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Operngala: Viel Klasse in der Opernwelt

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Von: Florian Leclerc

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Bernd Loebe, Ina Hartwig, Boris Rhein (Mitte) und weitere Gäste lassen es sich schmecken. Monika Müller (2)
Bernd Loebe, Ina Hartwig, Boris Rhein (Mitte) und weitere Gäste lassen es sich schmecken. Monika Müller (2) © Monika Müller

Bei der Operngala in Frankfurt mit Empfang, Konzert und Dinner auf der Drehbühne kommen etwa 750 000 Euro zusammen. Internationale Stars singen ohne Gage.

Ein gewisser Klassismus umweht die Operngala in Frankfurt natürlich schon. Das beginnt beim Gang über den roten Teppich, der von leuchtenden Buchsbäumchen gesäumt ist, wo der Securitymensch fragt, ob man wisse, wo man hinwolle. Ja, zur Operngala, antwortet die Person mit Fahrradhelm und Wollmütze. Vielleicht liegt es daran, dass die Person am Eingang auf die Frage, ob die Türen noch verschlossen seien, zwar keine Antwort bekommt, aber von oben nach unten angeschaut wird.

Die Distinktionsbemühungen verschwinden, sobald der Mensch an der Garderobe Fahrradhelm und Wollmütze abgegeben hat. Denn nun sind alle gleich: Der Mann trägt Smoking, die Frau ein Abendkleid oder zumindest etwas in Schwarz. Statisten aus der Frankfurter Inszenierung der Verdi-Oper „La forza del destino“ schmücken den Raum. Sie erinnern an Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Mitarbeitende servieren Schaumwein und Häppchen auf dem Tablett.

Sebastian Weigle dirigiert gut zweistündiges Konzert

Als eineinhalb Stunden später das Konzert beginnt, ist die Stimmung ausgelassen. Die Operngala feiert die Menschen, die der Oper viel Geld spenden. 772 Gäste sind am Samstagabend gekommen. Sie haben etwa 750 000 Euro zusammengeworfen. Das sind fast 1000 Euro pro Person, mal mehr, mal weniger. Aber nicht jede:r hat ein Portemonnaie wie Jürgen Fitschen.

Statisten aus der Verdi-Oper „La forza del destino“ schmücken den Raum.
Statisten aus der Verdi-Oper „La forza del destino“ schmücken den Raum. © Monika Müller

Es ist also schön und gut, dass sich die Mäzen:innen der Oper Frankfurt an diesem Abend dafür feiern, dass sie der Oper Gutes tun. Die Oper wird zu einem kleinen Teil mit ihrer Hilfe finanziert. Den wuchtigen Teil finanziert die Stadt Frankfurt selbst. Und nicht etwa das Land Hessen, nicht einmal mit einer Brosame, was auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein weiß, der das Konzert mit einer Anekdote über seine missglückten Versuche am Horn einleitet („Das Horn schuf Gott im Zorn“).

Auch ohne Landesgeld spielt die Oper Frankfurt auf Champions-League-Niveau - wie die hiesige Fußballmannschaft der Männer: sechs Mal Opernhaus des Jahres und amtierender Champion. Der Chor ist „Chor des Jahres“.

Bevor die Gäste auf der Drehbühne ein Dinner serviert bekommen, dirigiert Sebastian Weigle ein gut zweistündiges Konzert. Die Höhepunkte, um nur einige zu nennen: Als sich das Publikum in seiner Weinseligkeit zurückgelehnt hat, schmettert der Chor aus dem zweiten Rang ein „Wach‘ auf, es nahet gen den Tag“ aus der Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Wer gedöst hat, ist sofort wieder wach.

Bassbariton Kihwan Sim flitzt an der ersten Reihe entlang und singt die Torero-Arie aus der Bizet-Oper „Carmen“ und ermutigt zum Mitklatschen. Das Publikum bringt sich gerne ein. Als die Sopranistin Asmik Grigorian eine Arie aus der Puccini-Oper „Manon Lescaut“ singt, greifen viele zum Taschentuch.

Internationale Star treten auf

Internationale Stars wie Asmik Grigorian und Stefan Pop treten an diesem Abend ohne Gage auf. Das geht nur wegen der guten Kontakte von Intendant Bernd Loebe. Seit 20 Jahren leitet er die Oper und setzt mehr auf Nachwuchsförderung als auf Starkult - anders als etwa die Bayerische Staatsoper, wo große Namen zum guten Ton gehören. Aber dahinter steht die Finanzkraft Bayerns.

In Frankfurt drucksen derweil der Magistrat und die Koalition noch herum, wie sie denn mit den Etatkürzungen im Haushalt 2023 umgehen sollen. Die Städtischen Bühnen sollen laut Haushaltsplanung von 2023 bis 2025 jedes Jahr mit etwa sieben Millionen Euro weniger zurechtkommen.

Beim Empfang vor Beginn des musikalischen Programms fließt der Sekt.
Beim Empfang vor Beginn des musikalischen Programms fließt der Sekt. © Monika Müller

Vorschläge fürs Sparen sollen die Dezernate machen, Kulturdezernentin Ina Hartwig schließt ihre Eröffnungsrede mit den Worten, „hier darf nicht gespart werden“. Kämmerer Bastian Bergerhoff, der im Publikum sitzt, wird das vernommen haben.

Loebe erzählt derweil, er habe den Vertrag mit Kihwan Sim bis zum Jahr 2028 verlängert - offensichtlich gehe der Sänger davon aus, dass bis dahin alles gut bleibe. Obwohl die Stadt am Etat sparen will, obwohl die Städtischen Bühnen bis auf das Wolkenfoyer zum Abrissobjekt erklärt wurden und neu gebaut werden sollen.

Monika Buczkowska singt aus Adolphe Adams „Le Postillon de Lonjumeau“.
Monika Buczkowska singt aus Adolphe Adams „Le Postillon de Lonjumeau“. © Monika Müller

Solche Sorgen mag es geben, aber sie werden von der Leichtigkeit des Abends verweht wie Klänge, die nur sanft in der Erinnerung wirken. In der Erinnerung bleiben werden die 15 Jahre, in denen Sebastian Weigle Generalmusikdirektor war. In der nächsten Spielzeit übernimmt Thomas Guggeis, momentan an der Berliner Staatsoper, der dann 30 Jahre alt sein wird.

Der Patronatsverein wird sich an die 14-jährige Leitung unter Jürgen Fitschen erinnern, der frühere Deutsche-Bank-Vorstand wird in der Position vom früheren PWC-Manager Norbert Winkeljohann abgelöst. Die „Gala Five“, die die Operngala organisiert hat, wird auch in Erinnerung bleiben. Und der Hauch von Klassismus.

Das große musikalische Finale.
Das große musikalische Finale. © Monika Müller

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