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„ArtHair“ heißt der Friseursalon in der Eckenheimer Landstraße. Friseurin Uta schneidet einer Kundin die Haare.

Hintergrund

Waschen, schneiden, föhnen ...

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Beim Friseur geht es nicht nur um Haare, sondern auch um Kaffee und Hygiene.

Zwischen Küche, Waschbecken, Lager, Frisierstation und Rezeption huschen die acht Beschäftigten des Friseursalons ständig hin und her. Mal um einen Kaffee für die Kunden zu holen, mal um die passende Farbmischung zusammenzustellen. Im Eingangsbereich warten nicht nur die Kunden in der Sofaecke auf ihren Termin, sondern auch das häufig klingelnde Telefon. Ein ganz normaler Vormittag in einem Frankfurter Friseursalon mitten im Nordend.

„Es gibt schon viel zu tun, aber es kommt auf den Tag an“, erzählt Victoria. Vor neun Monaten hat sie ihre Ausbildung zur Friseurin begonnen. „Am stressigsten ist es am Freitag und am Samstag“, sagt sie. Von Montag bis Samstag ist der Salon geöffnet, an drei Tagen davon von 10 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Die Angestellten arbeiten im Schichtdienst. Mal von 10 bis 17 Uhr, mal von 11 bis 20 Uhr oder von 14 bis 22 Uhr. Einen festen Tag in der Woche haben sie frei.

Victoria räumt gerade benutzte Tassen der Kunden in die Spülmaschine ein, dann muss sie auch schon wieder Haare waschen. Sie geht mit einer Kundin zu einem der drei Waschbecken. Die Schwierigkeit bestehe darin, die Kundin nicht komplett zu duschen, sagt sie und lacht.

„Das geht schon ganz schön auf den Rücken“, erzählt Victoria danach. „Weil ich so groß bin, muss ich mich beim Waschen dann immer sehr zum Waschbecken herunterbeugen.“

Neben Victoria kümmern sich heute fünf Friseure und zwei Praktikanten um die Kunden. Damit die sich wohlfühlen, sind die Angestellten vielseitig gefordert. Noch bevor sie sich um die Haare ihrer Kunden kümmern, bringen sie ihnen einen Cappuccino oder Pfefferminztee, garniert mit einer kleinen Leckerei.

Im August 2018 wurden sie festgelegt, am 30. April 2019 rückwirkend für allgemeinverbindlich erklärt: Verdi Hessen und der Landesinnungsverband Friseurhandwerk Hessen haben sich auf neue Entgelttarifverträge für Auszubildende und Beschäftigte im Friseurhandwerk geeinigt.

Demnach erhalten ungelernte Kräfte seit diesem Jahr einen Stundenlohn von 9,72 Euro, vor der Einigung 8,84 Euro (Mindestlohn), ausgelernte Friseurinnen und Friseure 11,22 Euro, davor 9,26 Euro, Meisterinnen und Meister erhalten 15,22 Euro, davor 12,74 Euro.

„Was haben Sie am Wochenende gemacht?“ Auch gute Unterhaltung gehört zum Service. „Und wie war das Wetter in München?“ Dabei müssen sich die Friseure auf jeden Kunden neu einstellen. „Vor allem am Anfang ist das oft schwierig, weil ich die Kunden noch nicht richtig einschätzen kann – und trotzdem ihre Haare zu ihrer Zufriedenheit schneiden soll“, erzählt ein Friseur. „Wie geht es Ihnen denn heute?“ Selbst wenn die Kunden von ihren Problemen erzählen, versuchen die Friseure, für gute Stimmung zu sorgen. Auch untereinander motivieren sich die Kollegen mit Sätzen wie „Du bist der Burner, Schätzchen“ für ihre Arbeit. „Manche Kunden sind schon anstrengend, aber das muss ich dann so hinnehmen“, sagt Victoria.

„Friseur ist Vertrauenssache“, sagt eine Kundin. Schon seit vielen Jahren kommt sie hierher. Wie die meisten Kunden tut sie das vor allem, weil der Salon so nah an ihrer Wohnung liegt – und sie seither gute Erfahrungen gemacht hat. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt“, sagt eine andere Kundin. Sie möchte sich nur schnell ihren Pony kürzen lassen - zu Hause wartet ihr kleines Kind. Einmal Waschen, Schneiden, Föhnen mit Styling kosten hier etwa 50 Euro.

Eine der Friseurinnen erzählt, dass sie sich nach 40 Jahren in diesem Beruf darauf freue, bald in Rente gehen zu können. Denn auch der Friseurberuf werde immer hektischer. „Du musst, du musst, du musst ...“. Dann klingelt auch schon wieder das Telefon. Ein Kunde will einen Termin vereinbaren.

Wenn nicht gerade das Telefon klingelt, brummt ein Fön oder ein Wecker piepst und erinnert daran, dass die Farbe aus dem Haar der Kundin gewaschen werden muss. Außerdem wird ständig geredet: am Telefon oder am Tisch, um die Kunden zu beraten oder zu unterhalten. Um mal kurz fünf Minuten durchzuatmen, steht den Angestellten ein kleines Hinterzimmer mit Küchenzeile zur Verfügung.

„Durch das viele Reden kann ich manchmal gar nicht gut schlafen“, erzählt Friseurin Miriam. „Aber es ist ein schöner und kreativer Beruf“, sagt sie.

Nur die Verdienstaussichten sind nicht ganz so rosig. Angesprochen auf ihr Gehalt antwortet Victoria, die sonst immer mit Begeisterung von ihrer Arbeit spricht, zurückhaltend. Gerade einmal 450 Euro im Monat verdiene sie derzeit im ersten Jahr ihrer Ausbildung. Und auch danach sieht es nicht viel besser aus: Mit dem neuen Tarifvertrag bekäme Victoria als Einstiegsgehalt etwa 1700 Euro pro Monat. Sie hofft, dass sie später auch mal mehr verdienen wird - entsprechend ihrer Leistung. Teure Haarverdichtungen beispielsweise bringen viel Geld.

„Das ist nicht einfach, gerade für Kunsthaar muss man lange üben“, berichtet Victorias Kollege. Denn die einzelnen Haarersatzteile kosteten je nach Qualität zwischen 400 und 1000 Euro, da dürfe man sich keine Fehler erlauben. Daher brauche man für den Beruf vor allem Mut. Auch an diesem Tag wünscht eine Kundin eine Haarverdichtung. „Es gibt eine Zeitvorgabe, aber die ist individuell unterschiedlich, also eigentlich unbegrenzt.“

Und auch wenn die Frisur sitzt, ist die Arbeit nicht getan. Victoria öffnet eine Schublade voller Bürsten. Aus jeder einzelnen davon muss sie die Haare herauslesen. Denn Sauberkeit und Hygiene seien sehr wichtig. Um den Überblick zu behalten, gibt es eine Checkliste mit den täglichen Aufgaben: das Lager auf Vollständigkeit prüfen, Handtücher waschen, Regale auffüllen, Kaffeemaschine säubern, Rezeption aufräumen. „Mir macht eigentlich alles sehr viel Spaß, außer dem Aufräumen und Putzen“, sagt Victoria. Die Stelle zu finden, war einfach: Nach dem ersten Probearbeiten wurde sie sofort als Auszubildende eingestellt.

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