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Die Bürgerinitiative Grüne Lunge wirbt mit einer Plakataktion gegen die Bebauung des von Gärten geprägten Areals.

Nordend

Ortsbeirat fordert Planungsstopp für Güntersburghöfe

  • vonKathrin Becker
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  • Christoph Manus
    Christoph Manus
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Der Ortsbeirat 3 stellt sich gegen die Pläne für das Wohngebiet Günthersburghöfe. Bürgerinitiativen kündigen weiteren Widerstand an – und kritisieren die Grünen im Römer.

Der Ortsbeirat 3 fordert ein Moratorium für die Planung des Wohngebietes „Günthersburghöfe“, das nördlich des Günthersburgparks im Nordend entstehen soll. Geht es nach dem Stadtteilgremium, wird das Planungsverfahren für das Areal vorläufig ausgesetzt und eine umfassende Bürgerbeteiligung beginnt. Außerdem soll die Stadt weitere Gutachten zum Artenschutz und dem Einfluss der Bebauung auf das Stadtklima in Auftrag geben. Entsprechenden Anträgen der Fraktionen der Grünen und der Linke hat der Ortsbeirat am Donnerstagabend mehrheitlich zugestimmt. CDU und FDP stimmten dagegen.

Im Zentrum der Diskussion steht ein etwa 16 Hektar großes Areal östlich der Friedberger Landstraße. Die Stadt will dort in den kommenden Jahren ein Wohnquartier mit bis zu 1500 Einheiten entstehen lassen. Der Projektentwickler Instone und die städtische ABG haben sich bereits große Grundstücke gesichert. Die Offenlegung des Bebauungsplanes steht offenbar kurz bevor. Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), bestätigte auf Anfrage der FR, dass die Planungen „weit fortgeschritten“ seien.

Das Vorhaben ist in den vergangenen Jahren immer wieder heftig kritisiert worden. Bürgerinitiativen, Umweltschutzgruppen und Kleingartenbesitzer:innen befürchten einen Verlust der Artenvielfalt in der „Grünen Lunge“ sowie von Kalt- und Frischluftschneisen durch die Versiegelung von Grünflächen.

Einer der Antragssteller, Willi Preßmar (Grüne), begründete die Forderung nach mehr Beteiligung damit, dass vergangene Beschlüsse des Ortsbeirates vonseiten des Magistrats nicht aufgenommen worden seien. Es handle sich um ein „umstrittenes Projekt“, das einer öffentlichen Debatte bedürfe. Claudia Ehrhardt (CDU) entgegnete, dass sich die Pläne für die Günthersburghöfe im Zuge der Diskussion seit 2011 bereits stark verändert hätten. „Das ist für mich Bürgerbeteiligung“, sagte sie. Manfred Zieran (Ökolinx) plädierte vergebens dafür, den Magistrat dazu aufzufordern, das gesamte Bauvorhaben zu stoppen.

„Wir wollen, dass die Grüne Lunge zu 100 Prozent erhalten bleibt“, sagte Katharina Bornscheuer von der Bürgerinitiative für den Erhalt der Grünen Lunge. Sie verwies auf eine Dokumentation des Senckenberg-Instituts, nach der das Gelände 72 geschützte Tier- und Pflanzenarten beherberge. „Diesen Biodiversitätsverlust können wir uns als Stadt nicht leisten.“ Auch angesichts der Corona-Krise sei es notwendig, das Grün zu erhalten. „Gerade jetzt brauchen wir fußläufig erreichbare Erholungsgebiete“, sagte Bornscheuer.

Im Planungsdezernat widerspricht man den Vorwürfen. In dem Verfahren habe es mehr Bürgerbeteiligung gegeben als in vergleichbaren Fällen, sagte Josefs Sprecher Gellert am Freitag der FR. So habe die Stadt im Jahr 2017 schon während des Wettbewerbs für das Areal Bürgerinnen und Bürger eingebunden. „Das gab es in Frankfurt in der Tiefe vorher nicht“, sagte Gellert. Auch in Zukunft werde die Öffentlichkeit an dem Verfahren beteiligt. „Wir sind der Überzeugung, dass wir das Areal sehr gründlich geprüft haben.“ Auch die Corona-Krise habe nichts an der Situation geändert.

Die Bürgerinitiative will nun auch mit einer Plakatkampagne, die an die städtische Kampagne zum Thema Artenschutz angelehnt ist, auf die in der Grünen Lunge lebenden bedrohten Arten aufmerksam machen. „Die Grüne Lunge bietet vielen geschützten Arten Lebensraum. Aber sie bietet auch Lebensraum für alltägliche Pflanzen und Tierarten, die unbedingt erhaltenswert sind. Sie besitzt eine Funktion für das Klima und die Menschen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Kritik an Grünen-Spitze

Weiteren Widerstand gegen die Pläne kündigt auch die Kampagne „Grüne Lunge - Instone stoppen!“ an. „So wie im Dannenröder Wald werden wir es auch hier nicht hinnehmen, dass in Zeiten von Klimakrise und Biodiversitätskollaps Stadtentwicklungspolitik mit der Kettensäge gemacht wird“, sagt Felix Wiegand vom Bündnis aus Klimaschutzgruppen, Umweltverbänden und Mieter:innen-Initiativen. Scharf greift das Bündnis die Grünen an, die als Teil der Römer-Koalition hinter der Bebauung des Areals stehen. Im Wahlkampfentwurf des Vorstands werde die Zerstörung und Bebauung des Areals bekräftigt, kritisiert das Bündnis – und ruft die Basis der Grünen dazu auf, für ein Ende der Bebauungspläne zu votieren.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hatte jüngst ein neues Klimaschutzgutachten für das Areal in Aussicht gestellt. Grundsätzlich halten die Grünen im Römer aber bisher an den Plänen fest. Der Stadtverordnete Bernhard Maier etwa sagte Ende September im Planungsausschuss, es brauche einen starken Klimaschutz, aber auch mehr geförderte Wohnungen. (Von Kathrin Becker und Christoph Manus)

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