Oberrad

Oberrad: Platznot in der Gruneliusschule

Schulgemeinde ärgert sich über neue Planungen und fehlende Informationen

Zur ersten Bürgerfragestunde seit dem Corona-Lockdown im Ortsbeirat 5 waren nur 15 Besucher zugelassen, einige wurden an der Tür weggeschickt. So kam nur ein einziges Thema zur Sprache, das die gesamte Sprechzeit der Bürger belegte: Vertreterinnen der Oberräder Gruneliusschule wollten wissen, wie es weitergeht mit der Planung des Schulneubaus, der sich seit Jahren verzögert und zu Beginn der Sommerferien für Ärger im Stadtteil sorgte. Das Schuldezernat ließ einen neuen Bauentwurf anfertigen, damit der älteste Teil des Schulgebäudes, der Eckturm aus der Gründerzeit, erhalten bleiben kann. Damit würde der von der Schulgemeinde favorisierte Neubau erheblich kleiner ausfallen.

„Wir würden gern wissen, wer von Ihnen die Interessen der Kinder in Oberrad vertritt“, sagte die stellvertretende Schulleiterin Anne Gernoth. Denn an diese werde offenbar zuletzt gedacht, vor allem an die 20 inklusiv Beschulten, die 20 weiteren Kinder mit Handicap, die eventuell hinzukommen, und die 26 neuen Flüchtlingskinder, die in dem alten, maroden Schulgebäude die nächsten Jahre unterrichtet werden müssen. „Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit vor?“, fragte sie. Die Lehrerin Kirsten Ott sagte: „Wir haben in der Planungsphase Null die Möglichkeit bekommen, ein pädagogisches Konzept zu erarbeiten und dies mit einem räumlichen Konzept zu verbinden. In diesem Prozess sei der Ortsbeirat immer dabei gewesen. Nirgendwo sei festgehalten, dass gewünscht wurde, den Altbau zu erhalten. Entsprechend schockiert sei man gewesen, dass es einen neuen Entwurf gibt. „Warum gab’s keine Info an uns?“

Es antwortete der Kinderbeauftragte Roland Limberg (CDU): Es habe wohl in der Tat Informationslücken gegeben. Denn die Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD) habe im Jahr 2018 zwei Mal öffentlich im Ortsbeirat 5 gesagt, der Turm bleibe erhalten. Die Diskussion sei öffentlich geführt worden. „Ich kann mir nicht erklären, wie das an der Schule vorbei gegangen ist“, sagte Limberg. Er habe die damalige Schulleiterin mehrfach versucht, darauf anzusprechen, diese sei aber nicht offen für ein Gespräch gewesen. Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) verwies auf Anträge von 2011, wo stets von einer Sanierung und Erweiterung die Rede gewesen sei.

Aber einen Beschluss des Ortsbeirats, dass der Eckbau erhalten bleiben solle, gebe es nicht, wandte Knut Dörfel von der Linken ein. „Frau Weber war dafür, den Turm zu erhalten – aber auf welcher Grundlage?“

Die Fraktion der Linken war die einzige, die eine Stellungnahme der Gruneliusschule zum Anlass nahm, zwei Anträge zu formulieren. Es solle keine Entscheidung ohne die Zustimmung der Schulgemeinde getroffen werden, und der Ortsbeirat solle diese darin unterstützen, dass der in der Planungsphase Null entworfene Bau umgesetzt wird. „Die Schule muss zu einem Neubau Ja sagen können“, warb Dörfel. Die Mühen der Planungsphase Null wären ad absurdum geführt, wenn sie nicht umgesetzt würde. „Das ist zynisch.“ Die Anträge der Linken wurden aber bei zwei Enthaltungen der SPD abgelehnt.

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