Operngala

OB verspricht „Offensive für die Kultur“

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Bei der Operngala vor knapp 1000 Gästen redet Intendant Bernd Loebe über die Wichtigkeit von Schulen und Kitas

Es gibt Gänsehaut-Momente an diesem Abend. Etwa wenn Brenda Rae die Arie der Elvira aus dem zweiten Akt der „Puritaner“ von Vincenzo Bellini anstimmt. Ein Drahtseilakt des Belcanto, grandios bestanden. Oder wenn der Tenor John Osborn die sehr schwierige Arie des Tonio aus dem 1. Akt von „La fille du régiment“ von Gaetano Donizetti wunderbar meistert. Dann zeigt das Ensemble der Frankfurter Oper wieder einmal, warum es in der ersten Reihe der Opernhäuser der Welt mitspielt.

Zum 20. Mal laden die Oper und der Patronatsverein zahlende Gäste zur Gala ein. 968 Gäste bringen knapp mehr als 850 000 Euro an Einnahmen. Für das Opernhaus und Intendant Bernd Loebe bedeutet das: Zwei Produktionen sind mit dieser Summe gesichert.

Seit geraumer Zeit erleben nicht nur die Oper, sondern auch das Schauspiel ein Wechselbad der Gefühle. Die mehr als 1000 Beschäftigten der Städtischen Bühnen wüssten nur zu gerne, wie sich die Kommunalpolitik die Zukunft ihrer Häuser vorstellt. Die Oper ist gerade zum vierten Mal als Opernhaus des Jahres in Deutschland ausgezeichnet worden, mehr geht kaum.

Doch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gibt in seiner Rede kaum einen Fingerzeig für die Zukunft. Er sagt lediglich: „Qualität braucht unsere Unterstützung“. Alle Mitarbeiter der Oper könnten stolz sein auf das Erreichte.

Und er verspricht eine „Offensive für die Kultur“. Das könne bedeuten, dass die Stadt „beim Personal ein Schrittchen nach oben“ gehen werde. Zu einem möglichen neuen Gebäude für die Oper, zur Zukunft der Theater-Doppelanlage überhaupt aus dem Jahre 1963, sagt Feldmann nichts.

Hier wird ein Fingerzeig aber erwartet, wenn die Spitzenpolitiker der Römer-Koalition sich am kommenden Donnerstag zur Klausur zurückziehen und ihren Arbeitsplan für die zweite Hälfte der Legislaturperiode beschließen wollen.

Opern-Intendant Loebe, der dem Haus seit 2004 vorsteht, wird das mit dem Schrittchen mehr fürs Personal gerne gehört haben. Der 65-jährige verfügt derzeit über einen Vertrag bis zum Jahre 2023. Intern hat er dem Vernehmen nach aber bereits angedeutet, dass er sich eine nochmalige Vertragsverlängerung vorstellen könnte. Loebe wirkt an diesem Abend nicht ganz so aufgeräumt wie sonst, sondern gibt nachdenkliche Sätze zu Protokoll.

„Uns ist allen hier im Hause bewusst, dass für die Stadt Schulen und Kindergärten sehr wichtig sind, das ist doch selbstverständlich“, sagt er. Loebe hofft aber, dass die Stadt „auch die Subventionen aufbringt, damit wir weiterarbeiten können“. Großer Applaus. Auf keinen Fall will der Kulturmanager als einer dastehen, der die vielfältigen sozialen Herausforderungen für die Großstadt Frankfurt ignoriert.

Dass er auf einen Neubau der Oper hofft, wiederholt Loebe nicht. Natürlich ist die Zukunft des Hauses beim großen Getümmel der geladenen Gäste im Holzfoyer das Thema Nummer eins. Viele der Repräsentanten aus der Wirtschaft hoffen, dass sich das Land Hessen bei einem Neubau der Bühnen finanziell engagiert – vielleicht auch der Bund. Dann würde die finanzielle Last für die Stadt entsprechend geringer. Man wird sehen. Das Programm auf der Bühne klingt aus mit „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“ aus „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár. In Zeiten von „MeToo“ nicht mehr ganz zeitgemäß, sagt Loebe entschuldigend.

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