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TSG Oberrad feiert 150. Geburtstag

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Von: Katja Sturm

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Turnerinnen und Turner der TSG Oberrad beim Gauturnfest 1956 in Bad Vilbel. Die Fahne hat der Verein heute noch.
Turnerinnen und Turner der TSG Oberrad beim Gauturnfest 1956 in Bad Vilbel. Die Fahne hat der Verein heute noch. © privat

Die Turn- und Sportgemeinde TSG Oberrad 1872 wird 150 Jahre alt. Auch für die Zukunft ist der Verein mit eigener Halle und eigenem Heim gut aufgestellt.

Eine Besonderheit der Turn- und Sportgemeinde (TSG) Frankfurt-Oberrad e. V. 1872 findet sich bereits in ihrem Namen. Die Abkürzung für den eingetragenen Verein ist, anders als von ähnlichen Clubs gewohnt, der Jahreszahl vorangestellt, auf die sich die eigene Geschichte zurückführen lässt. Uwe Hornung, der seit 1998 das Amt des Ersten Vorsitzenden innehat, erklärt das damit, dass die TSG selbst zwar erst 1946 gegründet wurde; einer der drei Stadtteilvereine jedoch, der damals mit zwei anderen fusionierte, die Turngemeinde Oberrad, entstand bereits 74 Jahre zuvor.

Somit können die TSGler guten Gewissens bereits ihren 150. Geburtstag feiern. Dabei sehen sie sich in sportlicher Hinsicht und was ihre Infrastruktur betrifft gut aufgestellt. Als besitzender Verein verfügen sie nicht nur über eine eigene Turnhalle in der Spatzengasse, sondern auch über ein Vereinshaus mit Mehrzwecksaal, mehreren Wohnungen und einer Gaststätte. Die Kegelbahn im Keller rechne sich nicht mehr, erklärt Hornung. Deshalb soll sie einer 200 Quadratmeter großen Multifunktionsfläche weichen, die eventuell auch Fremdnutzern angeboten werden soll.

Die Halle wurde in den vergangenen Jahren für mehr als 600 000 Euro saniert. Für 198 000 Mark war der Vorgängerbau ab 1923 entstanden und 1926 eröffnet worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1943 komplett zerstört. Die Stadt baute die Sportstätte bis 1957 wieder auf, der Verein nahm sie 1996 per Erbbaurecht zurück.

Etwa 1100 Mitglieder bewegen sich dort und in den anderen genutzten Übungsstätten unter dem Dach der TSG. Vor der Pandemie seien es schon mal knapp 1300 gewesen, sagt Hornung. Aber wie in den meisten anderen Vereinen auch, füllten in den vergangenen zwei Jahren keine Neuzugänge die Lücke, die die üblichen Abgänge hinterließen.

Auf den Lockdown im März 2020 hatte die TSG schnell reagiert und fünf Tage nach Beginn erste Bewegungsangebote ins Netz gestellt. Nach dem Ende der strengen Schutzmaßnahme habe man den Youtube-Kanal nicht weiter ergänzt und auf hybride Kurse umgestellt, sagt Hornung. Dennoch schauten sich die Aufzeichnungen bis heute nicht nur Menschen aus der Umgebung an; selbst aus Saudi-Arabien und Amerika wurden die Filme angeklickt. Noch kämen die Mitglieder zögerlich zurück zu den Übungsstunden. Der Vereinschef glaubt, dass sich das bald geben wird.

Einen Schwerpunkt im Verein bildeten schon immer die Turner, die auch die Gründerväter waren. Hornung selbst war unter anderem am Boden deutscher Jugendmeister und nahm 1985 an den Weltmeisterschaften in Montreal teil. Auch zwei Jahre später, in Rotterdam, gehörte er zur Delegation, brach sich jedoch im Podiumstraining den Fuß.

Bis heute ist die Turnabteilung die größte im Verein und bewegt Kinder und Erwachsene nicht nur an Geräten, sondern auch mit Pilates, Gesundheitssport oder im eigenen Kraftwerk. „Wir probieren immer wieder neue Trends aus“, sagt Hornung. Diese würden nur beibehalten, wenn sie ankämen. Zumba etwa, eine Mischung aus Aerobic und Tanz, konnte in Oberrad nicht fruchten. Tischtennis, das die TSG seit 1975 offeriert, spielt die zweitgrößte Zahl der Mitglieder, doch es gibt auch Badminton, Jiu Jitsu sowie Prell- und Volleyball.

Für die Zukunft wünscht sich Hornung weiteren „frischen Wind“ im Verein. Junge Leute, die „ein anderes Mindset“ und innovative Ideen haben. Im Vergleich zu vielen anderen Vereinen ist der Vorstand zwar im Schnitt nicht alt, doch da auch Hornungs Vertreter Martin Jung seit 2004 an seiner Seite arbeite, könnte „neuer Spirit“ nicht schaden.

Auch in Sachen Professionalisierung und Digitalisierung der täglichen Routinen wie der Erfassung und Änderung von Mitgliederdaten strebt der 56-Jährige Fortschritte an, da habe man die Entwicklung etwas verschlafen. Während der Coronavirus-Krise habe man gemerkt, „dass wir nicht mal von jedem Mitglied eine Mailadresse haben“. Ein hauptamtlicher Geschäftsführer könnte eine Lösung sein. Doch 2022 steht erst mal das besondere Jubiläum im Vordergrund.

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