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Treppen ohne Haus

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Von: Matthias Bittner

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Der Treppenhausturm an der Friedberger Landstraße musste aus Beton gegossen werden, später entsteht das Wohnhaus aus Holz.
Der Treppenhausturm an der Friedberger Landstraße musste aus Beton gegossen werden, später entsteht das Wohnhaus aus Holz. © Enrico Sauda

Ein Wohnprojekt im Frankfurter Nordend ist wegen Lieferschwierigkeiten in Verzug.

Ein Treppenhausturm steht im Nordend“ könnte das Kinderlied „Ein Männlein steht im Walde“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben spontan umgedichtet werden, wenn man die Baustelle in der Friedberger Landstraße sieht. Was auf den ersten Blick doch etwas verwirrt, ergibt aber Sinn. „Erst musste der Turm aus Beton gegossen werden, danach kann das Gebäude aus Holzelementen drum herum gebaut werden“, sagt Cora Lehnert vom Vorstand der Wohnbaugenossenschaft in Frankfurt am Main (WBG) und zuständig für Bauprojekte.

Allerdings sind die Arbeiten in Verzug, seit drei Monaten ruht die Baustelle. Verantwortlich seien die derzeit wegen der Corona-Pandemie weltweit spürbaren Lieferschwierigkeiten und Engpässe bei Baumaterialien – in diesem speziellen Fall geht es um Holz. Aber auch Genehmigungen hätten länger gedauert, weil Mitarbeiter der Ämter im Homeoffice säßen. Gute drei Monate sei der Bau in Verzug, sagt Lehnert. So lange stehe der Treppenhausturm deshalb nun schon alleine auf weiter Flur herum. Dass sich viele fragen, was das soll, kann sie gut verstehen.

Lehnert ist aber optimistisch, dass die Bauarbeiten demnächst zügig vorangehen und das Gebäude bis Ende 2022 dann bezugsfertig ist. Das vierstöckige Haus wird quasi in Fertigbauweise errichtet. Wandelemente samt Fenster und Elektroinstallation oder gekachelte Bäder werden fertig angeliefert und auf der Baustelle zusammengefügt. „Die Planung dauert zwar länger, aber der Bau an sich geht dafür viel schneller“, sagt Lehnert.

Erste Gespräche für das Projekt wurden 2017 geführt. Die Wohngruppe „Gemeinsam Suffizient Leben“ hatte bei der WBG angefragt, ob sie auf dem Grundstück des Liegenschaftsfonds der Stadt in der Nähe des Bethmann Parks ein Gebäude für gemeinschaftliches Wohnen bauen kann. Das Grundstück wurde über den Frankfurter Liegenschaftsfonds im Konzeptverfahren vergeben. Die Wohngruppe besteht aus zwölf Erwachsenen und acht Kindern. Die WBG ist Bauträger und Eigentümer des vierstöckigen Gebäudes, die Mitglieder der Wohngruppe erwerben Anteile an der Genossenschaft und mieten die insgesamt neun Wohnungen an. Das Projekt hat im Rahmen des Hessischen Preises für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau einen 1. Preis in der Kategorie „Konzepte“ gewinnen können.

„Gemeinsam Suffizient Leben“ will mit dem Projekt einen Ort für Begegnung und soziales Zusammenleben schaffen. Individuelle Entfaltungsmöglichkeiten und die Förderung einer gemeinschaftlichen Lebensform sollen sich ergänzen. Gemeinsame genutzte Flächen wie Wohnküche und Gemeinschaftsbalkone, eine Kinderbetreuung im Erdgeschoss, ein Spielplatz im Hof, ein Stützpunkt für Car-Sharing und E-Mobilität mit integrierten Ladestationen machen das Projekt für das gesamte Quartier wertvoll. Eine gemeinsame Waschküche im Keller spart Raum in den Wohnungen und verringert die Kosten für den Einzelnen.

Die Betreuungsräume im Erdgeschoss sind laut Lehnert für eine Einrichtung von Tagesmüttern oder Ähnliches vorgesehen. „Wir vermieten die Räume und suchen noch Interessenten“, ermutigt sie zu Bewerbungen.

Angesichts der Lage an einer der Hauptverkehrsstraßen Frankfurts hat Lärmschutz eine große Rolle gespielt, Schallschutzfenster sind da natürlich Pflicht. Der größere Aufwand mache das Bauen natürlich teurer, sagt Lehnert. Wie viel das Gesamtprojekt kostet, will sie allerdings nicht verraten.

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