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Wirt Ralph Göllner in seiner Kneipe Zappbar.

Beispielfall

„Das ist Verleumdung“

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Wirt Ralph Göllner wehrt sich gegen seine Bewertung und stellt Anzeige gegen einen Mann.

Eigentlich gebe ich nicht viel auf Bewertungen im Netz. Mir ist egal, wenn Leute schreiben ‚blöder Wirt, blöde Kneipe‘, aber mich als homophob und ausländerfeindlich zu bezeichnen, das geht einfach zu weit. Das ist Verleumdung“, sagt Zappbar-Wirt Ralph Göllner. Er ist immer noch wütend. Der 64-Jährige und seine Kneipe im Frankfurter Nordend waren in den vergangenen Wochen medial sehr präsent. Denn er hatte ein „Kopfgeld“ von 250 Euro ausgesetzt, um den Verfasser folgender Rezension auf dem Google-Portal zu finden. „Homophob, leicht rechte Bar, ausländerfeindlich“ war da zu lesen. Dabei ist die Kneipe ansonsten top bewertet. Von fünf möglichen Sternen hat Göllners Raucherkneipe 4,7 Sterne.

„Kopfgeld ist legitim; ich habe nicht dazu aufgerufen, eine Straftat zu begehen. Es war nur ein anderes Wort für Belohnung, denn beim Wort Belohnung hätte niemand reagiert“, sagt Göllner. Am Ende brauchte er kein Kopfgeld auszahlen, sondern ein Bier zur Belohnung reichte vollkommen: „Ein alter Schulkamerad hat über eine Suchmaschine rausgefunden, wer mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Verfasser war. Ich habe Namen, Bild und Arbeitgeber.“ Hinter Verfasser „Lou Kel“ stecke laut Göllner vermutlich ein einmaliger Gast, der maximal zwei Minuten in seiner Kneipe gewesen sei.

„An dem Abend waren wir voll. Und so mussten wir ihn und seine Gruppe bitten, zu gehen.“ Göllners Tochter habe ihn auf dem Foto wiedererkannt. Mittlerweile sei der Eintrag gelöscht. „Vermutlich von Verfasser selbst. Google hat nie auf meine Beschwerde reagiert“, so Göllner.

Auch auf FR-Anfrage zu dem Fall gab es keine Antwort eines Google-Sprechers. Gegenüber der „FAZ“ hatte ein Sprecher des Unternehmens gesagt: „Alle Bewertungen, die gegen unsere Nutzungsbedingungen verstoßen, werden schnell entfernt.“ Dazu gehörten unter anderem Beleidigungen, gefälschte Rezensionen, persönliche Angriffe und eben auch Verleumdung. Göllner hatte dann über das Google-Portal den Bewerter aufgerufen, sich bei ihm zu melden. „Hätte sich der Herr bei mir persönlich entschuldigt, hätte ich vielleicht von der Anzeige abgesehen. Aber so bekommt er jetzt die Konsequenzen zu spüren“, sagt Göllner.

Er habe nun eine Anzeige wegen Verleumdung gegen den mutmaßlichen Täter gestellt. Göllner spürt selbst noch die Nachwirkungen, obwohl der Eintrag eben mittlerweile gelöscht ist.

In Göllners Kneipen-Briefkasten lag vor kurzem „Nazi-Propaganda“. „Das ist eine absolute Unverschämtheit. Ich bin kein Nazi.“ Aber es gab auch viele erfreuliche Reaktionen. „Viele Gäste haben mir so rührende, lobende Worte auf Google geschrieben, dass ich fast geweint hätte.“ Und wenn es auch Kritiken wegen des „Kopfgeldes“ gab, seien die meisten neuen Einträge eben sehr positiv. Eine Frau schreibt etwa, sie komme seit zehn Jahren in die Zappbar. Die Kneipe sei „urig, gemütlich“ und habe immer „ein durchmischtes Publikum jeden Alters“.

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