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Wer die Moschee betreten will, muss seine Schuhe ausziehen.

„Tag der offenen Moschee“ in Frankfurt

Mit Offenheit und Transparenz gegen Vorurteile

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Am „Tag der offenen Moschee“ in Frankfurt zeigen Muslime interessierten Besuchern ihre Gotteshäuser und erklären den Islam.

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Sachsenhausen nimmt das mit dem „Tag der offenen Moschee“ wörtlich. Die Türen der Nuur-Moschee stehen so weit offen, dass die Nachmittagssonne hereinfällt. In dem kleinen Gotteshaus mit der runden Kuppel ist viel los am Tag der deutschen Einheit: Die Gemeindemitglieder erklären den Besucherinnen und Besuchern die Moschee und führen sie herum. Im hinteren Teil sitzen einige bei Kaffee, Kuchen und orientalischen Köstlichkeiten zusammen.

„Wir hatten heute schon an die 60 Gäste hier, bis heute Abend rechnen wir mit etwa 90 bis 100 Leuten“, erzählt Amjad Ahmad nicht ohne Stolz. Er ist für die Öffentlichkeitsarbeit der Ahmadiyya-Gemeinde in Sachsenhausen zuständig und freut sich sichtlich über die vielen Besucherinnen und Besucher, die den Weg in die Moschee gefunden haben.

Seit 1997 organisieren die muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland jedes Jahr am 3. Oktober den „Tag der offenen Moschee“. Muslime zeigen Interessierten ihre Gebetshäuser und erklären die Grundzüge des Islam. Das soll Missverständnissen vorbeugen und im Idealfall Vorurteile abbauen.

In der Nuur-Moschee gibt es an diesem Tag deswegen nicht nur eine Ausstellung, die die Grundzüge des Islam erklärt, sondern auch einen Vortrag des Imams der Gemeinde. Es geht um die Frage, was der Islam gegen die Spaltung der Gesellschaft tun kann. Die Antwort: sich öffnen, Transparenz zeigen und erklären.

Dieter Lamparter hat der Vortrag gut gefallen. Der Langener ist nicht nur das erste Mal in der Nuur-Moschee, sondern auch das erste Mal überhaupt in einem muslimischen Gotteshaus. Aus „reiner Neugier“ sei er hergekommen, erzählt Lamparter. Dass die Ahmadiyya-Gemeinde so offen sei, gefalle ihm sehr gut.

„Chillraum“ und Unterrichtsräume

Auch im Gallus haben die Moscheen ihre Türen geöffnet, beispielsweise die des Bildungs- und Kulturvereins Frankfurt (BKV). Die katholische Stadtkirche hat einen Besuch in der Moschee organisiert, rund zehn Interessierte sind gekommen. Auch hier ist es für manche das erste Mal. In dem großen Gebetsraum für die Männer findet gerade ein Ferienkurs für die Jungen der Gemeinde statt. „Hier lernen sie zum Beispiel, wie die rituelle Wäsche abläuft und warum wir fünf Mal am Tag beten“, erklärt ein Mitglied der Gemeinde. Seinen Namen möchte der Mann lieber nicht in der Zeitung lesen.

Im oberen Stockwerk besichtigen die Gäste neben dem „Chillraum“ – einer Art Wohnzimmer mit Sofas und einem Fernseher – auch einen der Unterrichtsräume. Dort wird den Kindern der Gemeinde der Koran nähergebracht – „auf Arabisch“, wie der Mann, der die Gäste herumführt, betont, „also in der ursprünglichen Form“. Tische und Stühle wie in einer Schule gibt es nicht, stattdessen kleine beigefarbene Pulte, an denen die Schüler während des Unterrichts knien.

Neben dem Interesse, einmal die Moschee von innen zu sehen, haben die Besucherinnen und Besucher auch jede Menge Fragen mitgebracht – zum Beispiel die nach der Lust der Mädchen und Jungen am Lernen. Da muss der Mann, der an diesem Tag die Gruppe führt, lächeln. Das sei in der Moschee natürlich auch nicht anders als etwa in der Schule. Zum Lernen gezwungen würden die Kinder allerdings nicht. „Denn mit Zwang geht gar nichts.“ 

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