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Im April hatte die CDU Frankfurt am Beltz-Platz an der Friedberger Landstraße Plakate mit sogenannten Wasserhäusje Reescheln aufgehängt.

Nordend

Zwickmühle Stühle

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Auf dem Matthias-Beltz-Platz sitzen die Besucher wieder länger als verträglich.

Es gibt wieder Ärger am Matthias-Beltz-Platz. Kioskbetreiber Felix Wegner kann abends die orangenen Stühle nicht einsammeln und wegsperren. Er bindet die Sitzmöbel an, das schon. Aber so lange, wie die Besucher dort hocken, ist er nicht da. Und vorher wollen sich die Leute auch nicht erheben. Er könne sie ja nicht runter schubsen, sagt Wegner.

Der Streit ums Sitzen hat dort eine gewisse Tradition. Die ehemals Kleiner Friedberger Platz benannte Fläche hat die Stadt 2014 umgestaltet und nach dem verstorbenen Kabarettisten Matthias Beltz benannt. Auch dank des Kiosks hat sich der Platz zu einem beliebten Treff entwickelt – zu dem sich die Besucher kurzerhand eigene Stühle mitgebracht haben, ist ja auch gemütlicher so.

Das nervt wiederum manche Anwohner, die sich über Lärm und Hinterlassenschaften der Besucher beklagen. Noch dazu hat das Ordnungsamt die mitgebrachten Möbel als Sperrmüll gewertet und zweimal abtransportiert. Mühsam haben Besucher, Nachbarn und Ortsbeirat darum einen Kompromiss ausgehandelt: Die Stadt schafft nach dem Vorbild Luisenplatz orangefarbene Stühle an, die der Kioskbetreiber abends wegräumt. So möglich.

Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) hat ihre Kollegen im Ortsbeirat 3 jüngst über die neue Entwicklung informiert. Die sind entsprechend alarmiert. „Zur Not müssen die Stühle eben wieder weg“, sagt Claudia Ehrhardt von der CDU. Der Ortsbeirat stehe bei den Anwohnern im Wort. Wenn abends die Stühle verschwinden, sei das ja auch als Signal an die Besucher gedacht gewesen: Jetzt fängt die Abendruhe an. „Es ist nicht sinnvoll, die Stühle so zu stellen, als wären sie rund um die Uhr zu benutzen.“

Preßmar für Ortsbeirats-Kommunikationsteam

Das sieht im Grunde das ganze Gremium so. Allerdings sagt Willi Preßmar von den Grünen, dass der Ortsbeirat nicht einfach radikal die Stühle wieder wegräumen soll. Für ihn ist Kommunikation der Schlüssel. „Der erste Schritt ist es jetzt, mit den jungen Leuten zu reden“, kündigt er an. Wer sich auf dem Platz aufhält, muss sich über die Konsequenzen seines Handelns bewusst werden. Heißt: Wenn es nicht zivilisiert zugeht und die Stühle die ganze Nacht als Partyunterlage dienen, dann wird die Stadt sie eben ganz entfernen. Aus gleichem Grund hat sie kürzlich die gesamten Bänke des Adlhochplatzes in Sachsenhausen abmontiert.

Preßmar möchte ein Ortsbeirats-Kommunikationsteam zusammenstellen. Jede Fraktion soll ein, zwei Leute abordnen und mit den Beltz-Platz-Besuchern sprechen. Am besten mehrere Male. „Da muss man am Ball bleiben.“ Auch die von Claudia Erhardt ersonnenen Aufkleber für die Stühle hält er für eine gute Idee. Als Hinweis, dass die Stühle nur bis 22 Uhr zu nutzen sind.

Aber diese Schritte müssen auch Wirkung zeigen, sagt Preßmar. Denn: „Die Anwohner beschweren sich zu recht.“ Die Friedberger sei ohnehin nicht sonderlich leise. Da brauche es nicht noch nächtlichen Partykrach. Klar sei aber auch: Die Stühle wegzuräumen löse nicht automatisch alle Probleme. „Dann bringen die Leute wieder Sperrmüll mit.“

Im März hat der Ortsbeirat bereits die Stadt aufgefordert, wenigstens ab und an auf dem Matthias-Beltz-Platz abends für Ruhe zu sorgen. Außerdem größere Mülltonnen aufzustellen, in die auch Pizzakartons reinpassen. Überdies ein Urinal.

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