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Eine ausdrucksstarke Blues- und Jazzsängerin: Ute Jeutter. Foto: privat
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Eine ausdrucksstarke Blues- und Jazzsängerin: Ute Jeutter.

Offenbach

Offenbach: Ein Trip durch Klangfarben und Farbklänge

Die Blues- und Jazzinterpretin Ute Jeutter findet in der Malerei einen Ausgleich.

Es ist ein herrlicher Frühlingstag am Atelierhaus B71 in Offenbach. Man spürt, wie das Leben einen Sprung nach vorn macht. Die Musikerin und Malerin Ute Jeutter stößt die schwere Eisentür kraftvoll auf und steht mit strahlendem Lachen im Sonnenlicht.

Drinnen im B71 wabern überall Farb-, Lösungsmittel- und Leimgerüche. Jeutters Atelier ist voller Bilder – an Wänden, auf Fußböden, in Regalen. Vor einem Glasfenster steht ihr Arbeitstisch. „Zur Malerei bin ich nur zufällig gekommen“, erzählt sie. „Einst war ich hauptsächlich Musikerin, bin aber total froh, dass ich für mich diesen Ausgleich gefunden habe.“

Ute Jeutter ist eine quirlige Frau, die immer neugierig geblieben ist und macht, was ihr gefällt. Seit vielen Jahren zieht sie „ihr Ding durch“ – und zwar aus dem Bauch heraus. Wenn etwas sie packt und ihr Gänsehaut bereitet, probiert sie es aus, in der Musik wie in der Malerei. Und so gehören die Klangfarben des Blues und die Farbklänge der Malerei für sie auch schon viele Jahre zusammen und sind mit der Zeit gleichwertig geworden.

Zur Person

Ute Jeutter, geboren in Offenbach, aufgewachsen in Hausen, ist studierte Sozialarbeiterin, ohne diesen Beruf jedoch je auszuüben.

Früh vom Blues ergriffen, zog es sie zur Musik – zunächst sang sie in einer der ersten Frauenrockbands, Pimpanella Paprika, dann in zahlreichen Blues- und Jazzformationen. Sie gilt heute als ausdrucksstarke Blues- und Jazzinterpretin, leitet mehrere Chöre, gibt Gesangsunterricht und bietet Workshops an.

Seit einiger Zeit lebt sie zudem eine zweite Leidenschaft, die ihr Leben sehr bereichert: die Malerei.

Die Serie: Christian Domke besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor.

Das mit der Musik hatte angefangen, als sie mit Anfang 20 in einem Club eine „arrogante, künstlerisch mittelmäßige Band“ erlebte. „Da habe ich mir gesagt, das kannst du besser.“ So gründete sie mit vier Mitstreiterinnen Ende der 70er Jahre die Frauenrockband Pimpanella Paprika.

Die fünf Frauen tourten zunächst durch Hessen, waren zu Gast beim HR und im ZDF, traten in Berlin und auf Festivals in den Niederlanden auf. „Doch bald habe ich die Grenzen meiner Stimme gespürt.“ Sie begann eine Gesangsausbildung und beherrscht nun ein sagenhaftes Repertoire an stimmlichem Ausdruck – von flüstern bis schreien, schluchzen, schmachten und jubeln.

Ihre Stimme durchdringt einen und bringt ungeahnte Gefühle hervor. Das spürt sie bei den Liveauftritten beim Publikum. „Da passiert etwas. Und wenn es passiert, dann weiß ich, der Abend ist gut, ich habe es geschafft.“ Und das hat sie. Längst gilt Ute Jeutter als ausdrucksstarke Blues- und Jazzinterpretin. Während die Musikerin auf der Bühne extrovertiert agiert, um ihr Publikum in Ekstase zu bringen, ist sie beim Malen still und in sich gekehrt. Und wenn vor ihr die Farbe verläuft und sich vermischt, entsteht etwas Neues. Etwas Absichtsloses geschieht. Das sei ein bisschen wie beim Jammen, wenn man spontan fortführe, was ein anderer angefangen habe, sagt sie. In ihren Bildern lässt sich dieses Weitertreibende, diese lebensfrohe Seite erkennen. Sie könne malen, was sie wolle, am Ende werde es immer farbenfroh und bunt, sagt die Künstlerin.

Sie blickt aus dem großen Fenster im großen Saal des Atelierhauses auf eine triste Häuserfront hinüber, die sie in der kleinen Bilderserie „Gestreiftes Haus“ mit vollen Wäscheleinen, bunten Tüchern und Teppichen abgebildet hat: „Ich mache aus allem etwas Positives.“ Wenn man sie so sieht und ihr zuhört, denkt man: Recht hat sie. Diese Stadt ist so stark und einfallsreich wie das Leben selbst, mal frühlingsbunt, dann wieder bläst der Blues das Herbstlaub durch die Straßen.

Das ist Offenbach. Hinter jeder Straßenecke kann dir etwas Ungeahntes begegnen. „Nutze die Zufälle! Lass dich vom Rhythmus leiten! Und folge deinem Impuls!“, wie Ute Jeutter es ihren Gesangsschüler:innen mit auf den Weg gibt. (Christian Domke)

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