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Das Gebäude der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz ist marode. Was tun? Neu bauen, sagt der Opernintendant.

Stadtentwicklung in Frankfurt

Loebe empfiehlt Neubau der Oper

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Bernd Loebe, Intendant der Oper, will einen "neuen Schwung für die Kulturstadt Frankfurt" - was für Kritik an der Kommunalpolitik sorgt.

Im Konflikt um die Zukunft der Städtischen Bühnen hat Opernintendant Bernd Loebe für einen Neubau des Opernhauses plädiert. „Ein solcher Neubau böte die Chance, etwas Exemplarisches zu gestalten und der Kulturstadt Frankfurt neuen Schwung zu geben“, sagte der 65-Jährige am Rande der Programmpressekonferenz für die Spielzeit 2018/2019.

Der FR gegenüber sprach der Intendant von einer „Vision“ und nannte die Entwicklung in Hamburg nach der Eröffnung der Elbphilharmonie als positives Beispiel. Dort profitiere die gesamte Stadt einschließlich Hotels und Restaurants von diesem Neubau. „Die Übernachtungszahlen sind um 30 Prozent gestiegen.“

In der Pressekonferenz kritisierte der Opernchef die Passivität der Kommunalpolitik hinsichtlich der Zukunft der Städtischen Bühnen: „Es gibt lokale Schwierigkeiten, sich zu entscheiden, was aus den Häusern wird.“ Es brauche „mehr Bewegung“ und „mehr Engagement“.

Opernregisseur Claus Guth, der schon lange und immer wieder in der Stadt arbeitet, wurde deutlicher. „In Frankfurt ist die Wahrnehmung für die Bedeutung des Opernhauses gar nicht vorhanden“, sagte er vor den Journalisten.

Im Gespräch mit der FR ging Opernchef Loebe davon aus, „dass wir länger als 2023 hier spielen werden“, also in der heutigen Theater-Doppelanlage. Im Jahr 2023 endet der Vertrag des Intendanten. Das heißt: Loebe rechnet angesichts der Entscheidungsschwäche der Kommunalpolitik nicht damit, dass bis 2023 Sanierungs- oder Abrissarbeiten bei den Bühnen beginnen.

Zugleich äußerte er auch Verständnis dafür, dass sich die politische Entscheidung hinzieht: „Es ist ein sehr komplexer Vorgang.“ Loebe, seit 2002 Intendant in Frankfurt, berief mit Achim Sieben erstmals einen persönlichen Referenten. Der bisherige Vize-Operndirektor am Badischen Staatstheater Karlsruhe soll dem Intendanten nach dessen Darstellung „Arbeit abnehmen, wenn die Entscheidung zwischen Neubau und Sanierung sich zuspitzt“.

Am Vorabend der Programmpressekonferenz hatte der Aufsichtsrat der Städtischen Bühnen GmbH getagt. Dabei waren die Mehrkosten Thema, die durch den neuen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst bei den Bühnen mit ihren mehr als 1200 Beschäftigten entstehen. Nach Informationen der FR handelt es sich um mehrere Millionen Euro.

Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen muss jetzt entscheiden, ob die Stadt diese Summe komplett übernimmt oder die Bühnen einen Teil davon aufbringen müssen. Intendant Loebe sagte dazu lediglich, im Aufsichtsrat habe eine „sehr angenehme Atmosphäre“ geherrscht.

Die Opernspielzeit 2018/2019 bietet zwölf Premieren mit 90 Vorstellungen, davon drei mit 17 Vorstellungen im Bockenheimer Depot. Außerdem gibt es 17 Wiederaufnahmen früherer Produktionen.

Eine Überraschung ist die Rückkehr des früheren Opernintendanten Sylvain Cambreling nach Frankfurt. Er hatte von 1992 bis 1997 hier auch als Generalmusikdirektor gearbeitet und war im Streit um Einsparungen gegangen.

Cambreling habe eigentlich nie mehr in Frankfurt tätig sein wollen, sagte Loebe. Jetzt soll der 69-jährige Dirigent Karol Szymanowskis Oper „König Roger“ auf die Bühne bringen, die am 2. Juni 2019 Premiere feiern soll.
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