+
Spenden sind willkommen (Symbolfoto).

FR-Altenhilfe

Mit der Ölkrise kam die Pleite

Rudi M. wurde schon mit 50 Jahren berufsunfähig. Die Altenhilfe der Frankfurter Rundschau bezeichnet M. als "Segen".

Schon mit 25 Jahren hatte Rudi M. sein eigenes grafisches Atelier. „Es hat gebrummt“, sagt der gelernte Schriftsetzer. Zu seinen Kunden zählten große Werbeagenturen, unter anderem gestaltete er das Waschmittel „Weißer Riese“ mit. Dann kam 1973, das Jahr der Ölkrise. Vom wirtschaftlichen Abschwung blieb auch das Atelier nicht verschont. „Nächsten Monat geht es wieder aufwärts!“, sagten ihm diejenigen Agenturen, die selbst kaum noch Aufträge zu vergeben hatten. Der gebürtige Chamer glaubte an Besserung – bis er 1974 das Atelier schließen musste.

Heute ist M. 72 Jahre alt und lebt alleine in einer kleinen Wohnung im Ostend. Die Miete bezahlt das Sozialamt. Zusätzlich erhält der Senior eine Grundsicherung im Alter, denn seine reguläre Rente beträgt nur 375 Euro. Dies hat viel damit zu tun, dass er nach der Atelierpleite keine Anstellung fand und nichts für seine Rente einzahlen konnte.

Stattdessen begann M., als Selbstständiger im Außendienst zu arbeiten, war unter anderem für Werbeanzeigen auf Stadtplänen zuständig. Täglich fuhr er bis zu 300 Kilometer durch Deutschland, ohne dabei viel zu verdienen. 1991 versuchte er es deshalb noch einmal mit einem eigenen Werbeverlag.

Wieder war er bundesweit unterwegs, um seine Kataloge anzupreisen. Bis heute bewahrt er sie in seinem Wohnzimmerschrank auf. Und sie tragen seine Handschrift. 1996 der nächste Einschnitt: Bandscheibenvorfall! „Mein Kreuz hat das nicht mehr mitgemacht“, sagt er über die viele Fahrerei. Er musste operiert werden, galt fortan als berufsunfähig. Mit 50 Jahren.

„Arbeitslos war ich nie“, sagt der Rentner. Trotzdem muss er jetzt jeden Cent zweimal umdrehen. Bei einer privaten Krankenkasse stottert er Schulden aus seiner Zeit als Selbstständiger ab; jeden Monat 20 Euro. Sein Essen bekommt er geliefert, weil er wegen seiner Rückenprobleme kaum noch stehen kann. Auch das kostet Geld.

Die Altenhilfe der Frankfurter Rundschau bezeichnet M. als „Segen“. Von dem Geld hat er sich im vergangenen Jahr eine neue Matratze gekauft. „Jetzt fällt eine Waschmaschine an“, sagt der Senior. Seine alte Maschine hat schon über 30 Jahre auf dem Buckel.             (prms)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare