Am Eingang zum Abenteuerspielplatz Günthersburg hatten Arbeiter vor kurzem ein tiefes Loch gegraben – inzwischen ist es wieder zugeschüttet.

Wohngebiet „Günthersburghöfe“

Unterstützung für Frankfurter Umwelt-Aktivisten

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Der Ortsbeirat 3 stellt sich hinter die Proteste der Bürgerinitiative „Grüne Lunge“. Die Stadt soll künftig frühzeitiger und umfassender informieren, fordert das Gremium.

Der Ortsbeirat 3 hat der Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ seine Unterstützung signalisiert. Das fürs Nordend zuständige Stadtteilgremium ermutigte die Umwelt-Aktivisten, weiterhin gegen die Bohrungen zum geplanten Wohngebiet „Günthersburghöfe“ zu demonstrieren und forderte die Stadt zu einer besseren Kommunikation der Maßnahmen auf. „Ziviler Protest“ sei „wesentlicher Teil einer Demokratie“, heißt es im mehrheitlich beschlossenen Antrag von Ökolinx. „Protest zeigen ist erlaubt“, sagte auch SPD-Fraktionschef Rüdiger Koch.

Am 7. Januar haben private Firmen im sogenannten Innovationsquartier, wo auf 16 Hektar rund 1500 Wohnungen entstehen sollen, im Auftrag der Stadt mit Probebohrungen begonnen, um die Beschaffenheit des Bodens zu überprüfen. Die Grüne Lunge kritisierte alsbald, die Arbeiter würden sehr rabiat vorgehen. Katharina Bornscheuer von der BI klagte im Ortsbeirat, die Arbeiten würden „mit brachialer Gewalt ausgeführt“. Es würden Schneisen geschlagen, Bäume „niedergemetzelt“, Gartenzäune mit Seitenschneidern durchtrennt und aus ihren Betonfundamenten herausgerissen. Für Diskussionen sorgte auch ein tiefes Loch direkt neben dem Eingang zum Abenteuerspielplatz Günthersburg, das mittlerweile wieder zugeschüttet ist. Der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald betonte, im Vorfeld nichts von der Grube gewusst zu haben.

Andrea Kroll (Grüne) hat sich die Arbeiten vor Ort angesehen. Sie sei „entsetzt“ gewesen, berichtete sie. Das schwere Bohrwerkzeug verglich sie mit einem „Bulldozer, der seine Spuren hinterlässt“. Mitglieder der BI und Anwohner seien „höchst aufgeregt herumgelaufen“ erzählte Kroll, „sie wussten gar nicht, was passiert“. Nur die Grundstückseigentümer seien informiert worden, die Pächter städtischer Grundstücke „wussten von nichts“.

Daher fordert der Ortsbeirat nun für die Zukunft eine „frühzeitige und umfassende Kommunikation zu allen geplanten Maßnahmen“. Die Stadt solle nicht nur die Grundstückseigentümer informieren, sondern auch Pächter und die BI. Die bisherige Kommunikation sei „sehr grenzwertig“ gewesen, bemängelte Manfred Zieran (Ökolinx). „Aber so kennen wir ja die Informationspolitik der Stadt.“

In ihrer öffentlichen Facebook-Gruppe „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ dokumentieren Mitglieder der BI mithilfe von Fotos die Bohrvorgänge. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hatte das am vergangenen Montag im Planungsausschuss verurteilt („Das geht gar nicht“). Hans-Joachim Habermann (Die Linke) konterte, es sei „lächerlich und dumm“ zu unterstellen, dass die BI damit Straftaten begehe. „Das ist kein Dialog, sondern Einschüchterung.“

Zieran sagte, es sei „Konsens“ bei der BI, keine Gesichter von Arbeitern zu veröffentlichen. Tatsächlich finden sich in der Facebook-Gruppe nur Bilder von Personen, die von hinten fotografiert wurden. Trotzdem hätten Arbeiter Mitglieder der BI körperlich bedroht und Klagen angekündigt. Der Ortsbeirat forderte den Magistrat und die Baufirmen in seinem Antrag auf, beides zu unterlassen. Es sei „unglaublich, mit welcher Härte Stadt und Bohrfirma vorgehen“, so Zieran.

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