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Der Bürokomplex "Die Welle" hinter der Alten Oper in Frankfurt.

Bürokomplex am Reuterweg in Frankfurt

Wie läuft es am Bürokomplex am Reuterweg?

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Der Bürokomplex am Reuterweg in Frankfurt hat sich trotz Umbau nicht zum lebendigen Treffpunkt entwickelt.

Der Herbstwind pfeift. In der Schneise zwischen zwei Gebäudeteilen der „Welle“ fühlt er sich noch kälter an. Am Nachmittag schafft es die Sonne kaum, ihre dünnen Strahlen dazwischen zu zwängen. Kühle Aluminiumbögen winden sich zwischen glatt rasierten Rasenstücken. Vor den wenigen grünen Inseln stehen Schilder. Das „Betreten verboten“ darauf klingt wie eine Botschaft ins Leere. Werktags eilen vor allem polierte Lederschuhe und Anzughosen daran vorbei. Am Wochenende kaum jemand.

Rund drei Jahre sind vergangen, seit der Bürokomplex nördlich der Alten Oper „aufgewertet“ wurde, wie es auf der Webseite heißt. Gemeint ist damit die aufwendige Umgestaltung des Innenhofs. In der Frankfurter Immobilienwirtschaft war von einer Investition in zweistelliger Millionenhöhe die Rede.

Mit dem Umbau sollte „ein lebendiges Stadtquartier“ entstehen, sagten damals die Eigentümer, die AXA-Gesellschaft. Heute möchten sie auf eine Anfrage der FR zur Entwicklung des Standorts keine Auskunft geben. Auf der Webseite dagegen wirbt das Unternehmen mit der Einladung „4 anstrengende Termine im Kalender. 7 entspannte Locations im Hof“. Wer in der Welle hart arbeitet, soll dort auch relaxen können, so die Botschaft.

Es gibt einen Frisör und ein Kosmetikstudio. Eine Reinigung bietet an, Hemden für je einen Euro zehn zu waschen und zu bügeln. Ein paar Türen weiter können sich die Angestellten im Schaufenster eines Fitnessstudios auf dem Laufband auspowern. Alessandro Capasso betreibt seit 15 Jahren den Kiosk „Eat and Read“ an der Welle 10. Seine Kundschaft bestehe zu 90 Prozent aus den Büroangestellten des Komplexes, sagt er. Auch wenn er in der Phase der Umgestaltung 2015 Einbußen im Umsatz gemacht hat, ist Capasso heute zufrieden mit dem Ambiente im Innenhof.

Gastronomiebetriebe haben es nicht leicht

„Im Sommer gibt es dort viel Licht und Reflektionen“, findet er. Der Platz sei durch die Architektur moderner und schöner geworden. Doch der Kioskbetreiber weiß auch, dass Gastronomiebetriebe es nicht leicht haben: „Abends und am Wochenende ist hier nichts los.“

Mehrere Restaurants, Bars, selbst Franchise-Betriebe sind in den vergangenen Jahren am Versuch gescheitert, an der Welle zu bestehen. Erst im Juli hat Manfred Metzger seine Filiale der Burgerkette „Chillers“ geschlossen. Er führt das auf fehlende Laufkundschaft zurück: Die Umsätze seien im vergangenen Jahr um bis zu 40 Prozent zurückgegangen, der Laden sei im „Bermuda-Dreieck“ hinter der Alten Oper untergegangen, sagt Metzger.

„Allein von den Büroleuten leben geht nicht“, bilanziert der Gastronom. Auch wenn an Wochenenden Anwohner aus den umliegenden Straßenzügen zum Essen gekommen seien, habe es nicht gereicht, dass der Laden mehr als eine „Nullnummer“ wurde.

Doch es gibt schon den nächsten Versuch: In den ehemaligen Räumen des Chillers hat Anders Ide im September den „Hessekopp“ eröffnet. Sein Konzept: „Klassische hessische Küche im Kompromiss mit dem modernen Standort“ – Grüne Soße, Apfelwein, Heinz Schenk und die Eintracht. Auf edlem Mobiliar oder an der dunklen Holzbar mit echtem Moos an der Decke.

Ide ist zuversichtlich: „Es kommt auf das Gesamtkonzept an“, findet er. Seit der Eröffnung habe er ganz ohne Marketing schon gute Abende – auch mit Laufkundschaft – gehabt. Doch der Eindruck bleibt: Das Versorgungskonzept der Welle richtet sich eher an die rund 3000 Angestellten aus dem Bürokomplex.

An einem Sonntag sitzt eine Frau auf einer Metallbank. Sie beobachtet ihren Sohn, der auf Inlinern vorsichtig über den hellgrauen Gussasphalt rollt. Nur zögernd beantwortet sie Fragen, beim letzten Mal wurden die beiden von einem Sicherheitsangestellten vom Platz gescheucht.

An mehreren Stellen sind Piktogramme angebracht, die Skater, Skateboarder und BMX-Fahrer zeigen. Sie sind alle durchgestrichen. Dabei würde sich der glatte Untergrund zwischen den bis zu 18 Meter hohen Metallbögen für Sportler gut eignen. Auch die Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wäre froh, wenn ihr zwölfjähriger Sohn dort üben dürfte. „Das Skaten würde Schlieren hinterlassen“, habe der Angestellte ihr den Platzverweis begründet. Das versteht sie nicht. „Hier sind doch Risse im Boden, was würden da ein paar Spuren machen?“

Von den „7 entspannten Locations“ sind auf Anhieb nur drei zu finden. In den kommenden Monaten sollen zwei weitere eröffnen. Etwa das Noah, Konzept: „Ganztagesbar“. Besitzer Annouri Noah ist guter Dinge, dass durch enge Zusammenarbeit zwischen den Betreibern mehr Leben in die gesamte Ecke kommt – auch an Wochenenden. Er wünscht sich, dass es einmal üblich wird, zu sagen: „Lass uns mal an die Welle fahren“.

Doch ob der Campus wirklich auch für die Menschen in der Nachbarschaft attraktiver wird, wird sich zeigen. Kioskbetreiber Capasso findet ganz pragmatisch: „Die Frage ist, was Anwohner hier sollen.“

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