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Nico Wehnemann kandidierte auch bei der OB-Wahl.

Feindesliste Rechtsextremer

„Die Polizei muss mich informieren, wenn ich in Gefahr bin“ 

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Der Stadtverordnete Nico Wehnemann spricht im FR-Interview über die Feindesliste der Rechtsextremen.

Rund 25 000 Namen umfasst die im Internet abrufbare Liste, auf der Rechtsextreme ihre politischen Gegner aufführen. Darauf steht auch Nico Wehnemann, Stadtverordneter der Partei „Die Partei“.

Herr Wehnemann, wie haben Sie erfahren, dass auch Ihr Name auf der Liste steht, die Rechtsextreme ins Netz gestellt haben?
Ich habe aus der Presse davon erfahren. Das hat mich wirklich schockiert. Es kann doch nicht sein, dass ich von Journalisten hören muss, dass ich von Nazis bedroht werde. Wofür ist denn die Polizei zuständig?

Was genau hätten Sie von der Polizei erwartet?
Die Polizei kann ja wohl zumindest genauso recherchieren, wie es Journalisten tun. Zum einen hätte sie dann dafür sorgen müssen, dass die Liste nicht weiterhin öffentlich einsehbar im Netz kursiert. Und zum anderen hätte sie die Menschen, die auf der Liste stehen, natürlich benachrichtigen und warnen müssen.

Lesen Sie hier den Kommentar zum staatlichen Umgang mit der „Nordkreuz“-Liste

So ähnlich haben Sie sich ja auch auf Twitter geäußert.
Ja, und wirklich kurios war die Antwort der Polizei. Ich zitiere: „Wir nehmen natürlich Kontakt zu Herrn Wehnemann auf, wenn er sich mit einer solchen Anfrage an die Polizei wendet.“ Was soll das heißen, bitteschön? Soll ich jetzt alle vier Wochen bei der Polizei anrufen und nachfragen, ob ich auf irgendwelchen Nazi-Listen stehe? Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Polizei muss mich informieren, wenn ich in Gefahr bin.

Nico Wehnemann ist Politiker der Partei „Die Partei“, die sich vor 15 Jahren im Umfeld der Satirezeitschrift „Titanic“ gründete und mittlerweile im Europaparlament vertreten ist. Seit 2016 gehört Wehnemann dem Frankfurter Stadtparlament an. Bereits in seiner ersten Sitzung handelte sich der 36-Jährige Ärger mit Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) ein, weil er einen Aktenkoffer mit einem Aufkleber „FCK AFD“ auf den Tisch stellte. geo

Haben Sie Angst?
Zumindest verstecke ich mich nicht. Ich habe kein Problem damit, dass mein Name im Zusammenhang mit der Liste in der Zeitung steht, und ich gebe Ihnen dieses Interview. Meine Angehörigen haben tatsächlich Angst um mich, und ich selbst bin natürlich umsichtiger geworden. Ich habe ja keine Ahnung, wer alles diese Liste hat, und es gibt wahrlich genügend Verrückte auf der Welt. Deshalb überlege ich mir schon, ob mein Name auf der Klingel stehen sollte. Und ich halte mich derzeit auch nicht in Frankfurt auf.

Sind Sie wegen der Veröffentlichung der Liste weggefahren?
Ja. Das habe ich auch vor zwei Jahren nach der Buchmesse so gemacht. Damals habe ich gegen rechte Verlage demonstriert und wurde tätlich angegangen. Danach bekam ich jede Menge Morddrohungen. Irgendwann wurde mir das einfach alles zu viel. Da habe ich dann Frankfurt lieber für ein paar Tage verlassen.

Meinen Sie, Sie sind durch Ihren Protest auf der Buchmesse in den Fokus der Rechtsextremen geraten?
Nein, die hatten mich schon vorher im Visier. Ich habe ja mit der „Partei“ schon gegen die Pegida-Auftritte in Frankfurt demonstriert und habe jede Woche Heidi Mund aufs Korn genommen, die hier ihre abstrusen Auftritte hatte. So etwas bleibt natürlich nicht unbemerkt. Ich kann aber nur sagen: Ich werde auch weiter gegen Rechtsextreme kämpfen – privat und als Politiker.

Interview: Georg Leppert

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