+
Von wegen spontan.

Matthias Beltz

Beltz hat Leichtigkeit hart erarbeitet

  • schließen

FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert blickt zurück auf das Leben des Kabarettisten Matthias Beltz. Die vermeintliche Leichtigkeit seiner Auftritte war hart erarbeitet. Vielleicht zu hart, wie sein früher Tod zeigt.

Wir trafen uns immer wieder in unserer gemeinsamen Lieblings-Buchhandlung: Meichsner und Dennerlein in Sachsenhausen am Lokalbahnhof. Ganz in der Nähe wohnte Matthias Beltz. Die Buchhandlung verfügte damals noch über ein angeschlossenes Antiquariat, in dem man stundenlang herumstöbern konnte. Herrlich war das. Beltz liebte das auch.

Man konnte mit ihm intensiv über Bücher diskutieren, nicht nur über die literarischen Neuerscheinungen, auch über den ganzen bürgerlichen Bildungskanon von Goethe bis Eichendorff, von Hölderlin bis Gottfried Benn.

Beltz las viel, war literarisch umfassend gebildet und interessiert und holte sich in Büchern ständig Anregungen für seine Texte. Was man nicht sah: Die vermeintliche Leichtigkeit, das scheinbar Spontane seiner Auftritte auf der Bühne oder im Fernsehen waren hart erarbeitet. Beltz arbeitete viel und das stets mit großer Disziplin. Am Ende arbeitete er wohl einfach zu viel. Er wurde nur 57 Jahre alt, starb 2002, als er sich in seiner Wohnung auf den abendlichen Auftritt im Tigerpalast vorbereitete, an einem Herzinfarkt.

An der Universität in Frankfurt war er beim Jurastudium mitten in die Studierendenrevolte hineingeraten, hatte Daniel Cohn-Bendit, Joschka Fischer, vor allem aber Johnny Klinke kennengelernt.

Neue Qualität im Kabarett

Wie die anderen auch, arbeitete Beltz Anfang der 70er Jahre bei Opel in Rüsselsheim, um die Revolution in den Betrieb zu tragen, sein Anwaltsreferendariat hatte er abgebrochen. Bei Opel lernte er viel für seine kabarettistischen Auftritte, mit denen er damals begann.

Von 1976 bis 1981 gehörte er Karl Napps Chaos Theater an, aus dem dann 1982 das Vorläufige Frankfurter Fronttheater mit Dieter Thomas und Hendrike von Sydow entstand. Legendär wurden seine Auftritte an der Seite seines Freundes Heinrich Pachl, etwa im Theater am Turm. 1989 begann er eine Solokarriere, sehr bekannt wurde gleich das Programm „Freispruch für alle – Gnade für niemand“.

Immer häufiger gab es auch Fernsehauftritte, die ihm ein bundesweites Publikum bescherten. Es gab Auszeichnungen wie den Grimme-Preis in Gold 1993 oder im gleichen Jahr den Deutschen Kleinkunstpreis.

Gegenstand von Beltz ätzender Kritik wurden immer mehr auch die Linken seiner eigenen Generation, die Karriere gemacht hatten. Das war damals eine neue Qualität im Kabarett, das verschaffte ihm ziemlich große Aufmerksamkeit.

Von 1995 bis 1998 lud er prominente Gäste ins Theater am Turm ein, unter dem Titel „Montagabendgesellschaft“.

Der Mann, der öffentlich so hart austeilen konnte, war im persönlichen Gespräch sehr zurückhaltend, fast scheu.

Im Walk of Fame des deutschen Kabaretts in Mainz bekam Matthias Beltz seinen eigenen Stern. Seine Heimatstadt Frankfurt allerdings tat sich lange sehr schwer mit einer Ehrung. Erst im Jahr 2014 wurde der Kleine Friedberger Platz im Nordend in Matthias-Beltz-Platz umbenannt. Nicht wenige denken, dass das zu wenig ist für den großen Kabarettisten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare