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Mit zwölf historischen Adler-Fahrzeugen geht es bis nach Passau.

Oldtimer auf Tour

Oldtimer auf Erinnerungsfahrt

Der Adler Motor Veteranen Club (AMVC) gedenkt mit einer Oldtimer-Tour der Rennfahrerin Clärenore Stinnes, die 1927 als erste Frau um die Welt fuhr. Start ist da, wo auch Stinnes losfuhr: im Hof der Adlerwerke in Frankfurt.

Von Justin Ford

Erstmals vor 88 Jahren umrundete eine Frau die Welt – in einem Auto. Ihr Name war Clärenore Stinnes, sie war eigentlich Rennfahrerin und startete 1927 in den Adlerwerken in Frankfurt ihre Weltreise. Der Adler Motor Veteranen Club (AMVC) erinnerte am Donnerstagmorgen an Stinnes Pionierreise mit dem Start einer Erinnerungsfahrt.

Stinnes war zwei Jahre lang rund um den Globus unterwegs: Von Frankfurt über den Balkan, Peking, Hawaii, Buenos Aires, New York und zurück nach Berlin. Ihre fast 47.000 zurückgelegten Kilometer kann der Veteranen-Club natürlich nicht abfahren. Stattdessen fahren sie mit neun originalen Adler-Autos und drei Motorrädern entlang der Flüsse Main, Tauber und Donau über Rothenburg bis nach Passau. Drei Tage lang dauert ihre Erinnerungsfahrt, die genau dort startet, wo auch Stinnes damals ihre große Reise antrat: Im Hof der Alderwerke. Heute ist dort, in der Kleyerstraße, das Gallus Theater ansässig.

Neben den Mitgliedern des Autoclubs sitzen einige Ehrengäste, darunter Björn Söderström (80), der Sohn von Clärenore Stinnes. Er trägt heute den Nachnamen seines Vaters Carl-Axel, der Stinnes zweijährige Reise vor 88 Jahren als Kameramann dokumentierte. Später heirateten die beiden.

Björn Söderström freute sich vor dem Start bereits auf den großen Ausflug: „Ich freue mich drauf, aber Gott sei Dank muss ich nicht selber fahren“, sagte Söderström. „Ich bin ja schon 1100 Kilometer gefahren, um herzukommen.“ Söderström wohnt in Schweden und reiste extra für die große Tour nach Deutschland.

Er ist zudem der Beifahrer von Alexander Fischbach (34), dem jüngsten Mitfahrer des Corsos. Auch für ihn ist es eine Gelegenheit, mit seinem Oldtimer der Marke Adler eine längere Strecke zurückzulegen. Und er besitzt ein ganz besonderes Exemplar.

Unbeschadet durch den Krieg bekommen

Sein Adler war in „Frau Stinnes fährt um die Welt“, der Verfilmung von Clärenore Stinnes Reise, zu sehen und ist heute sein persönliches Sammlerstück. Sein Fahrzeug wird den Corso anführen. Auch er freue sich auf die Fahrt, er sei aber auch ein wenig angespannt, sagte er der FR. „ Die Fahrzeuge sind ja alle schon Senioren, aber nachdem ich jetzt alles nochmal gecheckt habe, bin ich sicher, dass alles gut gehen wird.“ Wie wichtig die Erinnerungsfahrt an Clärenore Stinnes ist, betonte Manfred Schleissing (64), der Vorsitzende des AMVC: „Wir verehren Frau Stinnes, denn sie war die erste Frau, die um die Welt gefahren ist“, sagte er. „Das ist ein wichtiges Ereignis, das nicht vergessen werden darf.“

Er selbst bildet mit seinem bordeauxroten Adler Favorit, Baujahr 1930, das Schlusslicht der Oldtimer-Gruppe. Sein Exemplar bekam er von seinem Großvater, der es schaffte, das Auto über den Zweiten Weltkrieg hinweg unbeschädigt aufzubewahren.

Für Schleissing ist dieses Fahrzeug mehr als ein Hobby. „Es ist eine Leidenschaft“. Aber auch er hat manchmal noch Probleme mit der Technik: „Leider ist die Garantie schon abgelaufen und Ersatzteile bekomme ich auch keine mehr“, scherzte er.

Dann geht es los und die Fahrer werden mit Blumen und Girlanden verabschiedet.

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