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Aus für Bierhaus

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Von: Stefanie Wehr

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Wirt Jürgen Liller und seine Stammgäste im Frankfurter Bierhaus, Offenbacher Landstraße 270, protestieren gegen die Schließung.
Wirt Jürgen Liller und seine Stammgäste im Frankfurter Bierhaus, Offenbacher Landstraße 270, protestieren gegen die Schließung. © Rainer Rüffer

D as Frankfurter Bierhaus in der Villa Bonn an der Offenbacher Landstraße muss überraschend zum Jahreswechsel schließen. Die Vermieterin, die Radeberger Gruppe, lässt den Pachtvertrag auslaufen und will eine neue Pächterin einsetzen, die einen Mittagstisch anbieten soll.

Das Frankfurter Bierhaus in der Villa Bonn an der Offenbacher Landstraße muss überraschend zum Jahreswechsel schließen. Die Vermieterin, die Radeberger Gruppe, lässt den Pachtvertrag auslaufen und will eine neue Pächterin einsetzen, die einen Mittagstisch anbieten soll. Das geht aus einer E-Mail an die jetzigen Betreiber, die Barth Gastro GmbH, hervor, die der Zeitung vorliegt.

Die Gäste der im Stadtteil sehr beliebten Eintracht-Fankneipe können es nicht fassen. „Es ist unbegreiflich. Das kann nicht sein, dass den Oberrädern ihr zweites Zuhause genommen wird“, sagen sie. Sie haben ein Transparent „Wir kämpfen für unser Bierhaus“ angefertigt, das drinnen an der Wand hängt.

„Wir wollen dafür kämpfen, dass wir weitermachen können“, sagt Wirt Jürgen Liller. Unterstützung ist ihm sicher: Die zahlreichen Stammgäste – darunter viele Mitglieder der TSG, des Skiclubs und des Fußballvereins Oberrad 05, die regelmäßig ihren Stammtisch im Bierhaus abhalten – haben eine Petition gestartet. In zwei Tagen haben 400 Unterstützer unterschrieben.

„Wir fühlen uns hier wohl, man kann immer hierherkommen, trifft Freunde. Wir sind seit Jahren eine eingeschworene Gemeinschaft. Mir tut es im Herzen weh, dass das vorbei sein soll“, schildert Stammgast Patrick Dickel.

Dass das Bierhaus keine gewöhnliche Fußballkneipe ist, sagen auch Sabine Stenger und Ulrike Kinkel-Wattad, die jeden Mittwoch nach dem Sporttraining bei der TSG vorbeikommen: „Wir fühlen uns als Frauen hier wohl. Man wird nicht blöd angemacht. Jürgen Liller schafft es, dass sich alle bei ihm wie eine Familie fühlen“, schwärmen sie.

Wie man ein so beliebtes und lukratives Geschäft zumachen kann, ist Bernd Neumann, dem Vorsitzenden des Oberräder Gewerbevereins, schleierhaft. Das Argument, in Oberrad fehle ein Mittagstisch, sei Unsinn. „Einen Mittagstisch haben schon viele angeboten, das lief nie. Auch das Grüne Soße öffnet erst abends. Das Bierhaus hat sich nichts zuschulden kommen lassen, war nie im Mietrückstand.“ Der Gewerbeverein stehe mit der Wirtschaftsförderung in Kontakt, um die Schließung zu verhindern.

Laut Radeberger Gruppe gibt es einige Gründe für den Pächterwechsel. Der Getränkebezug sei über einen längeren Zeitraum nicht vertragskonform verlaufen, „auch über mehrere Eskalationsstufen hinweg“, heißt es in der Stellungnahme. Außerdem hätten sich bisher nicht gekannte Schwierigkeiten in der Kommunikation ergeben, die die Partnerschaft mit der derzeitigen Pächterin erheblich belastet hätten.

Immer wieder seien Gesprächsversuche seitens des zuständigen Gebietsleiters mit Pächterin und Wirt nicht nur abgelehnt oder gar nicht beantwortet worden – zuletzt habe man sogar eine Einladung für ein klärendes Gespräch zwischen allen Beteiligten ohne Rückkopplung im Sande verlaufen lassen- „und beendete damit die partnerschaftliche Zusammenarbeit einseitig“. Das Auslaufenlassen des Vertrages sei die entsprechende Konsequenz. Das Enddatum könne daher auch keine Überraschung sein.

Wirt Jürgen Liller widerspricht dieser Darstellung der Brauerei-Gruppe. Zum einen sei der Radeberger-Vertreter „nicht einmal in den vergangenen Jahren selbst im Bierhaus gewesen“, zum anderen hätte Radeberger selbst immer wieder anberaumte Gespräche abgesagt. Den nicht vertragskonformen Getränkebezug erklärt Liller so: Der in Oberrad von Radeberger beauftragte Getränkehändler habe mehrmals Bestellungen vor Wochenenden oder Feiertagen nicht geliefert. Daraufhin habe man einen anderen Getränkehändler beauftragt und dies auch an Radeberger kommuniziert.

„Wir haben dort ja kein Bitburger oder Becks bezogen, sondern genau dieselben Biere von Radeberger“, sagt der Wirt. Alternativ hätte man auf dem Trockenen gesessen. Mittlerweile beziehe man die Getränke wieder über den alten Händler, da Radeberger wegen Vertragsbruch mit Kündigung gedroht habe.

Jürgen Liller bereitet sich indes darauf vor, auszuräumen. Das gesamte Inventar gehört ihm, das brauche also Zeit. Eigentlich wollte er an Heiligabend öffnen, „für alle, die allein sind“, ob daraus etwas wird, kann er nicht sagen.

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