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Hier bleiben viele Mädchen am Ball

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Von: Katja Sturm

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Klaus Dünwald (2.v.l.) ist seit Jahrzehnten Trainer und engagierter Leiter der erfolgreichen Frauenfußball-Abteilung der Spvgg 05 Oberrad.
Klaus Dünwald (2.v.l.) ist seit Jahrzehnten Trainer und engagierter Leiter der erfolgreichen Frauenfußball-Abteilung der Spvgg 05 Oberrad. © rüffer

Bei der Spielvereinigung staunen sie selbst darüber, wie sehr ihr Frauenfußball boomt.

Bislang ist es ziemlich ruhig geblieben. Nur zwei potenzielle Spielerinnen sprachen rund um den Finaleinzug der deutschen Fußballerinnen bei der Europameisterschaft in England vor einer Woche bei der Spielvereinigung (Spvgg) 05 Oberrad vor, um in Zukunft auf dem Gelände an der Gerbermühlstraße mitzukicken. Das könnte an der Ferienzeit liegen, wie Abteilungsleiter Klaus Dünwald vermutet. Doch der 72-Jährige glaubt auch nicht so recht daran, dass die Silbermedaille der Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg einen Boom nach sich ziehen wird.

Über Resonanz können er und sein Trainerteam dennoch nicht klagen. Trotz der Coronavirus-Krise und der damit verbundenen Einschränkungen ist die Zahl der Mitglieder in seinem Ressort in den vergangenen drei Jahren deutlich angewachsen. Doppelt so viele Mädchen wie zuvor frönen nun im Frankfurter Süden dem Rasensport, die Gesamtzahl im weiblichen Bereich ist von 80 auf 120 angewachsen. Mit fünf Jugend- und zwei Frauenmannschaften zählt die Spvgg zu den größten Abteilungen ihrer Art in Hessen.

„Ich kann mir das auch nicht so recht erklären“, sagt Dünwald. Obwohl die Nachfrage schon vor der Pandemie angestiegen war, könnte ein Grund dafür darin liegen, dass die Oberräder unter den jeweils geltenden Regeln ihren Übungsbetrieb durchweg aufrechterhielten. Zudem waren sie während des Umbaus des Trainingsgeländes auf das Areal an der Babenhäuser Landstraße ausgelagert und kamen so mit Interessentinnen von dort in Kontakt.

Spielerinnen von anderen Vereinen abzuwerben komme nicht infrage, betont Dünwald. Auf dem neuen Kunstrasenplatz zu trainiren erscheint jedoch attraktiv. Das Einzugsgebiet erstreckt sich bis nach Offenbach und über den Main ins Nordend und nach Bornheim.

Während in anderen Clubs Buben und Mädchen in jungen Jahren zusammen kicken, was nach Auffassung Dünwalds abschreckend wirkt, hat die Spvgg bereits seit 1971 eine Frauen-Abteilung. Der damalige Jugendleiter Heinrich Wald habe darauf bestanden, sagt Dünwald. Er selbst war Torhüter in Oberrad, und wie bei anderen Paaren wollte seine damalige Frau nicht nachstehen.

Ein Trainer wurde gefunden – und war nach drei Monaten wieder weg. Er selbst sprang ein und blieb dabei. Das Trikot in grüner Vereinsfarbe, das Dünwald an diesem Montagabend trägt, schenkte ihm mal eine Truppe. “#Papa“ steht auf der Rückseite geschrieben. Ausdruck der Dankbarkeit für das außerordentliche Engagement des früheren Sparkassenfilialleiters, der jetzt Rentner ist.

Wenn’s darum geht, seinen Mädels Spaß zu bereiten, was das Wichtigste für Dünwald ist, greift er schon mal selbst in die Tasche. Fahrten zu Turnieren in Deutschland, Holland oder sogar nach Ägypten hat er organisiert. „Wir fahren jedes Jahr irgendwohin“, sagt er. Manches Erlebnis, an das er sich von internationalen Begegnungen erinnert, rufe jetzt noch Gänsehaut bei ihm hervor.

Sponsoren, die sich für die Abteilung engagieren, sucht er noch. Ein eigenes Turnier, mit dem die Oberräder vor der Pandemie Geld einnahmen, war zuletzt ausgefallen. Für die Trainer und Betreuer, die oft aus den eigenen Reihen stammen, gibt’s nur eine kleine Aufwandsentschädigung. Zweien habe man die nötige Lizenz finanziert, dann seien sie verschwunden. Talente würden von finanzstärkeren Vereinen angesprochen und verabschiedeten sich dann oft. Dennoch floriert die Abteilung – auch ohne bundesweiten Boom.

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