+
Lichte Wipfel: hier bei dürregeschädigten Fechenheimer Kiefern, im Februar fotografiert.

Trockenheit

Frankfurt: Bäume leiden unter langer Trockenperiode

  • schließen

Viele Bäume in der Stadt sind marode, und es fehlt trotz des Regens der vergangenen Tage weiterhin am nötigen Wasser.

Jedes Jahr erstaunlich: Wie sich die kahle Welt praktisch über Nacht in eine grüne Welt verwandelt hat, Blatt satt, wohin das Auge blickt. Aber – nicht überall. Besser gesagt: nicht mehrüberall. Denn die Folgen der verheerenden Trockenheit im vorigen Jahr sind deutlich zu sehen, allenthalben verlichtete Baumkronen, wenn man genau hinschaut. Und, was gefährlicher ist: abbrechende Äste.

Im Nordend, am Oeder Weg, waren Arbeiter unlängst am Werk, kraxelten einen gewaltigen Baum empor, sägten weg, was nicht mehr sicher war. Besser ist das, denn die Last erhöht sich, je dichter das Blattwerk, je reifer die Früchte werden. Überall in der Stadt liegen Äste. An der Nidda, am Main, am Waldrand.

„Privatbäume betrifft das oft“, sagt Bernd Roser, beim Grünflächenamt Abteilungsleiter für die Grünflächenunterhaltung, „da gab es beim Sturm heftigen Astbruch, vieles liegt noch auf dem Boden.“ Bei den städtischen Flächen sei dagegen alles unter Kontrolle. „Wir sind relativ weit mit den Arbeiten, wir sind praktisch durch – und noch einigermaßen glimpflich davongekommen.“ Das betrifft die Sturmschäden am Gehölz. Ganz anders sieht es mit den Folgen der Trockenheit aus.

Ahorne und Platanen in Not

Die Rußrindenkrankheit, bis vor kurzem fast nur Fachleuten bekannt, raffte im Land Zehntausende Bäume dahin, die mangels Wasser keine Widerstandskraft mehr aufbrachten. 180 Exemplare, meistens Ahorne, mussten in Frankfurt gefällt werden, so der Stand vor einigen Wochen. Den aktuellen Wert fragt das Amt regelmäßig ab.

„Im Moment kontrollieren wir gerade Platanen“, sagt Roser. Ihnen droht die Massaria-Krankheit, verursacht durch einen sogenannten Schlauchpilz namens Splanchnonema platani, zu erkennen ebenfalls an einem rußartigen Überzug der Rinde. Befallene Äste müssen abgesägt werden, erläutert das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen; chemische oder biologische Mittel helfen nicht.

Hauptproblem ist und bleibt der Wassermangel, der die Bäume schwächt – auch wenn es in den vergangenen Tagen so manchen Liter geregnet hat. „Die Wasserreservoirs im Boden sind noch nicht wieder gefüllt“, sagt Roser, „es hat über den Winter nicht genug Niederschlag gegeben, um die Folgen des Hitzesommers auszugleichen.“ Oft reicht der Wasserstand nicht bis an die Wurzeln.

Das heißt: erhöhte Obacht. Erstens auf die Bäume, dass nichts abbricht und jemandem auf den Kopf fällt, – zweitens aber auch auf die Baumbewohner. Wir befinden uns mitten in der Brutzeit, in vielen Bäumen sind Nester oder Höhlenbrüter. Denen kann man nicht einfach das Zuhause weghacken.

Rücksicht auf Tiere

Was also tun? „Die Verkehrssicherheit hat Vorrang“, sagt der Mann vom Grünflächenamt, „aber natürlich immer unter Beachtung des Naturschutzes.“ Wenn eine Firma beauftragt ist, einen Baum zu fällen, und der Mitarbeiter sieht: Aha, da ist ein Nest drin mit Eiern oder Küken, dann folgt die Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde. Sie entscheidet, was zum Schutz der Vögel zu tun ist. Eine mögliche Lösung: Das Gebiet um den Baum herum könnte abgesperrt werden, bis die Küken flügge sind. Oder ein Brutplatz wird in die unmittelbare Nähe verlegt.

Und wenn doch mal was herunterkracht, womöglich auf ein geparktes Auto? „Die Stadt hat eine Haftpflichtversicherung“, sagt Roser. Die greife freilich nur, wenn die Bäume nicht nachweislich im vorgeschriebenen Intervall kontrolliert wurden, und bis Windstärke 8. Alles, was stärker stürme, falle unter „höhere Gewalt“, gegen die man sich nicht versichern könne. „Das muss der Eigentümer des Autos dann mit seiner eigenen Vollkasko regeln.“

Wie kann der private Baumbesitzer vorab herausfinden, ob Unheil droht? Roser: „Spätestens wenn da etwas sichtbar schief steht oder wenn ein großer trockener Ast auffällt, sollte man tätig werden.“ Also: Fachleute zurate ziehen, was zu tun ist. „Die Rechtsprechung sagt: Auch ein Laie kann erkennen, wenn der Baum nicht mehr sicher steht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare