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Debatten in Lederjacke: Omid Nouripour.
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Debatten in Lederjacke: Omid Nouripour.

Porträts zur Bundestagswahl

Omid Nouripour (Grüne): Für Eintracht Frankfurt und den Frieden in den Bundestag

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Vierter Versuch: Omid Nouripour (Grüne) will endlich den Frankfurter Wahlkreis 183 gewinnen. Die Chancen des Außenpolitikers stehen nicht schlecht.

Frankfurt am Main - Oliver Glasner ist ein guter Fußballtrainer. Das muss einmal gesagt werden. Findet zumindest Omid Nouripour, Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis 183, außenpolitischer Sprecher im Bundestag und womöglich bald deutscher Außenminister – aber das will Nouripour nicht hören, trotzdem später mehr davon. Oliver Glasner also, seit Saisonbeginn Trainer von Eintracht Frankfurt, brauche nur ein bisschen Zeit. Sagt Nouripour. Dann könne aus der Mannschaft in dieser Saison richtig was werden. Diese Meinung teilen nicht viele Menschen in Frankfurt, aber das ist Nouripour gewohnt, er war immer Oppositionspolitiker.

Es ist aber auch gewagt, Nouripour zu widersprechen. Denn wenn es um Fußball geht, kennt sich der 46-Jährige, der in Teheran geboren wurde, sehr gut aus. Zum einen ist er Eintracht-Fan, seit er im Alter von 13 Jahren mit seinen Eltern nach Frankfurt kam. Sein Wahlkampf-Slogan – von anderen Parteien oft kopiert – lautet „Für Frieden und Eintracht weltweit“, und es gibt ein Bild von ihm, da bejubelt er in Berlin den Pokalsieg. Einen solchen Gesichtsausdruck wird man bei ihm wohl nicht mehr sehen, auch nicht, wenn die Grünen 30 Prozent holen sollten.

Omid Nouripour (rechts) feiert den Pokalsieg der Eintracht mit dem früheren Fraktionschef der Grünen im Römer, Manuel Stock.

Omid Nouripour (Grüne): Ins Stadion, auch gegen den Rat der Personenschützer

Zum anderen schaut der Politiker, der auf jedem Podium und in jeder Talkshow den Preis für den am lässigsten auftretenden Gast bekäme, Fußball in aller Welt. Vor ein paar Jahren auch in Afghanistan. Die Personenschützer vom BKA rieten ihm dringend vom Stadionbesuch ab. Nouripour war das egal.

Nouripours Lieblinge

Lieblingsort im Wahlkreis: Waldstadion.

Lieblingspolitiker:in aus einer anderen Partei: Norbert Lammert (CDU).

Andere Lieblinge: Philip Roth (Autor), Tone (Rapper aus der Nordweststadt), Katharine Hepburn (Schauspielerin). geo

Heute denkt niemand mehr an Fußball, wenn er über Afghanistan spricht. Auch Nouripour nicht, den in diesen Wochen kein anderes Thema so sehr beschäftigt. Zum einen auf den Podien, auf denen er der Bundesregierung schonungslos Versagen vorwirft und vor allem Außenminister Heiko Maas vom potenziellen Koalitionspartner SPD angeht. Zum anderen hilft er selbst, Menschen aus dem Land zu holen. Wie er das macht? Auf diese Frage sagt Nouripour, der sonst um keine Antwort verlegen ist, nichts. Die Chancen, noch Ortskräfte der Bundeswehr oder andere Schutzsuchende in Sicherheit zu bringen, steigen nicht, wenn über die Details in der Zeitung berichtet wird.

Omid Nouripour (Grüne): Als Nachrücker für Joschka Fischer in den Bundestag

Nouripour ist kein Lokalpolitiker. Klar, wenn er als Direktkandidat für die Bundestagswahl 2021 nach Konzepten gegen die Wohnungsnot gefragt wird, dann sagt er, was die Grünen eben sagen: Dass man Investoren in die Pflicht nehmen müsse, aber das OB-Feldmann-Motto „Bauen, bauen, bauen“ zu kurz greife, da man in Zeiten der Klimakatastrophe nicht auch noch Frischluftschneisen zubauen dürfe. Aber mit Ortsbeirat und Stadtverordnetenversammlung hatte Nouripour nie viel zu tun, seit er 1996 bei den Grünen einstieg. Er machte sich in der Grünen Jugend einen Namen, war Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Migrant:innen und Flüchtlinge und zog 2006 als Nachrücker für Joschka Fischer in den Bundestag ein. Dort kümmerte er sich erst um Sicherheits- und später um Außenpolitik.

Nouripour sprach sich für Luftschläge gegen Stellungen des „Islamischen Staats“ aus und forderte in der Ukraine-Krise Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Vor allem aber ist der Muslim, der mitunter ein T-Shirt mit der Aufschrift „I’m muslim, don’t panic“ trägt, viel unterwegs und verhandelt. Oft gibt er Menschen die Hand „und wasche mich danach mit Kernseife“, sagte Nouripour einmal. Was er meinte: Auch mit den übelsten Gestalten der Weltpolitik muss man reden, will man etwas für die Menschen in deren Ländern erreichen.

Omid Nouripour (Grüne): Demnächst Außenminister?

Omid Nouripour hat vor vielen Jahren Artikel für die FR geschrieben – zumeist über Themen aus den Stadtteilen. Er hat als „MC Omid“ Musik gemacht, er hat dreimal versucht, den Wahlkreis 183 direkt zu gewinnen, ist dreimal gescheitert, er sagt beiläufig und gar nicht arrogant, dass er aber jetzt der Favorit sei. Viele in Frankfurt fänden es ziemlich lässig, wenn so jemand demnächst Außenminister würde, und bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen wäre das auch möglich. Aber das sind Fragen, mit denen man Nouripour nicht kommen darf. „Ich werde hessischer Außenminister“, blödelt er jedes Mal los und wechselt das Thema. Meistens spricht er dann über die Eintracht. (Georg Leppert)

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