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OB-Kandidatin Mehler-Würzbach will „Sprachrohr für die Vergessenen“ sein

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Von: Sandra Busch

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Für Daniela Mehler-Würzbach wird in Frankfurt mehr Gemeinwohl und mehr Solidarität gebraucht. peter jülich
Für Daniela Mehler-Würzbach wird in Frankfurt mehr Gemeinwohl und mehr Solidarität gebraucht. peter jülich © Peter Jülich

OB-Kandidatin Daniela Mehler-Würzbach (Linke) will sich für Menschen einsetzen, die von der Römerpolitik enttäuscht und vergessen wurden. Sie will mehr Menschen Teilhabe ermöglichen.

Wer Oberbürgermeisterin werden will, muss ein Wahlprogramm aufstellen. Hat Linken-Kandidatin Daniela Mehler-Würzbach gemacht und will es an diesem Donnerstagmorgen in der Geschäftsstelle vorstellen. Das ist wichtig, gehört dazu. Aber andere Dinge sind auch wichtig. Mehler-Würzbach ist in Wanderschuhen da, denn gleich nach der Präsentation ihres Programms will sie wieder in den Fechenheimer Wald. So wie am Tag zuvor. Als parlamentarische Beobachterin, um ein Auge auf die Räumung zu haben. Und weil sie nichts davon hält, dass ein Wald für eine Autobahn zerstört wird.

Aber davor ist erst einmal das Wahlprogramm dran. „Ich stehe als OB-Kandidatin für den überfälligen sozialen und ökologischen Umbau in der Stadt“, sagt sie, die auch für die Linke in der Stadtverordnetenversammlung sitzt. Angesichts von Krisen und Herausforderungen gehe es um das Zusammenleben in der Stadt. „Wir brauchen in Frankfurt mehr Gemeinwohl, nicht weniger“, sagt sie. „Wir brauchen mehr Solidarität, nicht weniger.“

Acht Schwerpunkte hat sie sich gegeben. Klimaschutz, Kultur, Kampf gegen rechte Hetze und für gute Löhne. Bei der Umverteilung geht es etwa um einen Energiehärtefallfonds, bei bezahlbaren Mieten um die Schaffung von mehr sozialem Wohnraum, in der Mobilität um Bus und Bahn zum Nulltarif und in der Bildung um gebührenfreie Kitas. „Im Wahlprogramm stehen keine Versprechen“, sagt Mehler-Würzbach. „Wir machen Perspektiven auf, wie die Stadt anders funktionieren könnte, wenn man den politischen Willen dafür hätte.“ Dafür gebe es Spielräume in Haushalt und bei den Ressourcen. Es könne auch etwa eine höhere Gewerbesteuer eingeführt werden. „Eine Oberbürgermeisterin kann nicht verändern, aber sie kann sich einsetzen.“ Und das wolle sie tun.

Für Mehler-Würzbach ist die Kandidatur „kein Selbstzweck“. Sie will „Sprachrohr für alle sein, die von der Römerpolitik der vergangenen Jahre enttäuscht und vergessen wurden“. Das will sie auch mit ihrer Parole „Weil die Stadt euch gehört“ auf den Wahlplakaten klarmachen. „Frankfurt gehört allen“, sagt die 38-jährige Politikwissenschaftlerin. Nicht nur denjenigen, die Geld haben. Die Linke habe klare Visionen und einen klaren Kompass für die Zukunft. „Eine Zukunft, die mehr Frankfurterinnen und Frankfurtern Teilhabe ermöglicht.“

Die Wahlplakate sind fertig, der Werbespot auch, es soll eine Wahlkampftour durch die Stadtteile über Insta-Lives und linke Bar-Abende geben. Und natürlich Straßenwahlkampf. Zu den Menschen gehen und ihnen zuhören will Mehler-Würzbach. Um dann Themen voranzubringen. Es gehe darum, „konkrete Probleme der Frankfurterinnen und Frankfurter anzusprechen und aufs Tapet zu bringen“, sagt sie. Nicht um Leuchtturmprojekte, die in weiter Ferne seien. „Über Fahrpreise müssen wir noch einmal reden. Über funktionsfähige Behörden.“ Die funktionieren ihrer Meinung nach nicht, weil es an Personal fehlt. „Es geht um konkretes Anpacken“, sagt Mehler-Würzbach.

Dass die Linke die nächste Oberbürgermeisterin stellt, darüber „machen wir uns keine Illusionen, aber wir wollen da sein und als alternative Wahloption in Erscheinung treten“, sagt Kreisvorsitzende Martina van Holst. „Und natürlich hoffen wir auf ein gutes Ergebnis.“ Sollte nun aber Mehler-Würzbach nicht in die Stichwahl einziehen, ist noch unklar, ob die Linke dann eine Wahlempfehlung abgeben wird. „Das wird von der Konstellation abhängen“, sagt Mehler-Würzbach. Eine Prozentzahl für das eigene Abschneiden hat sie sich nicht gesetzt. Aber einen persönlichen Ansporn hat sie: „Besser Abschneiden als FDP-Kandidat Yanki Pürsün.“ Und dann ist auch Schluss, sie muss ja noch in den Fechenheimer Wald.

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