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Pläne für altes Friedhofswärterhaus in Oberrad

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Jörg Fredrich (von links), Bernd Neumann und Anne-Katrin Helms am Friedhofswärterhäuschen.
Jörg Fredrich (von links), Bernd Neumann und Anne-Katrin Helms am Friedhofswärterhäuschen. © Hamerski

Stadt hat durch Ausschreibung weder einen geeigneten Käufer noch eine Käuferin gefunden. Im Stadtteil gibt es indes Ideen, wie man das mehr als 100 Jahre alte Gebäude nutzen könnte.

Das ehemalige Friedhofswärterhaus am Waldfriedhof am Burgenlandweg fristet weiter ein ungenutztes Dasein. Die Stadt hat trotz regen Interesses an dem mehr als 100 Jahre alten Gebäude weder einen Käufer noch eine Käuferin gefunden. Das Grünflächenamt prüft nun, wie es selbst das stark sanierungsbedürftige Haus nutzen kann. Dies teilt die Stadt in einer Stellungnahme mit.

Ende 2020 wurde eine Ausschreibung des Gebäudes im Erbbaurecht zur gewerblichen Nutzung veröffentlicht. Ein Café oder Bistro oder ein Geschäft für Blumen- und Friedhofsbedarf etwa wären möglich gewesen. Fünf Bewerber:innen wurden aus den Einsendungen herausgepickt und näher geprüft, erklärt das Amt für Bau und Immobilien. „Dabei stellte sich heraus, dass den überwiegend gastronomischen Nutzungskonzepten eine baurechtliche Genehmigung nicht in Aussicht gestellt werden konnte“, so die Behörde. Die Interessent:innen hätten die Auflagen nicht erfüllen können.

Die Ausschreibung hatte Vorgaben gemacht: Eine gewerbliche Nutzung war vorgeschrieben. Die Käuferin oder der Käufer in Erbbaurecht hätte das Haus auf eigene Kosten sanieren müssen. Das Grundstück hätte weiterhin der Stadt gehört.

In Oberrad stößt die ergebnislose Ausschreibung auf Unverständnis. Einer der Interessenten, Dachdecker Bernd Neumann, wundert sich, dass es auf seinen Vorschlag keinerlei Resonanz gegeben habe. „Ich hätte das Haus, das sich seit meiner Kindheit kenne, gern gekauft, selbst saniert und ein Café für die Friedhofsbesucher und Waldbesucher eröffnet“, sagt der 52-Jährige. „Das würde gut laufen, da bin ich mir sicher.“

Einen Fahrservice für Senioren etwa könne er sich auch vorstellen: Mobilitätseingeschränkte Menschen könnten mit einem E-Mobil, einer Art Golfauto vom Friedhofseingang aus über das weitläufige Gelände gefahren werden. Viele Senioren und Seniorinnen kämen nicht zum Friedhof, weil sie nicht mobil genug seien. „Aber wenn man hier ein Café hätte mit guten Angebot, das würde viele hochlocken“, ist sich der Oberräder sicher. Für das kulinarische Angebot würde Jörg Fredrich sorgen, ehemaliger Koch der „Grünen Soße und mehr“ am Buchrainplatz.

Neumann ist nicht der einzige, der sich für das Haus interessiert. Anne Kathrin Helms, Pfarrerin der Erlösergemeinde, würde sich wünschen, dass dort wieder Leben einkehrt. Am besten fände sie es, wenn jemand dort wohnt, der oder die sich womöglich auch um den Friedhof kümmert und für Besucher:innen ansprechbar ist. „Ich wüsste zwei Musikerinnen, die dort gerne wohnen würden“, sagt Helms. Aber auch ein Café wäre ihr recht, „Hauptsache, es ist jemand da, bei dem ältere Menschen mal klingeln könnten, falls etwas wäre.“ Aus der Gemeinde weiß sie, dass viele, vor allem Ältere, sich nicht auf den Friedhof trauen, „weil dort keine Menschenseele anzutreffen ist“.

Beerdigungen fänden nur montags und mittwochs statt. An den übrigen Tagen sei das Personal am Südfriedhof beschäftigt, das verwalterisch mit dem Waldfriedhof zusammengelegt wurde. „Und es kann tatsächlich ziemlich unheimlich auf dem Gelände sein“, so die Pfarrerin. Schon oft habe sie Kerzenkreise an Gräbern gesehen, die ihrer Meinung nach von nächtlichen Ritualen zeugen, zu denen sich Unbekannte auf dem Friedhof treffen. Das Gelände ist nachts frei zugänglich. Das war früher nicht der Fall, als bis vor 20 Jahren noch der Friedhofswärter in dem Häuschen wohnte.

Auch Christian Becker, Ortsvorsteher im Ortsbeirat 5 und CDU-Vorsitzender in Oberrad, ist enttäuscht, dass die Ausschreibung nicht gefruchtet hat. Das Gremium hatte die Ausschreibung vor Jahren gefordert, damit alle Interessenten gleiche Chancen haben. „Das Gebäude wird weiter dem Verfall preisgegeben. Der Magistrat ist nun gefordert, mit den bekannten Interessenten zu erörtern, unter welchen Bedingungen eine Vergabe möglich ist“, sagt Becker.

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