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Petra Roth gedenkt, locker 95 Jahre alt zu werden.

OB Amtsübergabe Roth

Kein Roth-Gemälde vor 2039

In der Wandelhalle hängen sie, die Porträts der verstorbenen Oberbürgermeister. Um die Entlohnung des Arndt-Porträts hatte es großen Streit in der Stadt gegeben. Roth macht nun klar: Vertragsverhandlungen mit Künstlern für ihr Porträt gibt's noch nicht - denn sie will sehr, sehr alt werden.

Von Felix Helbig

Es ist der gewohnte Auftakt einer Stadtverordnetenversammlung. Die Tagesordnung wird festgestellt, man begrüßt sich, es folgt die Fragestunde, die Opposition macht sich lustig über das Scheitern der Brückensanierungen, manche Parlamentarier stellen ernste Fragen, alles wie immer. Martin Kliehm von den Piraten platzt sogar ein wenig der Kragen, als die Koalition sich mal wieder selbst lobt, diesmal ihren Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU). Das sähe Kliehm dann doch lieber in einer Pressekonferenz, anstatt hier „das Parlament zu missbrauchen“.

Doch dann kommt Bernhard E. Ochs. Ochs ist fraktionslos, ein stattlicher Mann mit stirnumwölbender weißer Haarsträhne, er hat eine Frage parat, die es in sich hat. Nach Ablauf ihrer erfolgreichen siebzehnjährigen Amtszeit, dringt Ochs schmeichelnd zum Kern seiner Überlegung vor, werde ja auch Petra Roth von einem Künstler in Öl oder Acryl auf Leinwand für die Nachwelt festgehalten. Bei der Entlohnung des Porträts ihres Amtsvorgängers Rudi Arndt habe es da ja „gewisse Zerwürfnisse“ gegeben, sagt Ochs, was wiederum freundlich formuliert ist, weil die Künstlerin ja ganz einfach nie dafür bezahlt worden war. Die Posse endete im großen Streit. Für die Stadt war das ziemlich peinlich.

Das Ziel sind 95 Jahre

Also fragt nun Ochs, ob es für das neue Auftragswerk, das wie alle anderen in der Galerie im Römer hängen wird, einen ordnungsgemäßen Vertrag geben wird. Und, nun wird er regelrecht forsch, ob die Bezahlung „zeitnah“ erfolgen werde.

Petra Roth, das muss an dieser Stelle eingefügt werden, trägt Schwarz an diesem Abend, was sie mitzuteilen hat, läuft aber darauf hinaus, dass sie trotzdem noch nicht tot ist. Erst dann nämlich, weist sie Ochs mit sichtlichem Amüsement zurecht, werde ihr Gemälde in die Galerie gehängt. Es gebe deshalb also noch keine Vertragsverhandlungen und sie stünden auch nicht an. Sie gedenke nämlich, sagt Roth, locker 95 Jahre alt zu werden, ihr Vorbild sei da die kürzlich mit 94 verstorbene Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich. Das würde allerdings bedeuten, dass Vertragsverhandlungen mit Künstlern und nachfolgende Zahlungsmodalitäten mit Blick auf das Jahr 2039 zu klären wären. Und das ist dann doch noch ein wenig Zeit.

Ochs aber lässt sich nicht abschütteln. Investigativ, dass die Journalisten auf den Pressebänken erblassen, hakt er nach, berichtet dem Parlament von einem Treffen Roths mit Jeff Koons anlässlich dessen Ausstellung in der Schirn. Da habe man ja Zeit gehabt, bohrt Ochs, vielleicht habe man da ja doch schon …

Roth: „Nein.“

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