Elektromobilität

Ohne eigene Garage wird’s extrem schwierig

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Private Lademöglichkeiten fehlen weitgehend. Ausbaupläne sind selten.

Wer in Frankfurt ein Elektroauto fahren will und über keine eigene Garage verfügt, hat sehr schlechte Karten. Die großen Wohnungsunternehmen investieren kaum in Elektromobilität. Wohnungseigentümer mit Tiefgaragenplatz kämpfen mit technischen und rechtlichen Problemen. Und eine Änderung ist so schnell nicht in Sicht.

Wie viele private Lademöglichkeiten für Elektroautos es in Frankfurt im privaten und halb-öffentlichen Bereich gibt, weiß niemand. Die Zahl dürfte aber sehr gering sein. Eigenheime mit Garage oder Stellplatz im Hof gibt es in Frankfurt im Vergleich zum suburbanen und ländlichen Raum nur wenige. In den Gründerzeitvierteln wie den großen Siedlungen der 20er und 50er Jahre parken die Autos in der Regel auf der Straße.

Eine ADAC-Umfrage unter 310 Hausverwaltungen und anderen Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft in elf Großstädten, darunter Frankfurt, ergab im Sommer, dass selbst die Lademöglichkeiten in Wohnanlagen mit mehr als zehn Stellplätzen sehr bescheiden sind. Nur in vier Prozent der Tiefgaragen gab es demnach überhaupt Lademöglichkeiten. Dabei handelte es sich zur Hälfte um normale Steckdosen.

Die Stadt Frankfurt macht bisher weder über Bebauungspläne noch über städtebauliche Verträge mit Investoren Vorgaben für die Ladeinfrastruktur. Bei der Entwicklung neuer Quartiere sei es ihr wichtiger, dass diese autoarm oder sogar autofrei seien, sagt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). „Wir wollen lieber Straßen, die auch für Fußgänger da sind, als Straßen, die von Autos zugestellt sind.“ Die Antriebsart der Autos sei dabei nicht entscheidend.

Auch die großen Wohnungsgesellschaften in Frankfurt verhalten sich beim Thema Elektromobilität zurückhaltend. Selbst bei Neubauprojekten lässt die städtische Wohnungsgesellschaft ABG, wie Geschäftsführer Frank Junker im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau erläutert, nur fünf Prozent der Garagenplätze für das Aufladen von Elektroautos vorrüsten. Damit entspricht sie lediglich den Vorgaben der hessischen Garagenverordnung. Den eigentlichen Anschluss müssen die Mieter zahlen, die eine Ladestation wünschen. Junker verweist auf die geringe Nachfrage. Die Anzahl an Elektroautos sei bisher ja verschwindend gering.

Nachrüsten ist schwierig

Bei Bestandsimmobilien ist die Situation noch schwieriger. Die ABG versucht als größter Anbieter von Stellplätzen in Parkhäusern und Tiefgaragen in der Stadt nach Angaben Junkers durchaus, Garagen so auszustatten, dass Ladestationen entstehen. Das gehe aber in vielen Fällen nur schwierig oder sei gar nicht möglich, weil die Kapazität nicht ausreiche, sprich: das Netz zusammenbrechen könne.

Bei der Nassauischen Heimstätte, dem nach der ABG zweitgrößten Vermieter in Frankfurt, heißt es auf Anfrage der FR, die Anzahl installierter Ladesäulen wachse stetig, aber noch in überschaubarem Tempo. „Das hängt auch damit zusammen, dass wir wegen einer geänderten Gesetzgebung den Anbieter für die Anlagen Ende letzten Jahres wechseln mussten“, teilt das Wohnungsunternehmen mit. Dass öffentlich zugängliche Ladesäulen nur noch geeicht zugelassen würden, habe viele Anbieter vor große Probleme gestellt.

Die Nassauische Heimstätte will in den nächsten Monaten an zehn Standorten in Frankfurt und Region je eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten installieren, teils für Neubauwohnungen, teils in Bestandssiedlungen. Auch sie spricht von Kapazitätsschwierigkeiten. Bei einer Modernisierung sei zudem die nachträgliche Verkabelung von Tiefgaragen sehr aufwendig.

Nachfrage nach Ladelösungen für den halböffentlichen und privaten Bereich gibt es durchaus. Der Frankfurter Energieversorger Mainova hat, wie es auf Anfrage heißt, inzwischen mehr als 300 Ladepunkte in Frankfurt und der Rhein-Main-Region im Kundenauftrag errichtet: „Tenzdenz steigend“. Sie bietet Full-Service-Pakete an, etwa ein Angebot namens „Charge-Kit-Home“, das den Kunden 2247 Euro kostet. Mainova betreibt zudem gut 20 öffentliche Ladepunkte in Frankfurt und rund 60 in der Region.

Aber auch der Energieversorger weist auf große Probleme hin. So hätten Mieter und Wohnungseigentümer in Mehrfamilienhäusern bisher keinen durchsetzbaren Anspruch auf eine Ladeinfrastruktur für ihr Auto. In der Tat muss in Wohneigentümergemeinschaften eine Entscheidung für die Installation einer Ladestation bisher einstimmig erfolgen. Die Pläne der Bundesregierung, die Elektromobilität stärker zu fördern, begrüßt das Unternehmen daher. Es lobt unter anderem die vorgesehenen Förderprogramme für öffentliche Ladesäulen und von Ladeinfrastruktur auf gemeinsam genutzten Arealen wie Kunden-, Mitarbeiter- und Parkplätzen von Mehrfamilienhäusern.

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