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Helga Kraus ist ihre Heimat in Oberrad wichtig.

Oberrad

Helga Kraus ist „Oberräderin des Jahres“

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Der Bürgerverein zeichnet seine 88-jährige Mitbegründerin aus.

Bunte Girlanden hängen von den Decken des Saalbaus. Auf der Bühne aufgebaut stehen schon die Preise, die später bei einer Tombola verlost werden. Es herrscht heitere Stimmung am Samstagabend unter den Mitgliedern des Bürgervereins Oberrad. In schicker Abendgarderobe warten die Gäste der Jahresabschlussfeier auf die Begrüßungsrede des Vorsitzenden Eugen Müller.

Eine Jahresbilanz der Vereinsarbeit möchte dieser nicht ziehen. Gemäß Vereinstradition soll es beim Abschlussfest schließlich um das gemeinsame Feiern gehen. Und um einen ganz besonderen Programmpunkt: Die Ernennung des Oberräder Bürgers des Jahres.

Jedes Jahr ehrt der Verein damit eine Person, die sich mit ihrem Engagement in besonderer Weise um den Stadtteil verdient gemacht hat. Die Bedeutung der Auszeichnung drückt der Vorsitzende an diesem Abend mit einem Aphorismus aus: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Angesicht der Erde verändern“. Nichts anderes, befindet Müller, täten die Ehrentitelträger in Oberrad.

Dabei sind die Dinge so klein nicht, die die Oberräderin des Jahres 2018 für den Stadtteil getan hat – besonders aus Vereinsperspektive. Schließlich ist Helga Kraus, die seit 1960 in Oberrad lebt, Mitbegründerin des Gremiums. Aus Überzeugung, dass sich Bewohner für ihr Quartier einsetzen müssen, hat Kraus 1981 in ihrem Wohnzimmer mit Gleichgesinnten das Bündnis ins Leben gerufen.

Im Einsatz für das Viertel

Ihr Einsatz für das Viertel im Frankfurter Süden hatte jedoch schon lange vor Gründung der Organisation begonnen. Für eine bessere Lebensqualität im Quartier hat sie den Verein „Wohnen ohne Fluglärm und Absturzbedrohung“ mitgegründet. Bis zu ihrem 85. Lebensjahr ist die heute 88-Jährige bei den Montagsdemos gegen Fluglärm auf die Straße gegangen. Und auch, als in den 1970er Jahren ein Stadtentwicklungsplan für Oberrad vorgestellt wurde, hat sich Kraus eingemischt. Zum Unmut vieler Bürger sah der Plan die Versieglung vieler Frei- und Grünflächen vor. Doch Helga Kraus hat sich gemeinsam mit anderen Bürgern eine Beteiligung an der Stadtteilplanung erstritten. In Kooperation mit der Frankfurter Hochschule entstand ein Bürgerforum. Dessen Abschlussbericht haben die Oberräder der Stadt Frankfurt übergeben. Dass es bis heute Acker- und Gartenland an den nördlichen und südlichen Stadtteilgrenzen gibt, ist damit auch der Verdienst von Kraus.

Solche Dinge seien es, für die es sich lohne zu kämpfen, sagt Helga Kraus in ihrer Dankesrede am Samstagabend. Naturbelassene Plätze im Stadtteil seien angesichts der zunehmenden Verkehrsbelastung von großer Bedeutung. „Ich freue mich, wenn ich durch Oberrad gehe und sehe, dass kleine Wege, wie etwa das Wildgäßchen, immer noch so aussehen wie früher“, berichtet sie. Besonders am Herzen liegt Kraus aber nicht nur die Natur. „Wichtig ist mir auch der Zusammenhalt im Stadtteil und der Erhalt von Heimat und Tradition“, erklärt sie. Denn Heimat, sagt die Alt-Frankfurterin, gebe ihr Kraft und Lebensfreude. „So wie heute. Das ist ein wirklich glücklicher Abend für mich.“

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