Die Einsätze der Bundespolizei hautnah miterleben – das konnten Besucherinnen und Besucher der Bundespolizei bei „X-Perience“. Bild: Rüffer
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Die Einsätze der Bundespolizei hautnah miterleben – das konnten Besucherinnen und Besucher der Bundespolizei bei „X-Perience“. Bild: Rüffer

„X-Perience Day“

Opernplatz Frankfurt: Bundespolizei wirbt um Nachwuchs

  • VonSabine Schramek
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Wer einen Einblick in die Arbeit der Bundespolizei bekommen wollte, konnte am Samstag auf dem Opernplatz spannende Einsätze mit Virtual-Reality-Brillen fast hautnah erleben.

Hoch über dem Meer aus einem Helikopter zu steigen und sich auf das Deck eines Frachtschiffes abseilen zu lassen, ist ein seltenes Erlebnis. Lukas Scholler (17) erlebt es zum ersten Mal. Er dreht und wendet sich, der Kopf geht von links nach rechts, weit nach oben in den Himmel direkt unter die Rotorblätter und tief hinunter Richtung Meer, wo nichts außer Wasser und ein Frachtschiff zu sehen ist.

Lukas’ Mund steht offen, während er sich langsam mit einem Seil auf die Plattform abseilen lässt. „Das ist spannend“, sagt er nach einer Weile und nimmt die schwarze VR-Brille ab, die den Schüler in eine ganz andere Welt geführt hat. Polizeihauptkommissar Sebastian Grafe (41) grinst. „Ja, auch ein Arbeitsplatz im Cockpit vom Hubschrauber ist möglich.“

Beim „X-Perience Day“ an der Alten Oper räumen Polizeibeamte am Samstag mit Mythen auf und stellen die Arbeit bei der Bundespolizei vor. Ein großer Pickup der Polizei parkt vor einer Laterne, auf der ein Graffiti gesprüht ist: „ACAB“ steht da. Auf dem Ford steht groß „All Cops are Beautiful“. „So kann man die Beschimpfung auch verstehen“, sagt einer der Beamten, der 20 Jahre lang im Bahnhofsviertel im Einsatz war und fünf Jahre lang in Kriegsgebieten, augenzwinkernd.

Mit Humor und der geduldigen Beantwortung vieler Fragen sind die sechs Polizisten seit Juni in ganz Deutschland unterwegs, um mit Mythen aufzuräumen und das breite Feld der Karriere- und Einsatzmöglichkeiten zu zeigen. Vor Frankfurt waren sie in Berlin, Leipzig, München und Köln mit dem Pick-up, Infozelten und den VR-Brillen, die Filme aus echten Übungen ganz nah dran zeigen.

Neben dem Wasserwerfer

Bei einer eskalierenden Demo zu Fuß direkt neben dem blubbernden Wasserwerfer, während die Kollegen im Laufschritt Ketten bilden, bei der Verfolgung und Festnahme eines Einbrechers am Bahnhof. „Wer sieht, was die Bundespolizei alles für Möglichkeiten bietet, hat automatisch viele Fragen“, weiß Michael Steffen (25), der beim Erstellen der 360-Grad-Videos dabei war.

Eine Mutter kommt mit ihrer Tochter zu Grafe und will mehr wissen über die Ausbildung. Kann man sich aussuchen, in welcher Stadt man arbeitet? Was muss man können, um überhaupt zur Polizei zu gehen? Wird man ungefragt in andere Städte versetzt?

Grafe erklärt geduldig die Anforderungen für den mittleren und gehobenen Dienst, erklärt die Bahnpolizei, den Schutz von wichtigen Bundesorganen vom Bundespräsidialamt bis zur Bundesbank, die Bereitschaftspolizei bei Großveranstaltungen und Hilfe beim Katastrophenschutz, die Möglichkeit zur See und auf Flüssen, Kriminalitätsbekämpfung, Flugdienst, GSG9 und Schutzaufgaben im Ausland.

Das Mädchen staunt, wirkt schüchtern, aber neugierig. Dass sie nicht ungefragt jederzeit ganz woanders hin versetzt wird, tröstet die Mutter. Dass Praktika in verschiedensten Einsatzbereichen bereits in der Ausbildung dabei sind, gefällt der Tochter, die „nicht so gerne direkt ins Getümmel von Fußballspielen will“. Verbrechen aufzuklären würde sie eher interessieren.

Ein Mann aus Hanau spricht einen Beamten an, der zwar nicht zur Polizei zum Arbeiten kommen will, aber eine Anzeige machen, weil ihm etwas gestohlen worden sei. Der Polizist hört aufmerksam zu, nickt und erklärt ihm den Weg zum 1. Polizeirevier. Der Mann ist beruhigt, bedankt sich und folgt dem Rat des Polizisten aus Bielefeld. „Das ist eine Sache der Landespolizei“, erklärt er. „Dort kann er gleich die Anzeige aufgeben.“

Den ganzen Tag lang sind Schlangen vor den blauen Pavillons. Kinder dürfen sich in den Pick-up setzen und haben Spaß, wenn das Blaulicht angeht. Jugendliche nehmen sich Broschüren mit, Erwachsene holen sich Tipps für ihre Kinder. Kaum jemand geht, ohne einen Einsatz durch die VR-Brille zu erleben. Lukas Scholler kommt am Nachmittag wieder und setzt sich erneut die Brille auf. Der Helikopter hat es ihm angetan. „Fliegen lernen wäre schon toll. Davon habe ich immer geträumt. Vielleicht gehe ich nach dem Abitur zur Polizei.“

Infos über Bewerbung, Ausbildung und Karriere bei der Bundespolizei unter www.komm-zur-bundespolizei.de/ und in sozialen Netzwerken.

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