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Das Bürohochhaus an der Hungener Straße steht leer. Die Linke im Ortsbeirat möchte prüfen lassen, ob dort Wohnungen entstehen können. Foto: Renate Hoyer

Nordend

Nordend: Wohnen auf Gewerbefläche

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Die Zukunft des leerstehenden Hochhauses an der Hungener Straße ist weiter offen. Die Stadt führt Gespräche über eine temporäre Nutzung.

Das Hochhaus an der Hungener Straße 6 steht fast komplett leer. Die Briefkästen vor dem Gebäudekomplex zwischen Friedberger Landstraße und Günthersburgpark sind mit Klebeband verschlossen. Hinter der abgeschlossenen Glastüre und den Fenstern sind verwaiste Flure und Räume zu sehen. Doch wie die Liegenschaft künftig genutzt wird, kann der Eigentümer, die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau), nicht sagen.

Die gewerbliche Berufsgenossenschaft hatte in dem Gebäude ihre Verwaltung und ein Rechenzentrum untergebracht. Im 14. Stockwerk wurde mit Blick auf Hauptfriedhof und Günthersburgpark getagt. Teile waren vermietet, etwa an ein Reha-Zentrum, den Verein Biblische Nächstenliebe und einen Anbieter von Autotelefonen und Funkgeräten. Inzwischen hat lediglich ein Caterer noch seinen Sitz in dem Gebäudekomplex.

„Es ist richtig, dass der überwiegende Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr in der Hungener Straße 6 tätig ist“, bestätigt Christiane Witek von der Genossenschaft auf Anfrage. Auch die Mietverträge liefen aus. Der des Caterers Ende Januar. „Die Liegenschaft wird jedoch zumindest in der nächsten Zeit noch immer von der BG Bau genutzt. Unter anderem werden die Räumlichkeiten umzugsbedingt noch als Lagerflächen benötigt, und auch die Wohnungen unserer Hausmeister befinden sich weiterhin im Gebäude.“

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne sie keine konkreten Details nennen, so Witek, „da wir derzeit verschiedene Nutzungsoptionen prüfen. Eine finale Entscheidung haben wir hier noch nicht getroffen.“

Gerüchte im Stadtteil zufolge ist der Gebäudekomplex bereits verkauft oder soll abgerissen werden. Doch bislang liegt bei der Stadt weder ein Abiss- noch ein Bauantrag vor, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat. Es gebe jedoch Gespräche über eine temporäre Umnutzung von einer gewerblichen zu einer Wohnnutzung hin.

Im Stadtteil sorgt das verwaiste Hochhaus für Ärger. Nach Ansicht der Linken im Ortsbeirat 3 ist der Leerstand ein Skandal, wie es in einer Vorlage heißt, über die das Gremium in seiner Dezember-Sitzung berät. Vor allem, da die Stadt in unmittelbarer Nähe das neue Wohngebiet „Günthersburghöfe“ plane, „wo neue Wohnungen auf Kosten einer wichtigen Klimaschneise und eines artenreichen Grüngürtels entstehen sollen“. Auch ein Hochhaus mit 16 Stockwerken sei dort vorgesehen, schreibt die Linke: Für Bürger sei dies „ein Beispiel für eine groteske und zynische Stadtplanung“.

Die Linke möchte prüfen lassen, ob die Stadt das Hochhaus kaufen und dort Wohnungen einrichten kann. Das mache den Bau eines neuen Hochhauses überflüssig. Auch soll geklärt werden, ob das Neubaugebiet nicht nur auf bereits versiegelten Flächen an der Friedberger Landstraße entstehen könne. Dadurch würde der größte Teil der „Grünen Lunge“ verschont und die Kleingärten könnten bleiben.

Ähnlich sieht das Anwohner Peter Beckmann, der auch für die Bürgerinitiative Grüne Lunge aktiv ist: „Welchen Sinn macht es ein Hochhaus leerstehen zu lassen und die umliegenden Grünflächen zur Bebauung frei zu geben?“

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