Frankfurt

Cafe Wacker verlässt das Frankfurter Nordend

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Sanierungsbedarf und eine sehr hohe Miete bedeuten das Aus für das Café Wacker am Mittelweg. 

Es ist ein fester Bestandteil der Frankfurter Café-Kultur und aus der Stadt nicht wegzudenken: das Café Wacker im Nordend. Seit einem Vierteljahrhundert führt die Frankfurter Kaffee-Dynastie Zülch die Dependance im Haus Mittelweg 47. Doch jetzt hat die Familie entschieden, sich dort zurückzuziehen. Nach derzeitigem Stand wird die Wacker-Filiale Ende des Jahres geschlossen.

„Wir haben uns diesen Entschluss nicht leicht gemacht“, sagt Angelika Zülch-Busold, die mit ihrem Bruder das gesamte Unternehmen führt. Zum Hintergrund gehört, dass es in langen Verhandlungen mit dem Hausbesitzer keine Einigung über die Zukunft des Cafés gegeben haben soll. Nach 24 Jahren Betrieb ist der Treffpunkt im Nordend mit seiner charakteristischen dunklen Holztäfelung und der prachtvoll verzierten Theke nämlich durchaus renovierungsbedürftig.

Das Ziel der Familie war, dass sich der Hauseigner an den Sanierungskosten beteiligt. Doch eine Übereinkunft war auch in zahlreichen Gesprächen nicht zu erzielen.

Dazu kam, dass die Miete für die Räume am Mittelweg weiter steigen soll. Das entspricht dem Trend im Nordend: Überall sind rasante Mietsteigerungen für Gewerberäume zu beobachten, nicht nur für Wohnungen.

Aber auch in anderer Hinsicht hat sich das wirtschaftliche Umfeld im Nordend verändert. „Es sind in den letzten Jahren viele neue Cafés in der Umgebung entstanden“, sagt Angelika Zülch-Busold. Es ist also eine neue zusätzliche Konkurrenz für das Traditionshaus gewachsen. Auch die Familie Zülch selbst hatte vor einigen Jahren eine weitere Filiale im Haus Grüneburgweg 29 eröffnet, die allerdings nur recht klein ist.

Beim Stammpublikum hat die Nachricht, dass es das Café Wacker am Mittelweg bald nicht mehr geben soll, große Betroffenheit ausgelöst. Viele, die sich hier seit Jahren immer wieder treffen, schätzen die Ruhe und relative Zurückgezogenheit.

Im Gastraum, aber auch im Garten draußen lässt sich bei einem Tee oder einer Latte Macchiato die Zeitung oder gar ein Buch lesen. Das heißt: Gerade die Atmosphäre ist die Besonderheit dieses Cafés, das Gefühl, das sich inmitten des hektischen Getriebes der Stadt hier eine Oase eröffnet.

Für die Pessimisten unter den Stammgästen versucht Angelika Zülch-Busold eine Perspektive zu eröffnen. Eine Mitarbeiterin von Wacker interessiere sich dafür, sich selbstständig zu machen und in den Räumen am Mittelweg auch in Zukunft ein Café weiterzuführen. Dann natürlich unter einem anderen Namen und mit anderem Personal.

Ob es dazu kommt und ob eine Einigung mit dem Hausbesitzer gelingt, müsste allerdings erst in weiteren Gesprächen geklärt werden.

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