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Ute von Lojewski ist seit fünf Jahren Präsidentin der Fachhochschule Münster.

Hochschulmanagerin des Jahres

"Ohne Teamgeist geht es nicht"

Ute von Lojewski, Präsidentin der FH Münster, spricht über ihre Wahl zur "Hochschulmanagerin des Jahres" - und erklärt, warum ihre Leistung der FH eine große Freiheit und Erleichterung verschafft hat.

Frau von Lojewski, das Centrum für Hochschulentwicklung hat Sie zur „Hochschulmanagerin des Jahres“ gekürt. Was ist das für eine Wahl?

Es geht darum, Hochschulpräsidentinnen oder –präsidenten auszuwählen, die „durch eine besondere Führungsleistung die Erfolge ihrer Hochschule prägen und weitreichende Reformen vorantreiben“, so heißt es in der Ausschreibung. Es nehmen automatisch alle Präsidentinnen und Präsidenten von deutschen Universitäten und Fachhochschulen teil, man kann sich nicht selbst bewerben. Diese müssen nach einer Vorauswahl einen Fragebogen ausfüllen, der durch eine Befragung der gesamten Hochschulleitung ergänzt wird. Im Fragebogen an mich ging es dieses Mal um den eigenen Führungsstil oder um die Frage, welche besonderen Herausforderungen ich für die Zukunft der Hochschule sehe.

Sie sind Präsidentin der Fachhochschule Münster. Wodurch haben Sie sich besonders hervorgetan?

In der Begründung hat die Jury hervorgehoben, dass wir seit Jahren erfolgreich unsere Strategien umsetzen, zum Beispiel unsere Bachelor- und Masterstudiengängen als erste Fachhochschule Deutschlands von der Programm- auf die Systemakkreditierung umgestellt haben.

Was bedeutet das?
Das bedeutet, dass unser Qualitätsmanagementsystem auf Herz und Nieren geprüft wurde, und wir nun, anders als die meisten deutschen Hochschulen, nicht mehr jeden einzelnen Studiengang extern akkreditieren lassen müssen. Wir können das als Hochschule selber tun. Eine große Freiheit. Und eine Erleichterung.

Und ein großer Vertrauensvorschuss.

Das kann man auch sagen, ja. Ich habe bei diesem Projekt außerdem etwas ganz Wichtiges festgestellt: Solche großen Angelegenheiten kann man innerhalb einer Hochschule nicht allein regeln. Man muss alle ins Boot holen, auch wenn das zuweilen anstrengend ist.

Teamwork finden Sie anstrengend?

Im positiven Sinn! Um die Frage zu eruieren, ob wir als Hochschule in der Lage sind, unsere Qualität selbst zu beurteilen, haben wir zahlreiche Gesprächsgelegenheiten geschaffen wir haben das Thema in vielen, vielen Sitzungen besprochen, Pro-und-Contra-Listen erstellt… Ohne echten Teamgeist funktioniert das nicht.

In der Begründung der Jury des Centrum für Hochschulentwicklung hieß es außerdem: „Ute von Lojewski verkörpert das Bild der Hochschulmanagerin geradezu idealtypisch – sie weiß die Ansätze der Betriebswirtschaftslehre richtig einzusetzen“. Das Verhältnis zwischen Hochschulen und Wirtschaft ist ja immer wieder ein Streitpunkt. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin selbst promovierte Betriebswirtschaftlerin, habe nach dem Abschluss jahrelang in einem Entsorgungsunternehmen gearbeitet. Ich kenne also beide Seiten, was ich sehr nützlich finde. Bei uns an den Fachhochschulen ist die Debatte, inwieweit man Geld aus der Wirtschaft annehmen sollte, um zu forschen, keine theoretische. Wir arbeiten hier sehr anwendungsorientiert, natürlich müssen wir da Unternehmen ins Boot holen. Das sehen auch die meisten Professorinnen und Professoren so, die meisten von ihnen haben ja zuvor in der freien Wirtschaft gearbeitet. Man ist hier Management-Ideen gegenüber womöglich aufgeschlossener als an Universitäten.

Inwieweit binden Sie denn auch Studierende in wichtige Entscheidungen der Hochschule ein?

Wann immer es geht. Ich treffe mich regelmäßig mit unserer Asta-Vorsitzenden, in allen Gremien sind Studierendenvertreter und bei der Bewertung der Studiengänge ist die Meinung der Studierenden natürlich besonders wichtig.

Interview: Anne Lemhöfer

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