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Um ihre Zukunft geht es: Musikerinnen und Musiker des Opern-Orchesters.

Frankfurt

„Opern-Musiker brauchen Wohngeld“

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Intendant Bernd Loebe und Generalmusikdirektor Sebastian Weigle fordern bessere Bezahlung und größeres Orchester.

In scharfer Form haben der Intendant der Oper Frankfurt, Bernd Loebe, und Generalmusikdirektor (GMD) Sebastian Weigle eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung des Opernorchesters gefordert. Beide verlangten, dass das Orchester auf seine frühere Größe von 130 Planstellen vergrößert wird. In den 90er Jahren hatte die Stadt im Rahmen von Einsparungen die Stellenzahl auf 115 abgesenkt.

Loebe und Weigle äußerten sich bei der Programmpressekonferenz der Oper, zu der zahlreiche Journalisten aus ganz Deutschland und dem Ausland erschienen waren. Der Intendant erklärte, das Orchester arbeite „an der Grenze des Zumutbaren“. In den Verhandlungen mit der Stadt um den Haustarifvertrag brauche es jetzt ein Signal der Politik.

Bei den Gehältern der Musiker ist die Oper Frankfurt nach den Worten Weigles mittlerweile auf den 27. Rang in Deutschland abgerutscht, „weit hinter Köln und Düsseldorf“, wie der international gefeierte Dirigent sagte. Musiker müssten mittlerweile Wohngeld bei der Stadt beantragen, um in Frankfurt überhaupt noch eine Unterkunft finanzieren zu können. „Das ist eine Kuriosität“, ergänzte der Generalmusikdirektor, der seit zwölf Jahren in dieser Funktion in Frankfurt arbeitet.

Bei der Zahl der Planstellen rangiere das Opernorchester auf dem 13. Platz in Deutschland. Allein in der jüngsten Vergangenheit habe das Frankfurter Orchester „elf Kollegen an das Bayerische Staatstheater in München verloren“, das besser bezahle.

Intendant Loebe beklagte auch die Kürzungen von einer Million Euro im Etat der laufenden Spielzeit, die die Stadt der Oper abverlange. Zum Vergleich: Der Gesamtzuschuss der Kommune an die Städtischen Bühnen, also inklusive des Schauspiels, liegt bei 75 Millionen Euro im Jahr. Außerdem habe die Oper die Tariferhöhung im öffentlichen Dienst in den vergangenen zwei Jahren komplett selbst finanzieren müssen. Dies sei nur durch die Auflösung von Rücklagen gelungen.

Bei der jüngsten Sitzung der Konferenz der deutschsprachigen Opernhäuser, deren Vorsitzender Loebe ist, sei deutlich geworden, dass die Oper Frankfurt die einzige in Deutschland sei, die Tariferhöhungen vollständig zu tragen habe. „In allen anderen Städten übernimmt das die Kommune“, sagte der Intendant.

Diese Äußerung Loebes, der auch Geschäftsführer der Städtischen Bühnen GmbH ist, kam überraschend. Noch im Januar 2019 hatte Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) im Gespräch mit der FR erklärt, dass die Kommune 90 Prozent der Kosten der Tariferhöhung für die Städtischen Bühnen übernehme. Der Opern-Intendant verwies auf die wirtschaftlichen Erfolge seines Hauses. Die Auslastung in der laufenden Saison liege bei 83 Prozent, nachdem sie in der Spielzeit 2018/2019 nur 79 Prozent betragen habe.

In der Politik ernteten Loebe und Weigle sofort Widerspruch. Am Montag hatte der Aufsichtsrat der Städtischen Bühnen GmbH getagt. Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU im Römer und Aufsichtsratsmitglied, rügte den Intendanten dafür, „dass er im Aufsichtsrat kein Wort der Kritik geäußert“ habe, dann aber an die Öffentlichkeit gegangen sei. „Das ist für mich sehr verwunderlich.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, Michael zu Löwenstein, sieht keinen Spielraum für eine bessere Ausstattung des Opernorchesters. „Die finanzielle Lage der Stadt ist angespannt, und wir werden auch im kommenden Doppelhaushalt 2019/2020 sparen müssen“, sagte der CDU-Politiker.

Der kulturpolitische Sprecher der Grünen, Sebastian Popp, äußerte dagegen Verständnis für Loebe und Weigle. Beide forderten „zu Recht“ ein, dass ihre Arbeit gesichert sein müsse. Jetzt sei Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) gefordert. Hartwig äußerte sich auf FR-Anfrage nicht.

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