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Wie auf der Zeil will die SPD noch mehr autofreie Zonen schaffen.

Verkehr in Frankfurt

Oesterling befürwortet autofreie Innenstadt

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In Frankfurt wird kontrovers über Mike Josefs Vorschlag diskutiert, Autos aus der Innenstadt zu verbannen.

Die Diskussion um eine autofreie Innenstadt in Frankfurt bekommt neuen Schwung. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hat den Vorschlag seines Frankfurter Parteivorsitzenden, des Planungsdezernenten Mike Josef unterstützt, ein Konzept für eine autofreie Innenstadt zu entwickeln. „Die einstige Sperrung des Römerbergs, der Zeil oder der Fressgass für den Individualverkehr waren große Erfolge“, sagte er. „Diesen Weg sollten wir weitergehen.“

Innerhalb des Alleenrings habe die Verkehrsmenge in den vergangenen 30 Jahren um rund 30 Prozent abgenommen, sagte Oesterling. Daher könnten weitere Flächen für Fußgänger, Radfahrer und Gastronomie zur Verfügung gestellt werden. Auch die Sperrung der nördlichen Mainuferstraße, zunächst testweise für ein Jahr ab August, werde die „Urbanität weiter stärken“.

Die Grünen im Römer begrüßen den Vorschlag ebenfalls. „Wir freuen uns, dass sich Mike Josef eine Forderung der Grünen zu eigen macht“, sagte Wolfgang Siefert, der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion. Er erinnerte daran, dass die Hauptwache 2009 unter Lutz Sikorski (Grüne) autofrei wurde. Als Fernziel sei die komplett autofreie Innenstadt möglich. Zunächst sollten die Forderungen des Radentscheids umgesetzt werden und außerdem eine Umverteilung der Parkplätze zugunsten der Radfahrer und Fußgänger erfolgen.

Mike Josef hatte gefordert, nur noch Anlieger und Lieferverkehr sollten in den Bereich innerhalb des Anlagenrings fahren dürfen. „Das darf aber nicht heißen, dass Parkplätze geschlossen werden, denn irgendwo müssen die Einkaufenden auch parken“, sagte Siefert. Den Anteil des Autoverkehrs in der Innenstadt zugunsten des Rad- und Fußverkehrs zu verringern, sei sicher der richtige Schritt, sagte auch Heiko Nickel, politischer Geschäftsführer des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Hessen.

Zweifel bei CDU, FDP, IHK

„Je schwerer wir es den Menschen machen, zum Einkaufen nach Frankfurt zu fahren, desto mehr werden sie sich nach Alternativen umsehen“, sagte hingegen Alexander Theiss, der Geschäftsführer für Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt. Viele Kunden wollten nicht mit Bus und Bahn zum Einkaufen fahren, sondern mit dem Auto. Nach Angaben des Kölner Instituts für Handelsforschung komme fast jeder dritte Passant mit dem Auto oder dem Motorrad in die Innenstadt. „Das Auto ohne Mobilitätsstrategie aus der Innenstadt zu verbannen, ist der falsche Weg“, betonte Theiss.

Ähnlich sieht es die FDP im Römer: „Für diejenigen, die aus dem Umland oder den Frankfurter Stadtteilen mit dem Auto zum Einkaufen fahren wollen, bieten sich reichlich konkurrenzfähige Möglichkeiten, um nur das Nordwestzentrum oder das Main-Taunus-Zentrum zu nennen“, sagte Fraktionsvorsitzende Annette Rinn. Neben dem Einzelhandel wären auch die Pendler betroffen, für sie gebe es schon jetzt keine ausreichenden Park-and-ride-Plätze. Die Innenstadt „abzusperren“, sei der falsche Weg, monierte Rinn. „Die Sozialdemokraten haben wohl einen verfrühten Aprilscherz losgelassen.“

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Die CDU im Römer tut Josefs Forderung als „völlig abwegig“ ab. Eine autofreie Innenstadt schade dem Einzelhandel, Pendlern und Frankfurter Autofahrern, sagte Fraktionsvorsitzender Michael zu Löwenstein. Aus Sicht der Christdemokraten müssen Hauptstraßen weiterhin ausreichend Fahrspuren haben, um einen „Dauerstau“ zu vermeiden. Die Junge Union Frankfurt nannte den Vorschlag des Planungsdezernenten eine „reine Selbstdarstellung“.

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