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Kristina Wessel ist Sozialarbeiterin am Flughafen und kümmert sich dort um Obdachlose.
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Kristina Wessel ist Sozialarbeiterin am Flughafen und kümmert sich dort um Obdachlose.

Flughafen Frankfurt

Die Obdachlosen vom Airport

  • Johannes Vetter
    VonJohannes Vetter
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Kristina Wessel, Sozialarbeiterin am Flughafen Frankfurt, spricht im FR-Interview über Obdachlose am Flughafen.

Seit September gibt es eine Sozialarbeiterin am Flughafen. Sie heißt Kristina Wessel, ist 31 Jahre alt und Mitarbeiterin des Diakoniezentrums Weser 5. Bezahlt wird ihre Stelle von der Stadt und zu einem kleinen Teil vom Landeswohlfahrtsverband. Der Flughafenbetreiber Fraport stellt ihr ein Büro in der Abflughalle C im Terminal 1 zur Verfügung, über einen verwinkelten Bürotrakt und Treppen gelangt man dorthin. Wenn man weiß, wo es ist.

Rund 200 Obdachlose kommen Ihren Angaben zufolge immer wieder an den Flughafen, etwa 50 Obdachlose leben dauerhaft dort, sagen Sie. Woher wissen sie das?
Durch Zählungen und Rundgänge. Natürlich kann man das nicht genau sagen. Aber das ist meine Einschätzung.

Aber wenn Menschen einfach hier schlafen und Gepäck dabeihaben, wie soll man da erkennen, ob sie obdachlos sind?
Mit einem geschulten Auge erkennt man das. Wenn ich die Menschen immer wieder sehe, wenn sie wochenlang am Flughafen sind, dann ist es offensichtlich. Ich komme ja dann auch mit den Leuten ins Gespräch. Also, ich habe schon einen sehr guten Überblick.

Aber gibt es nicht auch Obdachlose, die für Reisende gehalten werden wollen?
Ja, natürlich. Es gibt Obdachlose, die nicht auffallen möchten, die sich einfach unter die Fluggäste mischen, um ihre Ruhe zu haben. Die sich als Passagiere tarnen und dann wirklich auch als Passagiere durchgehen. Einige tarnen sich extrem gut, es gibt da die verschiedensten Strategien.

Erzählen Sie mal.
Also, der Rollkoffer ist das A und O, um als Passagier durchzugehen. Einige machen dann diese Klebe-Bändchen zur Gepäckaufgabe an die Koffer, andere binden sich Schilder von Fluggesellschaften dran. Oder einer, der hatte immer einen Sonnenhut und eine Sonnenbrille. Die machen schon viel.

Kommen die Obdachlosen vor allem zum Übernachten an den Flughafen?
Einige sind tagsüber woanders. Die halten sich zum Beispiel in Tagesstätten auf und kommen zum Schlafen an den Flughafen. Andere verlassen den Flughafen tatsächlich überhaupt nicht. Und wieder andere sind nachts nicht hier, aber tagsüber. Es gibt die verschiedensten Gründe, wieso Obdachlose zum Flughafen kommen.

Welche Gründe gibt es?
Klar, Flaschen sammeln die meisten Obdachlosen, die am Flughafen sind. Man findet einfach viel mehr Pfand als in der Stadt, weil viele Reisende aus dem Ausland das Pfandsystem überhaupt nicht kennen oder Menschen vor ihrem Flug noch schnell ihre Flaschen entsorgen. Aber ich würde auf gar keinen Fall sagen, das ist der Hauptgrund. Der Flughafen ist ja im Prinzip wie eine eigene Stadt. Einige fühlen sich hier einfach wohler als in der Innenstadt. Weil es sicherer ist etwa. Oder weil es im Winter wärmer ist. Oder weil die sanitären Anlagen sauber sind. Ich kenne auch einige, die hier duschen, auch wenn es teuer ist.

Können Sie grundsätzliche Unterschiede feststellen zwischen Obdachlosen, die am Flughafen leben, und jenen, die in der Innenstadt schlafen?
Auffallend ist, dass der Frauenanteil am Flughafen relativ hoch ist. Und von diesen Frauen ist ein Großteil wirklich manifest psychisch erkrankt. Einige von ihnen haben eben in der Stadt auch schon schlimme Erfahrungen gemacht. Die suchen natürlich Schutz hier, ganz klar. Grundsätzlich gibt es am Flughafen aber keine Gruppe von Obdachlosen, die es nicht auch in der Innenstadt gibt. Auch am Flughafen stammt eine hohe Anzahl der Obdachlosen aus Osteuropa. Ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, Menschen aus Polen und Rumänien zu helfen.

Seit gut einem halben Jahr hat der Flughafen nun mit Ihnen eine Sozialarbeiterin für Obdachlose. Ihr Fazit bis jetzt?
Das Projekt ist super angelaufen. Unter den Obdachlosen hat es sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass es eine Sozialarbeiterin am Flughafen gibt. Natürlich spreche ich die Leute bei meinen Rundgängen immer noch an. Aber mittlerweile ist es auch so, dass viele Leute auf mich zukommen, wenn sie Hilfe brauchen. Mein Büro konnte ich deshalb immer noch nicht schön einrichten, es gibt eben wichtigere Sachen.

Interview: Johannes Vetter

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