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Ein Obdachloser hat sich auf der Zeil an einen sonnigen Platz gesetzt. peter juelich
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Ein Obdachloser hat sich auf der Zeil an einen sonnigen Platz gesetzt.

Kommentar

Kälte und Corona: Obdachlose in Frankfurt kämpfen um ihr Leben

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Obdachlose Menschen haben zusätzlich zu Corona besonders schwer mit der Eiseskälte zu kämpfen. Einfache Lösungen gibt es nicht. Ein Kommentar.

  • Laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind bereits 20 Kältetote in diesem Winter zu beklagen.
  • Obdachlose frieren auch in Frankfurt bei Minusgraden.
  • Menschen aus EU-Staaten wie Rumänien und Bugarien werden als Obdachlose zweiter Klasse behandelt.

Frankfurt - Es ist bitterkalt. Ohne Vorwarnung beschert uns dieser harte Pandemie-Winter eisige Temperaturen, wie Hessen und ganz Deutschland sie lange nicht mehr erlebt haben. Für viele Menschen bedeutet die Kälte eine Belastung. Doch für alle, die kein Dach über dem Kopf haben, hat mit der Kältewelle ein Kampf ums nackte Überleben begonnen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zählt in diesem Winter bereits 20 Kältetote, allein in Hamburg sind laut Straßenmagazin „Hinz & Kunzt“ schon 13 Menschen erfroren. Es ist eine bittere Anklage gegen unsere reiche, gut organisierte Gesellschaft, wenn Menschen auf den Straßen sterben müssen.

Obdachlose aus anderen EU-Staaten werden in Frankfurt als Hilfsbedürftige zweiter Klasse behandelt

Weil das Leid obdachloser Menschen in der wegen der Pandemie leergefegten Innenstadt derzeit besonders sichtbar ist, hat in Frankfurt eine Debatte um das bestehende Hilfssystem begonnen. Das Thema hat in dieser Woche sogar den Kommunalwahlkampf erreicht. Die Stadt betont, dass sie alles tut, um die Schwächsten der Schwachen trotz Corona und Eiseskälte gut durch den Winter zu bringen. Sie verweist auf das dichte Netzwerk aus Tagestreffs, Notunterkünften, Kleiderkammern und Kältebus, das von stadtnahen Trägern, Kirchen und Initiativen unterhalten wird. Und es stimmt ja: In Frankfurt wird viel für die Menschen auf der Straße getan. Und dennoch stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass in dieser reichen Stadt bei dieser Kälte Menschen draußen schlafen?

Die Expert:innen der Wohnungslosenhilfe erklären jeden Winter von Neuem, wie schwer es sei, gerade psychisch kranke Obdachlose dazu zu bringen, Notunterkünfte anzunehmen. Sicher gibt es Menschen, die sich derart in sich selbst zurückgezogen haben, dass sie selbst bei Kälte im Freien bleiben wollen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Viele Obdachlose, etwa jene aus anderen EU-Staaten wie Bulgarien oder Rumänien, werden in Frankfurt als Hilfsbedürftige zweiter Klasse behandelt. Für sie gibt es als Schlafplatz nichts als eine Matte auf dem Boden der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor. Mehr als 100 Menschen in einer warmen Betonhalle – wie soll das für ängstliche, misstrauische oder psychisch kranke Obdachlose annehmbar sein?

EU-Ausländer:innen müssen in Frankfurt endlich allen anderen Obdachlosen gleichgestellt werden

Diejenigen, die jetzt fordern, man solle einfach leerstehende Hotels öffnen, machen es sich trotzdem etwas zu leicht. Sicher ist es obszön, wenn Hotels leerstehen und gleichzeitig Menschen erfrieren. Fakt ist aber auch, dass viele Obdachlose enge Betreuung bräuchten, um von heute auf morgen in einem Hotelzimmer klarzukommen. Wer gegen die Kälte leere Häuser öffnen will, sollte dazusagen, wie das gewährleistet werden soll.

Mittelfristig scheint es daher vor allem wichtig, den Blick nach vorne zu richten. EU-Ausländer:innen müssen in Frankfurt endlich allen anderen Obdachlosen gleichgestellt werden. Es muss mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen, Zwangsräumungen besser verhindert werden. Und es braucht andere Programme, die Obdachlosen helfen, wieder eine eigene Wohnung zu finden – auch dabei würde ein entspannterer Wohnungsmarkt helfen. Und vielleicht wäre es gut, das Konzept „Housing First“ auszuprobieren, wie es der Sozialwissenschaftler Nikolaus Meyer empfiehlt?

Frankfurt muss alle Kräfte mobilisieren, damit keine Obdachlosen erfrieren müssen

In den nächsten Tagen gilt es jetzt jedenfalls, alle Kräfte zu mobilisieren, damit in Frankfurt niemand erfrieren muss. Danach sollte die aktuelle Debatte weitergeführt werden, um über Auswege aus der Wohnungslosigkeit zu sprechen. Denn das ist auch dann notwendig, wenn es nicht mehr ganz so kalt ist. (Hanning Voigts)

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