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Immer nur zu Hause sitzen ist doof.
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Immer nur zu Hause sitzen ist doof.

Bildung

Ohne Schule keine Struktur

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Kinder und Eltern demonstrieren auf dem Römerberg. Sie vermissen vor allem den den Kontakt und das Training.

Mit Schwimmbrille auf dem Kopf ist Luise am Samstagnachmittag zum Römerberg gekommen. Vor dem Gerechtigkeitsbrunnen haben sich rund 100 Kinder und Erwachsene versammelt, um unter dem Motto „Kein Lockdown für Kinderrechte“ unter anderem gegen geschlossene Schulen zu demonstrieren. Dazu hatte die Bürgerinitiative „Familien in der Krise“ aufgerufen, die bereits im vergangenen Jahr Proteste organisiert hat.

Viele der Teilnehmenden, die in coronakonformen Abständen und Masken nebeneinander stehen, halten Schilder in den Händen. Darauf ist etwa zu lesen: „Homeoffice statt Homeschooling“ und „Kinder brauchen Kinder! Schule! Sport!“. Auch Luise, die mit ihren Eltern und Brüdern gekommen ist, hält ein Schild in die Höhe, auf dem steht: „Ich will trainieren“. Mindestens seit einem halben Jahr habe sie kein Schwimmtraining gehabt, berichtet die 13-Jährige. Mutter Katrin, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, um ihre Tochter zu schützen, korrigiert: Seit März letzten Jahres sei das Vereinsschwimmen ausgefallen. Luise sagt: „Mir fehlt Struktur und meine Freunde, aber vor allem fehlt mir die Schule“. Das Lernen zu Hause falle schwer. Besonders im Geschichtsunterricht vermisst die Siebtklässlerin den Austausch mit Lehrkräften: „Man liest zwei Seiten Text und hat immer noch nichts verstanden.“

Stephanie Dinkelaker, Sprecherin von „Familien in der Krise“, sagt: „Wir brauchen dringend eine Perspektive für die älteren Kinder ab der siebten Klasse“. Sie fügt hinzu: „Kinder in diesem Alter brauchen Gleichaltrige und es ist nicht okay, dass man sie über einen so langen Zeitraum wegschließt“. Nicht mal Fußball spielen auf dem Bolzplatz sei derzeit erlaubt. Markus Bahrke, ebenfalls Mitglied der Initiative, fragt rhetorisch: „Wenn Kinder weniger zum Infektionsgeschehen beitragen, warum schließen wir sie dann weg?“. Ab Mitte Februar müsse sich etwas ändern. „Ab morgen“ und „Ab jetzt“ sind zwei Zwischenrufe, die aus der Menge zu hören sind. Ayse Dalhoff, Stadtverordnete der Linken und Mitgründerin von „Familien in der Krise“, fordert: „Wir brauchen mehr Unterstützung seitens der Behörden, viel mehr Konzepte und viel mehr Klarheit“. Heranwachsende müssten vor „Vereinsamung, Isolation und häuslicher Gewalt“ geschützt werden.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) spricht bei ihrer Rede drei kleine Jungen an, die mit Schildern in den Händen vor ihr stehen und mit großen Augen empor schauen. „Ich tue alles dafür, dass ihr bald wieder normal zur Schule gehen könnt“, sagt Weber in Anspielung auf eines der Schilder. Sie versuche Forderungen bei der hessischen Landesregierung in Wiesbaden durchzusetzen. Aus der Landeshauptstadt würden Probleme und Verantwortung auf Familien abgewälzt werden. Weber sagt: „Ich bin auch in der Verantwortung und habe letzte Woche mit Trägern vereinbart, die Elternentgelte für Kitas und Horte für Januar freizustellen“. Die Bildungsdezernentin erntet dafür verhaltenen Applaus. Was sie vom Land fordere seien etwa „FFP2-Masken für alle Lehrkräfte in Schulen und Kitas“. Luises Mutter befürwortet diesen Vorschlag. Grundsätzlich wünsche sie sich „Denkansätze über Schulschließungen hinaus“. Sie sagt: „Wegsperren ist einfach nicht sehr kreativ“. Regelmäßige Corona-Tests bei den Schüler:innen und Lehrenden, die sich in anderen Ländern bewährt hätten, seien eine mögliche Alternative.

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