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Streit um Bäumfällung an der Adlyerflychtstraße

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Auf dem Grundstück der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte in der Adlerflychtstraße im Nordend soll ein Neubau entstehen. Dafür muss der alte Baumbestand entfernt werden.
Auf dem Grundstück der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte in der Adlerflychtstraße im Nordend soll ein Neubau entstehen. Dafür muss der alte Baumbestand entfernt werden. © Renate Hoyer

Die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte plant auf ihrem Grundstück an der Adlyerflychtstraße einen Neubau mit 20 Mietwohnungen. Das gefällt weder dem Ortsbeirat noch der Nachbarschaft. Auf dem brachliegenden Grundstück stehen rund 100 Jahre alte Bäume.

Die Tage der vier Bäume auf dem Grundstück der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte in der Adlerflychtstraße sind gezählt. In den kommenden Tagen wird die Untere Naturschutzbehörde eine Fällgenehmigung erteilen, sagt deren Leiter Volker Rothenburger auf Anfrage. Derzeit liefe noch ein Widerspruchsverfahren, da die Behörde die Fällung zunächst nicht gestattet hat, es aber inzwischen eine Baugenehmigung gibt. Die Stiftung will auf ihrem Grundstück im Nordend einen Neubau mit 20 Mietwohnungen errichten. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirat 3 (Nordend) hatte das Projekt für Diskussionen gesorgt.

Die Fläche, die bebaut werden soll, sei ein „wunderbarer grüner Hof“, der nicht kaputt gemacht werden dürfe, kritisierte Stadtbezirksvorsteher Willi Preßmar. Dort ein Wohnhaus errichten zu wollen sei „unglaublich“, „das ist absolut der falsche Ort“. Preßmar forderte, dass mehr öffentlicher Druck gemacht werden müsse, „um doch noch eine Änderung der Bebauung zu bekommen und die Bäume zu erhalten“. Eine rechtliche Handhabe gebe es nicht mehr, da die Bauaufsicht bereits ihr Okay gegeben hat und Baurecht vor Baumschutz geht (die FR berichtete).

Die Entwicklung im Nordend sei dramatisch, sagte Manfred Zieran (Ökolinx). Die letzten Freiflächen würden zulasten des Klimas zugebaut, „das geht so nicht weiter“. Wichtig sei deshalb eine Bauvorschrift, die die Klimakrise berücksichtige. Die alten Bäume könnten nicht einfach durch Neupflanzungen ersetzt werden.

Ein Bewohner der Stiftung hatte in der Sitzung um Hilfe gebeten, um das Projekt zu stoppen. Überall suche man in der Stadt nach Grün, „wir haben Grün“. Wenigstens zwei der vier Bäume seien mindestens 100 Jahre alt und müssten erhalten werden. Das Bauvorhaben sei „eine Bereicherung für das Nordend“, sagte Claudia Ehrhardt (CDU). Dennoch „blutet einem das Herz, wenn die Bäume gefällt werden“.

Stadtteilpolitiker:innen kritisierten, dass sie nur zufällig von dem Projekt erfahren haben. Der Ortsbeirat wolle bei Bauvorhaben, die von öffentlichem Interesse sind, vorher einbezogen werden, forderte Grünen-Chefin Gabriele Trah. Dazu gehörten in Zeiten des Klimawandels Vorhaben wie das der Blindenstiftung, „wo große Flächen versiegelt oder Bäume gefällt werden“, sagte Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne). Das gelte auch bei Projekten von privaten Bauträgern, auf das das Gremium keinen Einfluss habe.

Der Ortsbeirat brachte einstimmig einen Antrag der Grünen auf den Weg, der künftig eine frühzeitige Unterrichtung über Bauvorhaben im Bereich der Nachverdichtung fordert. Spätestens nach der Bauvoranfrage soll der Magistrat informieren, damit das Gremium das Projekt prüfen und Stellung beziehen kann. „Wir spielen mit offenen Karten“, sagte Stiftungsvorstand Andreas Enzmann in der Ortsbeiratssitzung. Bereits seit 2019 sei die Stiftung mit der Unteren Naturschutzbehörde in intensiven Gesprächen. Die derzeitigen Mieter:innen der Stiftung wurden Ende März informiert. Eine öffentliche Veranstaltung ist für Mittwoch geplant.

Enzmann verteidigte das Projekt in der Adlerflychtstraße: „Wir sind keine Investoren. Wir machen damit keinen großen Reibach.“ Mit den Mieteinnahmen würden blinde und sehbehinderte Menschen gefördert. Auch sei es keine leichte Entscheidung gewesen, dass die Bäume gefällt werden. Es sei jedoch nur einer älter, zwei weitere seien krank.

Bei dem Areal handele es sich um ein „brachliegendes Baugrundstück“, rechtfertige sich Enzmann. Auch werde keine „Betonwüste“ geschaffen, „wir bauen nicht sechs bis sieben-stöckig“. Vielmehr sei ein Wohnhaus mit begrüntem Dach und Photovoltaikanlage geplant. Hinter dem Haus werde ein Garten für die Bewohnenden geschaffen, der extra für Sehbehinderte und Blinde ausgerichtet werde.

Die Infoveranstaltung am Mittwoch, 6. April, um 19 Uhr, ist vor allem für Anwohnende gedacht – der Platz ist beschränkt. Sie findet im Musischen Zentrum, Adlerflychtstraße 8, statt. Infos zum Neubau sollen unter www.sbs-frankfurt.de/wohnen bereitgestellt werden.

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