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Olena Selenska: „Unser Traum ist der Sieg“

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Von: Steven Micksch

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Olena Selenska verriet viel Persönliches.
Olena Selenska verriet viel Persönliches. © dpa

Die Ukrainische First Lady Olena Selenska spricht auf der Frankfurter Buchmesse über ihr Buchprojekt, den Krieg in der Ukraine und die Hilfe Deutschlands.

Am Ende standen viele im Publikum auf, gingen nach vorne zur Bühne, auf der Olena Selenska, die Frau des ukrainischen Präsidenten, stand, und machten Handyfotos von ihr. Viele waren ukrainische Frauen, die ihr am Ende aufmunternd zuriefen. Selenska drehte sich um, lächelte, winkte mit beiden Händen und entschwand mit dem Tross von Security-Kräften hinter die Bühne.

Zuvor hatte die ukrainische First Lady im zur Hälfte gefüllten Saal „Harmonie“ der Frankfurter Buchmesse über eines ihrer Buchprojekte und den kriegerischen Alltag in der Ukraine gesprochen. Jeder Besuch sei eine Mission, sagte sie. Auf der Buchmesse ginge es darum, die ukrainische Literatur zu unterstützen. Ein Buch biete die Möglichkeit, in eine andere Welt zu flüchten, sich von den Gräueltaten abzulenken. Momentan helfe das aber nicht immer.

Selenska sprach über „Das barrierefreie Handbuch“, das es bereits seit zwei Jahren digital gibt und seit kurzem auch in gedruckter Form. Es ist zusätzlich in Braille-Schrift verfasst, um barrierefrei zu sein. Inhaltlich gehe es im Buch beispielsweise um den sprachlich korrekten Umgang mit Menschen anderer Kulturen oder mit Handicaps. So spreche man nicht von Behinderten, sondern von Menschen mit Behinderung. „Barrierefreiheit ist kein Projekt, sondern eine Philosophie.“ Selenska hofft, dass beim Wiederaufbau des zerstörten Landes Barrierefreiheit mitgedacht werde.

Später sprach die First Lady auch über Persönliches. Dass ihre Familie seit Monaten keinen wirklichen „Familienabend“ mehr gehabt habe, dass ihre zwei Kinder Angst hätten, aber nicht darüber sprechen wollten, was ihr schwer falle. „Ich denke nicht, dass ich eine Powerfrau bin“, fügte sie hinzu. Es gebe Tage, an denen sie keine Kraft habe und liegen bleibe. Kraft schöpfe sie aber aus dem Durchhaltewillen ihres Volkes. Die Liebe der Menschen inspiriere sie.

Großes Gelächter gab es im Saal, als Selenska von der Präsidentschaftskandidatur ihres Mannes Wolodymyr Selenskyj erzählte. Sie selbst habe davon aus dem Fernsehen erfahren. Ein Grund: „Er hätte komplizierte Gespräche mit mir führen müssen.“ Immerhin habe ihr Mann ihr versprochen, dass es nicht mehr zu solchen Überraschungen in ihrem Leben kommen werde.

Deutschland bezeichnete sie als eines der besten Länder für geflüchtete Menschen aus ihrem Land. Deutschland helfe den Ukrainer:innen besser als manch anderes Land. Sie nutzte die Gelegenheit aber auch, um zu sagen, dass die Waffenlieferungen mehr sein könnten. Sie bedankte sich für die bisher gelieferten Flugabwehrsysteme, die schon viele Raketen zerstört hätten. „Deutschland hat diese Menschen gerettet“, sagte sie und erntete Applaus im Saal.

Zum Ende des Gesprächs berichtete sie den Anwesenden außerdem, dass sie sich selbst nur erlaube, Geburtstage zu planen, um dann Kuchen zu backen. Weihnachtsplanungen stelle sie in der aktuellen Kriegssituation nicht an. „Ein Traum ist aber wichtiger als Pläne. Unser Traum ist der Sieg, das wird der größte Feiertag.“

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