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Bäppi la Belle sang unter anderem für die Bewohner des Seniorenheims Katharinenstift. enrico sauda

Oberrad

Oberrad: Hinterm Mundschutz wird geschmunzelt

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Entertainer Bäppi La Belle sorgt in Pflegeheimen in Oberrad und Sachsenhausen für gute Stimmung.

Muttertag hin, Muttertag her – eines stellt Bäppi La Belle am Sonntag von vornherein klar: „Ein Lied von Heintje werde ich nicht singen.“ Kein schmachtendes „Mama“ also, keine musikalische Bitte, um den Jungen nicht zu weinen. Dafür andere Songs, passend zur Situation: Udo Jürgens‘ „Denn immer wieder geht die Sonne auf“ oder Zarah Leanders „Davon geht die Welt nicht unter“.

„Schöne olle Kamellen“, wird Schwester Stella später sagen. Vermutlich schmunzelt sie dabei, die lebenslustige Dame. Aber das lässt sich schwer erkennen hinter dem Mund-Nasen-Schutz, den die frühere Krankenschwester wie die meisten Bewohner der betreuten Anlage und des Pflegeheims im Oberräder Goldbergweg trägt, die sich im Hof und im Garten niedergelassen haben. Andere schauen zu den Fenstern hinaus oder blicken von der kleinen Dachterrasse auf den Entertainer herab, der an diesem sonnigen Nachmittag hier ein knapp halbstündiges Freiluft-Konzert gibt. Begleitet von Musik aus einer Anlage, die auf einem kleinen Lastwagen steht und damit nicht nur die Vorbereitung vor Ort einfach gestaltet, sondern auch das Weiterziehen. Denn die gleiche Aktion steht im Anschluss noch mal an der Schloss-Residence auf dem Mühlberg in Sachsenhausen an. „Nur eine Station hätte sich nicht gelohnt“, sagt Bernd Neumann.

Aus einer Ebbelwei-Laune heraus entstand die Idee dazu, erzählt der Vorsitzende des Oberräder Gewerbevereins. „Bei fünf Schoppen“, wie Michael Härtlein von der Marketing-Agentur MainLine ergänzt und konkretisiert.

Die beiden hatten sich bereits beim Lieferservice „Oberräder auf Rädern“ zusammen engagiert; jetzt wollten sie den älteren Mitbürgern neben Lebensmitteln auch noch ein bisschen Spaß in den sonst so tristen Corona-Alltag bringen.

Auf Bäppi La Belle sei man schnell gekommen. Nicht, weil das Frankfurter Original gerade mit Balkonkonzerten erfolgreich ist. Sondern um auch ihn zu unterstützen, der als Künstler und Stadtführer wie viele Kollegen gerade kaum Einnahmen verbucht. „Bäppi hat sofort zugesagt“, so Neumann. Das Honorar teilt sich der Dachdecker mit Härtlein.

Für einige Damen und Herren vor Ort war der Gast kein Unbekannter. Schon bei einer Weihnachtsfeier im Palmengarten hatten sie das Vergnügen, sagt Schwester Stella. Aber diesmal sehe er anders aus. So ganz leger mit Hemd, Hosenträgern und Hut.

Die erste Scheu war schnell verflogen. Es wurde geschunkelt. geklatscht und gelacht. Schwester Stella und ihre ehemalige Kollegin Hemma, eigentlich nur „Eingeplackte aus Niederbayern“, waren dabei selbst beim „Grie Soß“-Loblied vorne mit dabei, auch wenn sie das nicht so gut wie andere Schlager kannten.

„Ein Glücksgriff“, kommentierte Julia Friedrichs, die Sachgebietsleiterin Betreutes Wohnen beim Anlagen-Träger Katharinen- und Weißfrauenstift. Sie habe nicht gezögert, als das Angebot kam. Für die Bewohner falle derzeit so vieles weg, Gymnastikstunden und andere Freizeitvergnügen. „Das ist mal etwas, das sie machen können.“ Zufälligerweise gehe es schon am Dienstag musikalisch weiter, wenn um 14 Uhr an gleicher Stelle Mitglieder des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters auftreten. Ein weiterer „Lichtblick, auf den man sich freuen kann“.

Auch Bäppi hat noch nicht genug, kündigt für den Zeitpunkt nach überstandener Krise ein Konzert auf dem Römer-Balkon an, das Oberbürgermeister Peter Feldmann schon zugesagt habe. „Mama“ soll da allerdings auch nicht erklingen.

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