+
Volker Hartmann (l) vor dem Haus Seeheimer Straße 19 in Frankfurt-Oberrad, hier hat einst Theodor W. Adorno gewohnt.

Vergebliche Verhandlungen

Oberrad: Gedenktafel für Adorno gescheitert

  • schließen

Keine Einigung mit Hausbesitzer in Oberrad. Ehrung war zum 50. Todestag im August geplant

Die geplante Gedenktafel für den Philosophen Theodor W. Adorno im Frankfurter Stadtteil Oberrad ist nicht zustande gekommen. Die Stadt wollte am Haus Seeheimer Straße 19 eine Plakette anbringen lassen, die daran erinnern sollte, dass der Soziologe dort in seiner Jugend von 1914 bis zu seiner erzwungenen Emigration 1934 gelebt hatte.

Ein halbes Jahr lang hat die Kommune mit dem Hausbesitzer verhandelt, doch der stimmte nicht zu. Anlass für das geplante Gedenken ist der 50. Todestag Adornos in wenigen Tagen, am 6. August.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hatte sich bereits Anfang des Jahres für die Gedenktafel starkgemacht, die der Bürgerverein Oberrad vorschlagen hatte. Der Verein wollte Adorno als „großen Sohn“ des Stadtteils würdigen.

Eugen Müller, der Vorsitzende des Bürgervereins, zeigte sich vom Scheitern des Projekts enttäuscht. „Wenn sich eine solche Tafel nicht erreichen lässt, sollte die Stadt zumindest im öffentlichen Raum vor dem Haus in der Seeheimer Straße eine Gedenkstele aufstellen lassen“, forderte Müller im Gespräch mit der FR.

„Die Anbringung der Tafel an dem im Privatbesitz befindlichen Wohnhaus ist leider derzeit nicht möglich“, sagte Jana Kremin, die Sprecherin des Kulturdezernats. Grundsätzlich begrüße die Stadt eine solche Gedenktafel in Oberrad.

Sie stelle eine wichtige Ergänzung zum bereits bestehenden Denkmal und der Tafel im Westend dar. Das Kulturdezernat wolle nun „gemeinsam mit dem Ortsbeirat nach entsprechenden Möglichkeiten suchen“. Der Vorsitzende des Bürgervereins, möchte so schnell wie möglich im zuständigen Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) einen Beschluss für eine Gedenkstele im öffentlichen Raum herbeiführen.

Adorno hatte von seinem elften Lebensjahr (1914) bis zu seiner Emigration 1934 in dem Haus an der Seeheimer Straße 19 gelebt. Die Entscheidung für einen Wohnsitz am Stadtrand soll gefallen sein, weil Adornos Vater Bombenangriffe auf das Stadtzentrum im ersten Weltkrieg gefürchtet haben soll. Das Gebäude steht heute nicht unter Denkmalschutz.

Nach dem Exil in den Vereinigten Staaten ist der Philosoph im August 1953 endgültig nach Frankfurt zurückgekehrt. Er wurde dann Direktor des Instituts für Sozialforschung und wohnte im Westend in der Nähe der Universität.

Podiumsdiskussion

Zum 50. Todestag von Theodor W. Adorno plant die Stadt am 13. August in der Evangelischen Akademie in Frankfurt, Römerberg 9, ab 19.30 Uhr eine prominent besetzte Podiumsdiskussion.

Dort diskutieren an diesem Abend Axel Honneth, der frühere Direktor des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt, der Publizist und Philosoph Michel Friedman, Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Mitglied des Vorstandes des Leibniz-Institutes Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung sowie die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, Ina Hartwig (SPD).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare