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Polizisten und Medienvertreter stehen vor der Alten Oper, nachdem Feiernde den Platz verlassen mussten. Zuvor war es an einem Wochenende im Juli 2020 zu Krawallen auf dem Platz gekommen.
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Polizisten und Medienvertreter stehen vor der Alten Oper, nachdem Feiernde den Platz verlassen mussten. Zuvor war es an einem Wochenende im Juli 2020 zu Krawallen auf dem Platz gekommen.

Kriminalität

Opernplatz-Krawalle: Erster Angeklagter zeigt Reue über Randale - und erhält ungewöhnliche Strafe

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Der erste Prozess zu den Frankfurter Opernplatz-Krawallen vom Juli endet glimpflich: Der Angeklagte bekommt eine sehr außergewöhnliche Strafe. Weitere Prozesse folgen.

  • In der Nacht auf den 19. Juli 2020 randalierten am Frankfurter Opernplatz etwa 3500 Menschen.
  • Nun musste sich der erste Angeklagte seinen Taten vor dem Frankfurter Amtsgericht stellen.
  • Die Richterin legt ihm eine sehr ungewöhnliche Auflage auf.

Frankfurt ‒ Elyas T. ist nicht unbedingt der Angeklagte, den man erwartet hat. Der 20-Jährige musste sich am Mittwoch (17.02.2021) vor dem Frankfurter Amtsgericht wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Das ist normalerweise kein großes Ding, sondern eher der übliche Ausklang eines Kneipenbummels durch Alt-Sachsenhausen, und Prozesse dieser Art gibt es alle Wochen. Das enorme Medieninteresse an diesem Fall erklärt sich dadurch, dass T. der erste Angeklagte im Zusammenhang mit den Opernplatz-Krawallen in der Nacht auf den 19. Juli 2020 ist.

Opernplatz in Frankfurt: Angeklagter wütete gemeinsam mit Mob

Ein Mob von etwa 3500 laut Anklage „überwiegend jungen Männern“ hatte damals gegen die coronabedingte Räumung des Platzes, der sich als Partymeile etabliert hatte, protestiert. Mit beachtlichem Ergebnis: fünf verletzte Polizist:innen, drei Tonnen Glasbruch, 15 000 Euro Schaden und eine bis ins Mark erschütterte Stadt.

T. hatte in dieser Nacht eine zuvor eigenhändig geleerte Flasche Wodka nach den Einsatzkräften geworfen, ohne zu treffen. Und danach eine beachtliche sportliche Leistung gezeigt: Mit auf den Rücken gefesselten Händen und 1,17 Promille im Blut hatte er auf der Flucht vor den Beamten stolze 550 Meter geschafft, ehe die ihn einholten und zu Boden brachten. So weit, so normal. Auffällig aber ist, dass T., der sich nach kurzer Zappelei dann doch festnehmen ließ, den Beamt:innen nicht wie üblich ankündigte, den Geschlechtsakt mit ihren Müttern vollziehen zu wollen, sondern mehrfach beteuerte: „Es tut mir leid!“

Nach Opernplatz-Kawallen: Eltern und Angeklagter bitten um Entschuldigung

Der gebürtige Frankfurter stammt aus dem für seine Party- und Eventszene berühmten Ben-Gurion-Ring, ist aber ein eher untypischer Vertreter dieser Klientel. Er ist bislang noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wie sein älterer Bruder wohnt Elyas noch bei seinen Eltern, was beiden dabei hilft, das nach dem Abitur aufgenommene Studium zu stemmen. Die Eltern, die sich beide ein Leben lang in unterbezahlten Jobs – Postbote und Reinigungskraft – den Buckel krumm geschafft haben, hatten zwei Tage nach der Festnahme einen Brief an die Polizei geschrieben, in dem sie sich „voller Entsetzen, Reue und Scham“ für das Verhalten ihres Sohnes entschuldigen, für das sie „keinerlei Verständnis“ hätten.

Wenige Wochen später schickte Elyas T. dann selbst noch ein Entschuldigungsschreiben an Polizei und Stadtreinigung. Er habe keine Ahnung, was außer dem Suff ihn damals geritten habe. Er hege keinerlei Groll gegen die Polizei. Und erst recht nicht gegen seine Heimatstadt: „Ich liebe diese Stadt. Frankfurt hat mir so viel gegeben.“ Vor Gericht legt er noch eine Schippe drauf: „Ich bin sogar Eintracht-Fan!“ Strafmildernd wirkt sich das aber nicht aus.

Angeklagter von Opernplatz-Krawallen bekommt ungewöhnliche Auflage

Das ist auch gar nicht nötig. Angesichts des Auftretens des Angeklagten, seines makellosen Vorlebens und seines außergewöhnlichen Nachtatverhaltens glaubt ihm selbst der Staatsanwalt, dass er sich damals in der Hitze der Nacht ohne Sinn, Verstand und Grund vom Wüten des Mobs habe mitreißen lassen. Am Ende des Prozesses wird T. nach Jugendrecht verurteilt und verwarnt, er muss 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und 500 Euro an die Kinderhilfestiftung zahlen.

Zudem gibt ihm die Richterin eine besondere Auflage auf den Weg: Er muss binnen vier Wochen ein Buch lesen, in dem eine Polizistin, die wie T. auch einen sogenannten Migrationshintergrund hat, von ihrem Arbeitsalltag in Deutschland erzählt. Um die Lektüre zu beweisen, muss er der Referendarin der Richterin eine kurze Inhaltsangabe zukommen lassen. Aber T. hatte bereits im Vorfeld erklärt: „Ich bereue meine schwerwiegende Dummheit zutiefst und werde jede Strafe, die ich kriege, annehmen.“

Opernplatz-Prozesse gehen weiter ‒ Nur wenige Verhandlungen in Frankfurt

Dieser Fall war nur die Premiere. Sechs weitere Opernplatz-Prozesse gegen Männer im Alter von 18 bis 31 Jahren werden voraussichtlich folgen. Das ist alles, was von den anfänglich 27 Ermittlungsverfahren übrig geblieben ist. Elf davon hatte die Staatsanwaltschaft an auswärtige Behörden abgeben müssen, weil gegen die Beschuldigten nach Jugendstrafrecht an deren Heimatorten verhandelt wird. Und anders als Elyas T. kommen viele der Randalierer weder aus Frankfurt noch lieben sie diese Stadt. (Stefan Behr)

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