dann kann man Mazlum B. wohl als Teil der Party- und Eventszene sehen. Unter diesem schmucken Label firmiert nach wie vor der gut 3500 Köpfe zählende Mob, der sich in der Nacht auf den 19. Juli 2020 auf dem Opernplatz erst intern prügelte und dann die anrückende Polizei mit Hassgesängen und geworfenen Glasflaschen begrüßte. Fünf Polizisten wurden verletzt, ein Schaden von knapp 15.000 Euro angerichtet. Die Anklage wirft B. vor, Flaschen auf Polizisten geworfen zu haben – wobei ihm das, was der Jurist so schön einen „Verletzungserfolg“ nennt, nicht nachgewiesen werden könne.

Mazlum B., der ohne Verteidiger erscheint, leugnet jeglichen Flaschenwurf. Er habe an jenem Abend „mit ein paar Kollegen“ auf der Zeil gefeiert, sagt der 21-Jährige – was nahelegt, dass an jenem Abend nicht nur die Party-und-Event-, sondern auch die Gebäudereinigerszene auf dem Opernplatz gastierte. Was dann geschah, das erinnert in B.s Erzählung an eine Art Naturkatastrophe: „Plötzlich flogen Mülltonnen“, aus heiterem Himmel regnete es Flaschen, und die Menschen gerieten in Panik, liefen durcheinander und schrien in ihrer Not.

Krawalle auf dem Opernplatz in Frankfurt: „ACAB“-Rufe

Manche schrien „ACAB“ (All cops are bastards / Alle Bullen sind Schweine), andere anderes. Er und seine Kollegen aber wollten sich entfernen. Unterwegs habe er seine Kollegen aus den Augen verloren, und in seiner Verzweiflung habe er sich an einem Kiosk eine Flasche Bitzelwasser gekauft. Kurz danach sei er samt Flasche in eine Polizeikontrolle geraten. Der junge Mann aus Heppenheim erinnert sich noch, wo das war: „Das war in der Luxusmarkenstraße“ – einer üblen Gegend, die der originäre Frankfurter als „Goethestraße“ kennt und meidet. „Und dann habe ich diesen Brief gekriegt.“

In „diesem Brief“ stand sinngemäß folgendes: „Lieber Mazlum. Komm doch bitte zu Deinem Prozess wegen schweren Landfriedensbruchs. Herzliche Grüße, Dein Amtsgericht“ – nur etwas schärfer formuliert. B. hat dieser Einladung Folge geleistet, was innerhalb der Party- und Eventszene keine Selbstverständlichkeit ist.

Frankfurt: 39 Personen auf dem Opernplatz „festgesetzt“

Ein als Polizist geladener Zeuge war in jener Nacht zwar nicht vor Ort, fasst die Ermittlungslage aber zusammen: 39 Personen seien vorläufig „festgesetzt“, acht davon festgenommen worden. Von den 31 übrigen seien drei „durch Klamotten und Abgleich von Videoaufnahmen identifiziert“ worden. Mazlum B. ist einer dieser drei. Ein anderer Polizist war vor Ort und erinnert sich noch an fliegende Mülltonnen, Flaschenstarkregen und „ACAB“-Rufe, die wie Donner durch die Nacht grollten. Er ist allerdings der Überzeugung, diese Klimakatastrophe sei menschengemacht gewesen. An Mazlum B. erinnert er sich nicht.

Das wäre auch etwas viel verlangt, denn der Dresscode der Party- und Eventszene ist recht uniform und birgt hohe Verwechslungsgefahr. Zu diesem gehört auch, klärt der Amtsrichter auf, die „Jeans mit Rissen, die gerne von jungen Männern getragen wird“. Diese Designerrissejeans sind von vielen Eltern – Mazlum B. wohnt im Übrigen noch bei den seinen – nicht nur des hohen Preises wegen ungern gesehen. Sie haben aber mitunter auch ihre Vorteile.

Opernplatz Frankfurt: Kleidung passt nicht zur Beschreibung

Denn die Jeans, die Mazlum B. in jener Nacht auf dem Polizeifoto trägt, hat ein Rissedesign, das sich von jenem des auf einem sehr pixeligen Video festgehaltenen Flaschenwerfers unterscheidet, wenn auch nur hauchzart. Zudem trägt B. auf dem Foto Sneaker, der Flaschenwerfer aber vermeintlich etwas höhere Halbschuhe. Selbst der Staatsanwalt plädiert auf Freispruch, der Amtsrichter folgt dieser Empfehlung „wegen Widersprüchen im Hosen- und Schuhbereich“.

Das juristische Nachspiel des Opernplatzkrawalls bleibt damit überschaubar. Im Februar dieses Jahres hatte das Jugendgericht einen 20-Jährigen wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchter Körperverletzung verwarnt. Zudem musste er zur Strafe 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, 500 Euro an die Kinderhilfestiftung zahlen und ein Buch lesen. Dieser junge Mann hatte eine Flasche nach den Polizisten geworfen. Es tat ihm aber sehr leid. (Stefan Behr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare