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Susanne Schamper kauft seit Jahren auch privat nur Secondhandwaren.

Wirtschaft

Neuer Laden im Nordend: Selbst das Kleid der Inhaberin kann man kaufen

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Susa’s im Nordend ist ein vegetarisches Biocafé und ein Vintageladen für Kleider und Möbel in einem.

Wenn man am Susa’s zufällig vorbeiläuft und in eines der vielen großen Schaufenster schaut, ist man kurz irritiert: Ist es ein Café? Ein Laden, der Vintagemöbel verkauft? Ein Laden für Secondhandkleidung?

Es ist alles in einem. „In Frankfurt gibt es so ein Konzept nicht noch einmal“, sagt Susanne Schamper. Vor wenigen Monaten hat die 49-Jährige ihr Geschäft in den Räumen der früheren Apotheke in der Eisernen Hand eröffnet.

Hier in ihrem Nordend-Laden gibt es hübsche, sehr gut erhaltene Möbelstücke, Wohnaccessoires, Taschen, Schmuck, Kleidung, Geschirr, Vasen oder Skulpturen zu kaufen: Das Besondere: Alles ist gebraucht, sieht aber nicht danach aus.

„Hier in meinem Laden kann man wirklich alles kaufen. Für den richtigen Preis können Sie auch das Kleid, das ich gerade trage kaufen“, sagt Schamper, die ein Blümchenkleid und einen hübschen Sommerhut trägt. Sie lacht. In der Küche backt sie, wenn gerade kein Kunde kommt, Kuchen oder macht Quiche.

Susa’s ist auch gleichzeitig ein Biocafé. Den Kuchen und Kaffee bekommt man natürlich ebenfalls auf Secondhandgeschirr serviert, an diesem Tag beispielsweise den Cappuccino aus einer englischen Tasse. „Diese ist handgemacht und ist aus dem Jahr 1814“, erzählt Schamper. Man sitzt auf Stühlen, Sofas und an Tischen, die man selbstverständlich auch kaufen kann. Eine sehr hübsche Sitzgruppe in altrosanem Samt kostet 710 Euro, die Couch kann man für 490 Euro kaufen.

Susa’s, Eiserne Hand 3, Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch und Donnerstag 11 bis 13.30 Uhr und 15 bis 19 Uhr, Freitag 11 bis 13.30 und 15 bis 21 Uhr, Dienstag und Samstag 11 bis 14 Uhr.

Eigentlich ist Schamper von Beruf Persönlichkeitscoach. Sie hilft Menschen, die hochsensibel sind, ihren Alltag zu bewältigen. Die Idee mit dem Laden habe sich eher zufällig ergeben. Eine Freundin habe ihr gesagt, dass sie ein Auge für schöne alte Sachen habe, und dann seien irgendwann die Räumen der ehemaligen Apotheke frei gewesen.

Seit acht Jahren kauft Schamper selbst nur noch Secondhandwaren, nicht nur Kleidung, sondern auch Möbel und Staubsaugerbeutel. „Also, die Staubsaugerbeutel sind nicht schon mal benutzt worden, sondern es gibt angebrochene Packungen zu kaufen.“

Als sie vom Land wieder zurück in die Stadt zog, suchte sie Möbel für ihre neue Wohnung. Alles kam aus Haushaltsauflösungen. „Man kann sich sehr schön secondhand einrichten und ich hatte meine Wohnung eingerichtet für das gleiche Geld, für das eine Freundin einen einzigen Designerstuhl gekauft hat.“ Aber sie mache das nicht aus Spargründen. „Sondern weil ich es falsch finde, immer wieder neue Sachen zu kaufen. Nachhaltigkeit ist extrem wichtig. Wir können so nicht weitermachen. Seit ich selbst angefangen habe, auf Nachhaltigkeit zu achten, kann ich nicht mehr die Augen verschließen.“

In einer Ecke steht ein über 200 Jahre alter Holzschrank, der 2200 Euro kostet. „Der kommt auch aus einem Nachlass. Viele Möbel aus Nachlässen sind nicht nur sehr schön, sondern sind so gut erhalten, dass sie wie neu aussehen“, sagt sie. Sie verkauft alles auf Kommission, für Einzelhändler oder Privatpersonen.

In den offenen Schränken hängen viele Kleidungsstücke. „Es ist wie zu Hause, man kann alle Schränke aufmachen, aber man muss sie nicht mehr zumachen“, sagt sie. Ein Glitzerschuh liegt auf dem Tisch. Frauenherzen werden hier glücklich. Es gibt kaum Sachen für Männer: „Herren geben nicht so gerne ihre Sachen weg. Beziehungsweise tragen sie ihre Kleidung meist so lange, bis es nicht mehr geht“, sagt Schamper und lacht.

Polyester gibt es hier nicht. „Die wenigsten Leute wissen, dass sich das Mikroplastik beim Waschen auswäscht.“ Sie selbst sei mal das „krasse Gegenteil“ gewesen. „Früher bin ich übers Wochenende mal nach Berlin geflogen. So etwas mache ich nicht mehr.“ Ein Vintagerock kostet 39 Euro, eine weiße Bluse von einer Modedesignstudentin als Einzelstück für die Abschlussprüfung genäht, kostet 129 Euro.

Mittags kann man hier auch essen. Drinnen oder bei schönem Wetter auch draußen. Alles, was an der Tafel angeschrieben ist, ist vegetarisch. An diesem Tag gibt es Quiche mit Brokkoli, Rohkostsalat und Sommersalat für 8,90 Euro. Die kalte Gurken-Radieschen-Suppe kostet 3,80 Euro. Ein Stück Kuchen gibt es für 2,90 Euro. An diesem Tag hat man die Auswahl zwischen Schokomandelkuchen und Rhabarberbaiser. Der Kaffee ist fairtrade und bio in einem. Ach ja, selbst die chromblitzende Siebträgermaschine könnte man kaufen.

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