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Frankfurt 14.12.21 Historisches Museum Frankfurt, Rundgang mit Kuratorinnen für sechsteilige Serie mit Objekten aus den Ausstellungen „Frankfurt und der NS“
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Frankfurt 14.12.21 Historisches Museum Frankfurt, Rundgang mit Kuratorinnen für sechsteilige Serie mit Objekten aus den Ausstellungen „Frankfurt und der NS“

Frankfurt

NS-Anhängerin der ersten Stunde

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Frankfurt im Nationalsozialismus Die Personalakte einer Mitläuferin aus der Stadtverwaltung

Gleich drei Ausstellungen befassen sich im Historischen Museum mit der Zeit des Nationalsozialismus in Frankfurt. Die FR stellt in einer Serie einige Exponate vor, die dort zu sehen sind. Heute: die Personalakte von Maria Engelhardt, einer glühenden Anhängerin Adolf Hitlers, die in der Stadtverwaltung arbeitete.

Die Reproduktion einer Personalakte hängt für jeden einsehbar in der Ausstellung „Eine Stadt macht mit“ im Historischen Museum. Jene gehörte Maria Engelhardt. Die begeisterte Anhängerin des Nationalsozialismus war in der Stadtverwaltung zunächst als Schreibkraft tätig, nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 machte sie Karriere. Ursprünglich als Assistentin eingestellt, wurde sie Sekretärin und dann zur Inspektorin und Oberinspektorin befördert. „1948 wurde Engelhardt von der Spruchkammer als Mitläuferin eingestuft“, sagt Anne Gemeinhardt, eine der Kuratorinnen.

Engelhardt entstammte einer nationalpatriotischen Familie und bekannte sich früh zu den Nationalsozialisten; 1928, also noch in der Weimarer Republik, trat sie in die NSDAP ein. „Zu einer Zeit, als es den Angestellten der Stadtverwaltung noch verboten war, NSDAP-Mitglieder zu sein“, sagt Gemeinhardt

Engelhardt war eine glühende Verehrerin Hitlers. Nach seinem gescheiterten Putschversuch am 9. November 1923 sammelte sie Unterschriften für seine frühe Haftentlassung und las mit Begeisterung sein Manifest „Mein Kampf“. Heimlich tippte sie an ihrem Arbeitsplatz SA-Befehle ab, sie machte Wahlwerbung während ihrer Arbeitszeit und verwandelte, wie sie es selbst sagte, ihre Dienststelle in „eine nationalsozialistische Hochburg“.

Wegen ihrer früheren Verbundenheit mit den Nationalsozialisten hatte sie als „alte Kämpferin“ Verbindungen zur Parteielite. So pflegte sie Kontakte zu Jakob Sprenger, dem Reichsstatthalter von Hessen und Gauleiter von Hessen-Nassau, sowie zu Joseph Kremmer, dem zweiten Frankfurter Bürgermeister, und engagierte sich in vornehmlich karitativen NS-Organisationen, teilweise in Führungspositionen.

Nach dem Krieg gab sie zu ihrer Verteidigung an, sie sei nur aus sozialem Idealismus in die NSDAP eingetreten, auch habe sie nie jemanden denunziert und sei letztlich unpolitisch gewesen. Obwohl sie als bloße Mitläuferin eingestuft wurde, wurde sie auf Befehl der Militärregierung aus den städtischen Diensten entlassen. Engelhardt, so Kuratorin Gemeinhardt, sei ein Beispiel dafür, dass die Kleinen bestraft wurden, die Großen aber oft weitermachen konnten, als wäre nichts geschehen. Ein Beispiel ist Eva Justin, eine berüchtigte Rasseforscherin. Sie arbeitete in Jugendkonzentrationslagern und war am Genozid an den Roma beteiligt. Auch nach 1948 war sie noch im Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt tätig. Bis 1962 begutachtete sie für die Stadt sogenannte Zigeuner.

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