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Gut für den Boden: Mulchen im Schulgarten, eine Initative des Ernährungsrats.

Klimawandel

Mit Öko-Landbau in Frankfurt durch die Klimakrise

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Der Ernährungsrat feiert Jahrestag und will die Wende auf den Tischen. Der Prinz als Gastredner hat dafür auch ein erprobtes Rezept.

Viel mehr ökologischen Landbau, viel mehr Wählerstimmen gegen die Verursacher der Klimakrise: Das wünscht sich der Frankfurter Ernährungsrat zum zweiten Geburtstag. Als Nächstes will er sich die Gastronomie vornehmen und unser wichtigstes Lebensmittel, das Wasser.

Selten, dass jemand zwei Jahre alt wird, und es kommen 100 Leute, eine Stadträtin und ein Prinz zur Party. Beim Frankfurter Ernährungsrat ist das etwas anderes. Der hat viele Väter und Mütter, inzwischen auch jede Menge Brüder und Schwestern. Und er hat schon etwas erreicht.

„Es hat sich viel getan“, sagt Sprecherin Bärbel Praetorius zur Begrüßung am Mittwochabend. Die Vernetzung mit Gleichgesinnten nennt sie – mit Leuten, die sich „dem herrschenden Ernährungssystem mit Alternativen widersetzen“. Schautafeln berichten von weiteren Erfolgen, etwa vom Schulgarten am Ostpark, Auftritten bei vielen öffentlichen Ereignissen, diversen Arbeitskreisen, und vor allem: vom mehrtägigen internationalen Kongress der Ernährungsräte im vorigen Jahr.

„Aber es bleibt noch viel zu tun“, mahnt Praetorius. So sieht es auch Schirmherrin Rosemarie Heilig (Grüne). „Der Klimawandel hat uns brutal getroffen“, sagt sie. „Wir haben auf viele Fragen keine Antworten: Wie wird der September? Wie wird der Winter?“ Dem Klima zu helfen, sei „unsere gemeinsame Aufgabe“, erklärt Heilig; das Ernährungsverhalten sei ein wichtiger Faktor.

Wie wichtig, schildert Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstand des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Biolandwirt aus Südhessen und ein prominenter Anführer der Ernährungswende. Er weigert sich, das, was geschieht, Klimawandel zu nennen; er sagt: Klimakrise. Und formuliert: „Es geht um die Frage, ob wir in der Lage sind, genug Nahrungsmittel für die wachsende Weltgemeinschaft zu produzieren.“

Nicht irgendwelche Nahrungsmittel. 20 bis 30 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes könnten eingespart werden durch sinnvolle Ernährung und schonende Anbaubedingungen. „Ökologischer Landbau ist der Lösungsweg für alles“, wirbt zu Löwenstein. „Die wichtigste politische und gesellschaftliche Investition ist es, unsere Landwirtschaft auf Bio umzustellen.“ Das hätte auch Folgen fürs Gesundheitswesen. Momentan fielen in der Bundesrepublik allein bis zu 400 Millionen Euro täglich für ernährungsbedingte Krankheiten an.

Kantinen auf Bio umstellen

Wie es geht, habe Kopenhagen gezeigt: alle städtischen Kantinen auf Bio umgestellt, 66 000 Essen am Tag – ohne Mehrkosten. Der Trick: wenig Fleisch, alles frisch, nichts wegwerfen, alles verwerten. „Dass wir Fleisch essen, als gäbe es kein Morgen, liegt daran, dass Unmengen billiges Fleisch produziert werden“, kritisiert zu Löwenstein. Vermutlich wollen die meisten Menschen, dass es ein Morgen gibt. Daher sein Fazit: „Wir sind uns einig, dass es so nicht weitergeht.“

Im Krankenhaus etwa: „Wir bekommen dort grammweise Medikamente, die uns gesundmachen sollen – und kiloweise Essen, das uns wieder krank macht.“ Bei den kommenden Wahlen die Politiker zu den richtigen Entscheidungen zu drängen, nennt der Biofunktionär „wahnsinnig wichtig“ und merkt an: „Völlig irre“, wie sich Politiker selbst aus konservativen Parteien zur Zeit darin überschlügen, das Richtige zu fordern. Ob es dann nach der jeweiligen Wahl auch so kommt? Man wird sehen.

Für die erwünschte Transformation, sagt der Prinz, hätten die Pioniere des Ökolandbaus schon vor fast 100 Jahren den Grundstein gelegt. „Deshalb wissen wir heute, was wir machen müssen.“ Das Publikum applaudiert: solidarische Landwirte und Verbraucher der neuesten Generation.

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