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Notunterkünfte für Geflüchtete: Große Hitze in den Sporthallen

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Von: Timur Tinç

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Nix wie raus, in den Räumen der Sporthalle ist es zu heiß.
Nix wie raus, in den Räumen der Sporthalle ist es zu heiß. © christoph boeckheler*

Die Stadt Frankfurt sucht nach Alternativen und prüft verschiedenste Gebäude und Flächen. Sozialdezernentin Elke Voitl setzt große Hoffnungen auf das Juridicum ab Anfang des Jahres. 3400 Ukrainerinnen und Ukrainer sind derweil bereits beim Jobcenter registriert.

Frankfurts Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) ist in diesen Tagen besonders besorgt wegen der Geflüchteten aus der Ukraine. Vor allem wegen denen, die in zwei Sporthallen untergebracht sind. „Die werden sehr heiß“, sagt die Stadträtin. Von Geflüchteten ist zu hören, dass sie sich deshalb lieber draußen als drinnen aufhalten. Nachts sei es in Ordnung, heißt es. Aber tagsüber sei es unerträglich – vor allem für Kinder und ältere Menschen.

Schon vor Wochen war laut Voitl ein Team von Expert:innen in den betroffenen Hallen, um zu prüfen, ob die Einrichtung von Klimaanlagen möglich sei. Diese seien jedoch zu laut, und durch die Kabinenwände gäbe es keinen Luftstrom. „Wir müssten also die ganze Halle umbauen“, sagt Voitl. Und das rentiere sich nicht.

Voitl: „Wir prüfen alles“

Den Geflüchteten wird nun angeboten, in anderen Hallen unterzukommen, die gemauert und daher kühler sind. „Wir haben aber noch keine Freiwilligen gefunden“, berichtet Voitl. Um Abhilfe gegen die Hitze zu schaffen, sind in einer Halle zumindest in zwei Räumen mobile Klimaanlagen aufgestellt worden, einer für Kinder, einer für Erwachsene. Zudem werden nachts unter Aufsicht der Security alle Türen aufgemacht, um zu lüften. „Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich die Sporthallen zu schließen“, sagt die Grünen-Politikerin.

Ihr Dezernat ist nun auf der Suche nach einer Alternative. „Wir prüfen alles“, sagt Voitl. Was gelingen werde, sei die Nutzung des Juridicums auf dem Uni-Campus Bockenheim. Bis Anfang nächsten Jahres werde das Gebäude noch von der Goethe-Universität genutzt. „Wir fangen aber jetzt schon mit den Planungen an, damit wir zügig umziehen können“, sagt Voitl.

Weitere 50 Gebäude und Flächen seien derzeit in der Prüfung. 98 Prozent würden sich aber aus vielfältigen Gründen zerschlagen. Mal sei es der Brandschutz, mal sei es nicht möglich, Gemeinschaftsküchen oder Sanitäranlagen einzurichten. „Es ist nur wirtschaftlich, wenn wir fünf Jahre bleiben können“, betont Voitl.

Rund 9800 Menschen sind derzeit in Frankfurt in rund 120 Notunterkünften untergebracht, darunter etwa 3600 Wohnungslose. Wie viele Geflüchtete aus der Ukraine sich derzeit in der Stadt aufhalten, lässt sich schwer beziffern. Zum einen gibt es Menschen, die privat untergekommen sind und sich nie bei der Stadt gemeldet haben. Dann gibt es wiederum Menschen, die im Umland wohnen, sich aber in Frankfurt registriert haben. Andere sind schon längst wieder umgezogen.

Am Frankfurter Hauptbahnhof kommen derzeit täglich noch rund 850 aus der Ukraine Geflüchtete an und werden von der Bahnhofsmission betreut. „Nur die allerwenigsten davon bleiben“, sagt Voitl. In zwei Hallen in der näheren Umgebung gibt es die Möglichkeit zur Übernachtung. Das werde täglich von einer zweistelligen Zahl Menschen genutzt, ehe sie dann weiterreisen. „Da wir kein Erstaufnahmezentrum mehr haben, müssen die Leute, die hier bleiben wollen, die Schleife über Gießen gehen und werden in andere Kommunen vermittelt“, erklärt Voitl.

Rund 8000 Menschen beziehen derzeit Hilfe vom Frankfurter Jugend- und Sozialamt. Knapp 3400 Ukrainer:innen sind beim Jobcenter Frankfurt registriert. Seit dem 1. Juni haben die Geflüchteten Anspruch auf Grundsicherung. 1863 bekommen diese Leistungen bereits. Den anderen fehlt noch eine sogenannte Fiktionsbescheinigung, die die Ausländerbehörde ausstellt. Damit weisen die Geflüchteten nach, dass sie ein Aufenthaltsrecht in Deutschland haben.

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