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Schüler mit Guy-Fawkes-Masken, womöglich beim Planen einer Demonstration.

Junges Museum in Frankfurt

Occupy spielen

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Eine neue Ausstellung im Jungen Museum in Frankfurt beschäftigt sich mit Protestbewegungen und Revolutionen. Am Sonntag ist die Eröffnung.

Gut möglich, dass der Sechstklässler Antonio keine Ahnung hat, wer der verhinderte Königsmörder Guy Fawkes war, aber er findet es toll, sich mit der Maske zu fotografieren. Und er wird erfahren, was diese mit der Occupy-Bewegung von 2011/12 zu tun hat. Die Protestaktion in Frankfurt, mit ihrem Camp vor der Europäischen Zentralbank, war Teil eines globalen Protests und zog weitere Kreise. Kinder und Jugendliche können im Jungen Museum in Frankfurt die Bewegung nachvollziehen, sich mit Transparenten inszenieren oder Schritt für Schritt eine eigene Demo organisieren.

Die neue Ausstellung für Schüler ab neun Jahren „Dagegen! Dafür?-Revolution. Macht. Geschichte“ nimmt Revolutionen und Protestbewegungen in den Blick. Das Museum habe vier Themen ausgewählt, die in Frankfurt wichtig waren, erklärt Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, in dessen Gebäude das Junge Museum seit Februar untergebracht ist.

Die Kinder bekommen in Dreiergruppen jeweils ein Tablet, das zum Guide wird. Eine virtuelle Navigatorin führt durch die Ausstellung. Auf ihrem Weg treffen sie Zeitzeugen, sehen Fotos und Videos und lernen einiges über die Zeit des jeweiligen Protests kennen. Etwa, dass die Revolution von 1848/49 unmittelbar mit der Stadt Frankfurt verbunden ist. Hier erinnert der Raum an eine Gaststätte, da sich damals dort die Parlamentarier trafen. Jeder Raum bietet Spiele und Aufgaben, aber auch Originalobjekte aus der damaligen Zeit.

Die Novemberrevolution von 1918/19 führt die Schüler in ein Kontor einer Fabrikhalle. In dieser können sie erfahren, warum die Revolution zur Abschaffung der Monarchie führte und den Weg zu einer parlamentarisch-demokratischen Republik bereitete. Aus ihr ging das Frauenwahlrecht in Deutschland hervor.

Ins Innere einer Hütte begeben sich die jungen Besucher, wenn es um den Protest gegen den Bau der Startbahn West geht, der sich Ende der 1980er zugespitzt hatten. Sie führten zur Besetzung des Baugeländes und dem Bau des Hüttendorfs, das knapp ein Jahr Bestand hatte. Eine Gasmaske, Blechgeschirr, eine Schreibmaschine und Lampen sind ausgestellt.

Die Schüler können Buttons basteln oder miteinander diskutieren. Drei Sechsklässlerinnen der Brüder-Grimm-Schule treten in einem Spiel gegeneinander an und übernehmen die Rollen der Bürgerinitiative, Protestanten oder Flughafenmitarbeiter. Wer die besseren Argumente hat gewinnt. Die Ausstellung gefällt ihnen gut, „ich finde sie interessant und spannend“, sagt die zwölfjährige Sara. „Ich habe viel dazugelernt“, sagt Melek. Dass sie selbst mal auf die Straße gehen, um gegen etwas zu demonstrieren, können sie sich nicht ganz so gut vorstellen. „Vielleicht wenn es vielen Menschen betrifft“, überlegt Rida.

In der Ausstellung gehe es auch darum, dass Meinungspluralismus die Grundlage freiheitlicher Demokratien bildet, sagt Susanne Gesser, Direktorin des Jungen Museums. Zudem beschäftige sich die Schau mit der Meinungs- oder Versammlungsfreiheit. „Man muss die Grundrechte kennen und leben, um sie verteidigen zu können.“ Man wolle den Jugendlichen klar machen, dass Widerstand und Widerspruch wichtig seien – und manchmal nötig.

Außerdem lernen die Schüler, dass der Protest mitunter erstmal umsonst scheint, wie gegen den Bau der Startbahn West. „Trotzdem hat er etwas bewirkt, vielleicht nicht unmittelbar, aber langfristig“, sagt Carmen Rebecca Hecht vom Stadtarchiv Mörfelden-Walldorf, das einige Objekte zur Verfügung gestellt hat. Die Bewegung habe gezeigt, dass man in Politik eingreifen und gemeinsam etwas bewirken könne. Fluglärm und Luftverschmutzung seien ein Thema geworden, unterschiedliche Menschen hätten sich für etwas eingesetzt und zueinander gefunden. Und es gehe weiter, „Der Widerstand ist nicht tot“.

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