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Der Cäcilienchor Frankfurt, gegründet 1818, zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Oratorienchören Deutschlands. Im Jahre 2018 feiert er sein 200 jähriges Bestehen mit interessanten Auftritten und Konzerten.

Frankfurt

In großer Tradition

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Der Frankfurter Cäcilien-Chor singt das Verdi-Requiem.

Der Cäcilien-Chor feiert in diesem Jahr sein 200-Jahre-Jubiläum. Wenn es aber nach Christian Kabitz geht, Chorleiter immerhin seit 1988, läuft die Zeit für diesen traditionsreichen Frankfurter Oratorienchor stringent rückwärts, zumindest seit seiner Amtsübernahme. „Ich erlebe ihn heute, dreißig Jahre später, ungleich jünger und erfahrungshungriger“, sagt Kabitz. Wie dieser Chor das macht? „Dass im Cäcilien-Chor über unendlich viele Jahre die gleiche Sehnsucht lebendig geblieben ist bei der gemeinsamen Suche, wie Musik zu einer Flamme werden kann. Das Lernen der Töne ist Handwerk, aber aus diesen Tönen Funken zu schlagen und als Feuer an den Hörer weiterzugeben – das ist gelebte und lebendige Tradition.“

Das mit dem Feuer sagt man den Frankfurter Sängern ja schon lange nach, quasi schon von Anfang an. „Die Leute singen mit soviel Feuer und so zusammen, dass es eine Freude ist“, lobte Felix Mendelssohn Bartholdy die Leistung der Cäcilien-Sänger, als er mit ihnen sein für sie komponiertes Oratorium „Paulus“ uraufführte. Wobei Mendelssohn an Frankfurt im Allgemeinen kein so gutes Haar gelassen hat. In Frankfurt sei die Musik „vornehmer, geschäftsmäßiger, großstädtischer, aber viel weniger lustig als an kleineren Orten. Die Republiken [und damit auch die freie Stadt Frankfurt] soll der Teufel holen, sie taugen nicht für Musik. Sie sind da gleich knauserig, fragen zuerst, was es kostet.“

Einziger Lichtblick: „Dafür aber ist der Cäcilien-Verein dort, wegen dessen allein man schon in Frankfurt gewesen sein muss.“ Vor allem die Damen würden herrlich singen, die Tenöre und Bässe etwas weniger: Die Männer haben in Frankfurt, so der Komponist, eben „nur Geschäfte im Kopf“.

Das für sie komponierte Paulus-Oratorium Mendelssohns haben die Cäcilien-Sänger bereits im Mai dieses Jubiläumsjahres aufgeführt, jetzt lassen Sie bei einem Festkonzert ein weiteres Chor-Großwerk folgen: Die „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi. Damit wird der Oratorium-Chor quasi zum Opern-Chor – denn schon George Bernhard Shaw hatte diese temperamentvolle Totenmesse als „Verdis größte Oper“ bezeichnet. Das Wort von der „Oper im Kirchengewande“ hängt ihr seit der Uraufführung an. Kein Wunder, geht es hier doch so vollblütig zu wie auf einer Opernbühne. Da wird getobt und gehadert, da klappern die Zähne und hauchen die Seelen.

Der Cäcilien-Chor hat sich dafür entsprechend bühnenerfahrene Solisten ins Boote geholt: Die Bass-Partie singt Önay Köse, dessen „schönste Klangfülle“ die FAZ im vergangenen Jahr gelobt hatte, als er in der Rolle des Mörders Sparafucile in Verdis „Rigoletto“ an der Oper Frankfurt debütierte. Christian Elsner singt Tenor, auch die Wagner-erprobten Judit Nemeth (Alt) und Aga Mikolaj (Sopran) haben durchsetzungsfähiges Stimmmaterial. Es spielt die Staatskapelle Weimar.

Man wird ja nur einmal 200. Darum hat der Chor dieses Jahr angefüllt mit dem „Who is who“ der Literatur für einen Klangkörper dieser Art. Bachs Matthäus-Passion stand auf dem Programm, natürlich der „Paulus“, dann die Carmina burana, bei deren Uraufführung der Chor 1937 mitwirkte (nicht zur Freude aller: Die Reichsmusikkammer beschwerte sich über diese „bayrische Niggermusik“). Jetzt folgt die Messa da Requiem und im Dezember das Weihnachtsoratorium.

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