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Für gar nicht so wenige Besucher ist der Ausblick spannender als der Einblick.

Tag der offenen Tür

Tag der offenen Tür bei der Bundesbank: Liquiditätskrise im Bällebad

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Zum vorerst letzten Tag der offenen Tür kommen Tausende Besucher.

Wenn die Bundesbank zu einem Tag der offenen Tür einlädt, strömen die Massen. Seit es die Europäische Zentralbank gibt, mag die Bundesbank an Bedeutung verloren haben, doch die Neugier, was sich in dem brutalistisch erbauten Querriegel unweit des Alleenrings tut, ist nach wie vor ungebremst. Mehrere Tausend Besucher tummelten sich Samstag wie Sonntag auf dem weitläufigen Gelände.

Die überwiegende Zahl der Aktivitäten haben die Währungshüter im Freien angeboten, und sie wurden vom Volk begeistert angenommen. Ob die chilligen Sitzsäcke auf der grünen Wiese oder die vielen Aktionsmöglichkeiten für Kinder und Junggebliebene. Apropos, eine Dame, die nicht viel jünger sein dürfte als das 1972 eröffnete Haupthaus der Bundesbank, beschwert sich allen Ernstes: „Sollte das nicht ein Bällebad für Erwachsene sein?“ Denn die Abteilung Bank und Finanzaufsicht gibt Einblick in ihre Arbeit, und die findet nun mal im Bällebad statt. Gewissermaßen. Unter all die farbigen Bälle haben die Mitarbeiter einige weiße geschmuggelt, auf denen so alarmierende Begriffe wie „Liquiditätskrise“ stehen. Wer einen solchen Ball findet und abliefert, bekommt als Dankeschön einen Strohhut. Doch was kümmert das Kinder, wenn es sich in den Bällen so schön toben lässt?

An einer anderen Station sind die Erwachsenen fast unter sich. Die Bundesbank lädt ein in die 13. Etage, der Konferenzebene. Die Schlange vor dem Gebäudeeingang ist lang, doch das Warten lohnt sich. Denn so hoch hinaus im Gebäude kommen selbst die Vorstände nicht immer, die ihre Büros im zwölften Stock haben. Die Fahrt in den 13. Stock ist fast eine kleine Zeitreise. Denn weil der gemeine Bundesbänker ein bisschen konservativ ist, sind viele der Säle noch im Originalzustand aus den 70er Jahren. Orangene Zimmerdecken, weiße Sofas und Sessel in Retrooptik. Eine Nostalgieebene. Ganz original sind die meisten Räume nicht mehr, denn die Kunst, die hier zu sehen war, ist wegen des angedachten Umbaus teilweise schon ausgelagert worden, auch wenn sich die Mitarbeiter damit noch ein bisschen mehr Zeit hätten lassen können. Denn ausziehen werden die Bundesbänker nicht schon 2019, sondern erst Ende 2021, weil ein Mieter in der Ausweichadresse in der Mainzer Landstraße nicht mitspielt.

So haben die Mitarbeiter im Haupthaus noch länger Gelegenheit, den schönen Ausblick zu genießen. Der Blick aus den bodentiefen Fenstern über die Wipfel des Grüneburgparks auf die Skyline scheint einige der Besucher tatsächlich mehr zu begeistern als der Anblick der musealen Möbel.

Natürlich ist den hohen Herren auch die Meinung des gemeinen Volks wichtig. Zu den vielen schönen Ideen zum Mitmachen gehört auch eine Wand, an der die Besucher ihre Meinung kundtun können. Zumindest zu den vorgefertigten Fragen. „Was muss geschehen, damit der Euro mindestens 50 Jahre alt wird?“, steht auf einer Karte. „Ein großes Wunder!!!“, hat ein Besucher daruntergeschrieben.

Auf den nächsten Tag der offenen Tür müssen die Besucher jetzt ein bisschen warten. Den wird es wegen der Umbauten erst in etwa acht Jahren geben.

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