Die Bushaltestelle Alte Oper an der Bockenheimer Anlage wurde zertrümmert.
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Die Bushaltestelle Alte Oper an der Bockenheimer Anlage wurde zertrümmert.

Randale

Opernplatz in Frankfurt: Flaschenwürfe auf die Polizei

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die Party am Frankfurter Opernplatz eskaliert in der Nacht auf Sonntag.

Fünf verletzte Polizisten, 39 Festnahmen, mehrere Tausend Euro Schaden. Das ist die vorläufige Bilanz der Randale auf dem Frankfurter Opernplatz in der Nacht auf Sonntag.

Wie Polizeipräsident Gerhard Bereswill auf der eilig einberufenen Pressekonferenz am Sonntagmittag erläuterte, begann die Party auf dem Frankfurter Opernplatz wie in den Wochen zuvor friedlich. Etwa 3000 Menschen seien zusammengekommen, „es herrschte ein gute Grundstimmung“, so Bereswill – wie auch im übrigen Stadtgebiet, am Main, im Hafenpark, im Grüneburgpark, an der Hauptwache, auf der Freßgass, wo sich etwa 5000 bis 6000 Menschen aufhielten.

Die Stimmung auf dem Opernplatz sei gegen 1 Uhr aggressiver geworden, führte Bereswill aus. Unter dem Einfluss von Alkohol habe es Streitigkeiten und körperliche Auseinandersetzungen gegeben. Viele Menschen seien daraufhin, auch weil es spät gewesen sei, nach Hause gegangen.

Als die Stimmung endgültig kippte, gegen 3 Uhr, seien noch 500 bis 800 Menschen auf dem Platz gewesen. 25 bis 30 Menschen begannen, sich am Lucae-Brunnen zu prügeln. Ein Mann sei verletzt worden und habe stark geblutet. Als zehn Polizisten versucht hätten, den Mann zu bergen, hätten die Schläger ihre Aggressivität vereint gegen die Polizei gerichtet, führte Bereswill aus. Flaschen seien geflogen, die Menge habe gejohlt, geklatscht und „ACAB“ gerufen – das steht für „All cops are bastards“ (engl., Alle Polizisten sind Bastarde).

Die zehn Polizisten hätten sich daraufhin zurückgezogen und Verstärkung gerufen. Schon beim Eintreffen der Streifenwagen seien Flaschen auf die Wagen geflogen, so Bereswill. Die Beamten hätten sich in zwei Ketten mit Schutzschilden aufgestellt, weitere Flaschenwürfe seien erfolgt. „Dann fiel der Entschluss, den Platz zu räumen“, sagte der Polizeipräsident. Die Polizisten hätten die 500 bis 800 Menschen in Richtung Freßgass gedrängt, während „ein Hagel von Flaschen“ auf die Polizisten niedergegangen sei.

Eine Polizeikette habe sich über die Hoch- und Kaiserhofstraße bewegt und die Menschenmenge damit umzingelt, um Festnahmen durchzuführen. 39 Menschen seien vorläufig in Gewahrsam genommen worden, so Bereswill, acht seien noch immer in Haft. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft werde geprüft, sie wegen schweren Landfriedensbruchs anzuzeigen. „Diese Entscheidung steht noch aus“, sagte er. Maßgeblich sei das dokumentarische Material, welches die Polizei gesammelt habe.

Die 39 Festgenommenen seien junge Männer im Alter von 17 bis 21 Jahren. Neun von ihnen stammten aus Frankfurt. Die anderen aus dem Umland – unter anderem aus Offenbach, Hanau, Darmstadt, Limburg. „Vorwiegend sind es Männer mit Migrationshintergrund“, sagte er. Ein Mann soll 20 Flaschen geworfen und die Umstehenden angestachelt haben.

Die fünf verletzen Polizisten hätten Schürfwunden und Prellungen erlitten. Möglicherweise kämen weitere verletzte Polizisten hinzu, die zunächst nach Hause gegangen seien.

Sachschaden in Höhe von mehreren Tausend Euro entstand demnach an den Polizeiwagen sowie an der Bushaltestelle Alte Oper an der Bockenheimer Anlage, deren Scheiben zertrümmert worden seien.

Einordnend sagte Bereswill, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung in den letzten Wochen vermehrt gegen die Polizei gerichtet habe. Hintergrund sei das nach wie vor unaufgeklärte Abgreifen persönlicher Daten aus Polizeicomputern im ersten Revier in Frankfurt sowie im vierten Revier in Wiesbaden, das zu rechtsextremen Drohmails mit der Signatur „NSU 2.0“ unter anderem gegen die Linken-Politikerin Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar geführt hatte, außerdem die Debatte um Polizeigewalt im Rahmen von „Black Lives Matter“.

„Es gibt eine aufgeheizte, undifferenzierte Vorwurfslage“, sagte er. Polizistinnen und Polizisten würden pauschal als Rassisten verunglimpft. Am Montagvormittag treffe er sich mit Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) im Römer, um über das weitere Vorgehen am Opernplatz und weiteren Frankfurter Plätzen zu beraten. Die Polizei ruft dazu auf, Fotos und Videos von den Randalen auf dem Opernplatz einzureichen unter polizei-hinweise.de/opernplatz. Außerdem hat die Polizei für Hinweise eine Rufnummer eingerichtet: 069 /755 531 10. 

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